Frau (fast) ohne Unterleib

Wo wir schon bei Abnormitäten sind – kleiner Tipp für den Photoshop-Praktikanten bei der "Matador": wenn man vom Covermädel einseitig etwa 10 cm wegschnippeln muss, damit sie zur "Traumfrau" wird, sollte man nicht vergessen, ihren Nabel PS-chirurgisch zu zentrieren. Seitlich versetzte Näbel führen bei Cohu zu ausgeprägter Gänsehaut vor dem Zeitschriftenregal, ebenso junge Mädchen, deren Schultern etwa 20 cm breiter sind als die Hüften (ernsthaft: ist das eine Kampfschwimmerin? Oder wurde ihr der Hüftknochen amputiert? Und ist der Nabel nicht auch noch irgendwie viel zu weit oben? Wenn die Dame tatsächlich aus Krankheitsgründen entstellt sein sollte, bitte ich meine Bemerkungen zu entschuldigen, das wäre dann allerdings ziemlich bewundernswert für "Matador"!)
Wer  noch Nachhilfeunterricht braucht, was die – nicht ganz realistischen, aber überzeugend schönen – Proportionen von Pinup-Girls angeht, sollte bei Gil Elvgren in die Lehre gehen (seit 1970 vermutlich SFW).

Schöner Treten

Dringendes Update für unsere Suche nach Teppichen, die dem Kleinbürgertum trotzen: Hitler-Teppich.
Hm, dann aber doch lieber PVC.

Gwissenswurm, beispielsmäßig

Obwohl ich kein Faschingsmensch bin: ich hab eigentlich grundsätzlich nix gegen Verkleiden, grottige Musik, grelle Farben und großen Radau. Und deshalb war Cohu – wenn sie diese Saison schon zum schätzungsweise 27en Mal den Biedersteinerfasching verpasst – gestern zumindest im "Gwissenswurm" im Resi. Dieses schöne Stück von Ludwig Anzengruber (O-Text gibt’s hier) wurde vom berüchtigten Franz "Schimmerlos" Kroetz zu einem sog. Bauernmusical umgewandelt (Premiere war Ende Januar). Cohus Urteil: großartiger, origineller und originaler, unlangweiliger, pornografischer, blasphemischer, kopfloser, kraftvoller Spaß und Schmarrn! Allein die Bühne (siehe Fotos) wäre Grund genug, sich das Stück anzusehen. Genauso die geniale Bühnenmusik von Rudolf Gregor Knabl. Die Schauspieler durchgehend überzeugend, besonders das Volksschauspieler-Urgestein Gutmann/Kleinheinz in den Hauptrollen. Ein bisserl störend war, dass der  Knecht (Marcus Calvin) den Dialekt (eine Art "künstliches Tirolerisch", schon bei Anzengruber so angelegt) nicht sooo überzeugend hingekriegt hat. Aber aufgrund der zahlreichen Musical-Einlagen und des abstrus-grell-comicmäßigen Bühnenbildes fiel das gar nicht so auf. Mag sein, dass die schon bei Anzengruber angelegte und bei Kroetz zum fulminanten Ausbruch kommende Religionskritik Cohu milde gestimmt hat (Cohu berichtete), aber auch ohne Riesenpappjesus und Gesundbeten hätte mir das alles gut gefallen. Nicht so einigen Empörten, die vor dem Schlussapplaus zur Tür liefen, weil es ihnen dann doch zu viel war – arme, gebeutelte Mitte!

