Fragen über Fragen

Seit unserem Besuch bei der “Landshuter Hochzeit”, einer in meiner “Heimatstadt” höchst angesehenen und über alle Kritik erhabenen Veranstaltung, stelle ich mir ständig die Frage: gab’s das auch unter den Nazis? Meine historische Neugier (Altgier?) wurde noch weiter entflammt, als ich in der SZ las, der Gruß “Halloooo!”, der beim Umzug so gerne gerufen wird, habe sich erst in den 60er Jahren, von den Armbrustschützen ausgehend, auf der Hochzeit verbreitet. Hmmmm, was man wohl so in den späten 30ern gerufen hat? Zeitzeugen – die sich unter den Lesern meines Blogs sicher zahlreich finden werden – bitte vortreten: ich habe im Internetz (auf dessen Wellen ich ja sonst surfe wie eine hawaiianische Amazone!) keine Antwort auf diese Fragen finden können.

Schon 1903 wurde das Fest erstmals veranstaltet und bis weit in die 30er Jahre nicht ausgesetzt (siehe Plakat). Die offizielle Website lobt nun beispielsweise, wie sehr die Hochzeit die “Integration der Bürgerschaft” vorantrieb. Na, da fragt man sich doch, wer da so alles integriert wurde und wer nicht?

Unglücklicherweise hatte die integrationsfreudige Landshuter Gesellschaft wohl gar nicht die Möglichkeit, etwa Menschen jüdischen Glaubens zu integrieren, da die Jüdische Gemeinde Landshuts bereits vor einigen Jahrhunderten…äh…verschwunden war. Hier habe ich nun zumindest mal einen Zusammenhang zwischen Antisemitismus und “Landshuter Hochzeit” feststellen können, denn wenn mein ehem. Religionslehrer (!) Rupert Pfeiffer Recht hat, war es so:

“1450 wurden wie gesagt die Juden aus Landshut vertrieben. Ihr Geld bzw. Vermögen hat wahrscheinlich die Schatztruhen von Herzog Ludwig dem Reichen gefüllt (1450 bestieg er den Thron des Herzogstums). 1475 konnte er somit für seinen Sohn Georg die Landshuter Hochzeit für umgerechnet 25 Millionen Mark ausrichten.”

5 Responses to “Fragen über Fragen”

  1. chipmunk Says:

    Vielen Dank, computadora, dass Du den naechsten Satz nicht auch noch zitiert hast…

  2. chipmunk Says:

    … ach so, habe erst jetzt weitergelesen. Hatte M. selbstverstaendlich den Vetreibern zugerechnet!

  3. Tobi Says:

    …naja. Noch jemand Suppe?

    Das Plakat scheint in jedem Fall von Ludwig Hohlwein gestaltet worden zu sein: Großartiges graphisches Schaffen, vom Anfang des letzten Jahrhunderts bis in die Nazizeit (er starb 1939) – Verschiedenste Auftraggeber, von der Privatwirtschaft über die Stadt München bis hin zur Politik – Ich bin ein großer Fan seiner Plakatkunst, das obige Plakat kannte ich noch gar nicht.

    Im Stadtmuseum M zur Zeit: Ausstellung über die 20er Jahre: Sehenswert, auch einiges von Hohlwein zu betrachten.

  4. computadora Says:

    Was du alles weißt! Hatte das Bild rein zufällig bei Google gefunden. Aber Stadtmuseum, das ist ein guter Tipp…

  5. chipmunk Says:

    Danke, keine Suppe. Hab noch hartes Brot…


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