Die Elster ist in England und Irland ein mit starkem Aberglauben belegter Vogel. Während man den Tieren hierzulande lediglich ihre diebischen Tendenzen übelnimmt oder sie mit Raub in noch größerem Stil assoziiert, unterstellt man ihnen auf der Insel geradezu magische Kräfte. Bekannt ist das Abzählen der (im Übrigen selten allein auftretenden!) Vögel als "Orakel": One for sorrow, Two for joy, Three for a girl, Four for a boy, Five for silver, Six for gold, Seven for a secret, Never to be told. Die Ergebnisse variieren allerdings beträchtlich, je nachdem, welchen Reim man verwendet, so gibt es z.B. auch: One for good luck, two for bad luck, three for a wedding, four for a wake… und viele andere.
Zur Sicherheit ist (oder zumindest: war) es in Großbritannien daher auch noch üblich, ein kleines Ritual durchzuführen, wenn man auf Elstern trifft – weniger Abergläubischen reicht es, den Hut zu lüpfen und sich zu bekreuzigen, während ganz Vorsichtige dreimal über die Schulter spucken und "Hello Mr Magpie, how are you today, where’s your wife, your child and your family?" sagen. Wikipedia zählt noch andere Möglichkeiten auf (wobei ich das mit dem Zwicken am Besten finde):
Another superstition relating to magpies’ supposed bad luck is that upon seeing a lone magpie one should repeat the words "I defy thee" seven times. Another superstition is that on seeing a lone magpie one should pinch the person they are walking with, if they are alone they are to pinch themselves. Another is that if a lone Magpie is seen, one should salute it to show you respect it. This formality can be forgone if the Magpie looks directly in your eyes, which shows it respects you. (wikipedia)
Man sieht: die Elster versetzt manche Briten regelrecht in Angst und Schrecken! Nun meldet der britische Vogelschutzbund RSPB: die Population der Viecher hat in den letzten 30 Jahren um sage und schreibe 112% zugenommen. Sie sind inzwischen in der Rangliste der am häufigsten beobachteten Vögel schon auf dem – auch diese Zahl kann kein Zufall sein! – 13. Platz. Bleibt den armen Briten, oder zumindest den abergläubischen unter ihnen, eigentlich nur die Flucht nach Schottland: in den Highlands gibt es nämlich (im Gegensatz zu praktisch allen Regionen Europas) keine Elstern. Alternativ wende man sich an fernöstliche Weisheit – in China ist die Elster ein Glückssymbol, in Korea sogar Nationaltier. Ob sie tatsächlich immer "gute Neuigkeiten" ankündigt, sollte man sich auf der anderen Seite der Erde angesichts neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse allerdings vielleicht nochmal überlegen.