Fast genausoviel Spaß hatte ich dann nachträglich auch an der Lektüre der Kritiken – der BR fragt sich, ob eine "derartige Neuinszenierung wirklich notwendig" war. Cohu kann dies reinen Gewissens mit "Nein" beantworten. Neuinszenierungen sind nie notwendig, schon das Schreiben von Theaterstücken ist ziemlich überflüssig, und das von Theaterkritiken gleich dreimal. Die Frage erinnert mich an gestrenge (bayrische!) Eltern, die den strunzbesoffen und zugekifft nach Hause kommenden Sohn fragen: "Hat’s des jetzt wirklich ‘braucht?" – und jeder Freund des Rock’n’Roll, so auch Kroetz, weiß, dass die Frage vollständig am Thema vorbei geht.
Noch lustiger aber die Deutschlandfunk-Kritik (hier auch .mp3). DLF, ich mag Euch wirklich, aber das nächste Mal schickts doch bitte eine Kritikerin, die eine Chance hat, das Stück zu verstehen – rein sprachlich hats da glaub ich bei Frau Dr. Cornelie Ueding schon ausbissn, die ist so beschäftigt damit, sich über den Dialekt zu amüsieren, dass sie zum Stück gar nicht kommt, geschweige denn zur Inszenierung. Und da ist sie dann enttäuscht bzw. fühlt sich "deplaziert in einem ernstzunehmenden Theater", weil sie statt der Canapés und Pastetchen, die sie sonst vorgesetzt bekommt, in einen dicken, fettigen, süßen und marmeladetriefenden Faschingskrapfen beißen muss…

Also, Gwissenswurm ist zu empfehlen, jedenfalls für echte Rock’n’Roller.

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Wem die Stunde schlägt

Anfang vom Ende: Jack und Roberto

Ich muss mich jetzt mal outen. Nein, ich war nicht in der Waffen-SS, nicht mal bei StudiVZ. Habe auch keinen Fußpilz bzw. Warzen. Auch – moment, kurz Nachsehen – keine Läuse.
Aber:  ich sehe ca. seit… also, seit ich mich erinnern kann, Lindenstraße. Mit ein, zwei Jahren Pause mangels Fernseher, aber seit Folge 1000 ist das ja auch, mit ein paar Tagen Verspätung, online. Nun wird also jede Woche (sobald die IT aus dem Haus ist), "LiStra" geschaut, wie der Fachmann sagt.
Ich weiß nicht, ob jemand unter meinen Lesern die Serie verfolgt und mutig genug ist, dies zuzugeben – aber die Einreihung des Roberto Buchstab in die lange Reihe der LiStra-Toten war schon ein echter Hammer, so rein dramaturgisch. Junge Liebe! Gerade erst aufgeflammt, und schon eiskalt zerstört! Cohu griff gerührt nach trocknenden Taschentüchern und tröstender Schokolade.
Und stöberte danach mit morbidem Interesse in der Galerie der Verblichenen der Lindenstraße: unvergessen, wenn wir schon bei Liebe sind, der "Doppel-Freitod" von Ernst-Hugo von Salen-Priesnitz und Amélie von der Marwitz (ist das wirklich schon zehn Jahre her?!). Und natürlich der lang herbeigesehnte Bratpfannenmord des unerträglichen Pfarrers Steinbrück. "Lisa, gibs ihm!", höre ich noch den innerlichen Ruf aus meiner Kindheit nachhallen.
Da kann HBO noch so tolle Serien fabrizieren: irgendwie bin ich auf Lindenstraße geprägt. Hätte ich allerdings dieses Soap-Fabrikat nicht schon als Jungmensch gezwungenermaßen ein Jahrzehnt mitkonsumiert, könnte ich die geballte Peinlichkeit, die da jeden Sonntag abend auf einen einwirkt (besonders schön immer der aktuelle politische Bezug!), aber wohl kaum aushalten…

“DHL-Pakete holen / Tut so guuut….”

Ich wusste ja bis jetzt gar nicht, dass so viele Firmen eigene "Firmensongs" haben (ok, ich kannte die Telekom-Warteschleifen-Melodie, aber sonst…). Man muss sich diese Songs nicht alle antun – auch in den Kommentaren finden sich noch massig Links! – aber ich empfehle Euch ganz dringend, zumindest den "Packstation-Song" runterzuladen (über Packstationen berichtete Cohu schon mal hier).
Sollte dieser Brüller Euch auch vielleicht nicht dazu verleiten, den so elysisch besungenen Service in Anspruch zu nehmen, so wird er zumindest einige von der irrigen Vorstellung befreien, Komponisten und Liedtexter seien notwendigerweise coole und beneidenswerte Menschen.

Schallplattennadelladen

Cohu ist ja, wie ihr vielleicht wisst, keine große Freundin des Klangartefakts, insbesondere findet sie es aufreibend, euterpische bzw. aoidische (wo sind die Musenspezialisten?) Gebilde im Alltagsbetrieb als dekoratives Beielement ständig aufgedrängt zu bekommen. (Übersetzung: Radio aus!)
Aber dann und wann brauche selbst ich altes Pechohr tonale Unterstützung, etwa beim Wäscheaufhängen Johnny Cash oder beim Pilosophie-des-Geistes-Lernen Beachboys (das ist gottseidank Vergangenheit!). Wie praktisch, wenn man dann einen Plattenspieler und gleich mehrere Gebrauchtplattenläden im Wohnblock hat.
Nun zum eigentlichen Anlass des Blogeintrags: Frollein W. hat mich heute darüber aufgeklärt, dass es in der Landwehrstraße ein Geschäft nur und extra für Plattennadeln gibt, das sog. Tonnadel-Paradies. Wer hätte das gedacht, jetzt kriegt mein weniger geheimnisvoll als störend knisternder Technics SL D 310 also sogar noch eine neue Nadel!
(Ja, ich hab das jetzt eigentlich nur wegen der Überschrift gebloggt.)

(Bild: Wikimedia Commons)

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Lichtlochlos in die Zukunft

Ach, ich weiß es, unsere Bundeshauptstadt liebt es, schlaue Tipps aus dem Süden zu bekommen. Aber das ist jetzt wirklich nur gut gemeint. Wenn man, evt. als Ersatz für einen untauglichen Neubau ein diesmal wirklich sturmsicheres öffentliches Gebäude braucht: einfach die Fenster weglassen! Unsere wunderschöne Sammlung Brandhorst jedenfalls stand gestern trotz Kyrill und Edmund bombenfest. Da hat nix gewackelt. Und die Fensterputzer sowie die blöden Vogelaufkleber spart man sich auch.

Dinge mit Bedeutung

Im Werkzeugkoffer fand ich neulich ein chimärisches Artefakt: einen Schragel bzw. eine Naube, nämlich eine Schraube, der der Schlitz fehlt, bzw. einen Nagel, der ungünstigerweise ein Gewinde trägt (siehe Abb., Fotografieren ging leider nicht). Das arme, nutzlose, metaphernschwere Ding! Ich habe es sofort adoptiert und auf meinem Schreibtisch einen Ehrenplatz eingeräumt. Ich weiß ja nicht, ob ich die Einzige bin, aber über sowas kann ich mich immer sehr freuen. Genauso wie über freaky Paprikaschoten, in denen kleine Paprikaschoten wohnen, Brezen mit 3 Armen, "behinderte" Gummitierchen u.ä. Der Amerikaner würde sagen: Joy of Diversity, Cohu nennt es: Faszination für das Abnorme. Es leben die Schrägel dieser Welt!

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Viele verachten die edele Musik: zu Recht!

Heute dazugelernt:
Erstens: Es gibt, was unbegabte Straßenmusikanten angeht, Schlimmeres als Drehorgel. Siehe Abb.
Zweitens: Es sind annähernd unendlich viele Interpretationen von “Oh when the Saints” möglich, wenn man künstlerischen Anspruch und Kreativität nur simultan weit genug herunterschraubt.

Hypothesen:
Erstens: Wenn the Saints tatsächlich mal go marching in, wirst Du, Bürscherl, sicher nicht in der number sein, weil Du nämlich Deinen Mitmenschen mit erbärmlichem Gepruste ihr Leben zur Hölle gemacht hast. Und außerdem jedesmal, wenn jemand was in deinen Kasten wirft, aufhörst zu spielen, Dich vorbeugst und nachzählst, bevor Du Dich bedankst. Ich habe es gesehen, Gott hat es auch gesehen, und wenn nicht, werde ich ihn, oder soll ich sagen IHN, darauf hinweisen!
Zweitens: Eine Violine wäre noch schlimmer. Es sei denn, man lässt mir zuliebe den Teufelsgeiger von Eppendorf wiederauferstehen…

Juristenschwemme

Cohu traute zunächst ihren Augen nicht: "Konrad Mair – Der Landanwalt" ist wohl nicht genug, nein, Uschi Glas muss jetzt auch noch Anwältin werden. Na, wenigstens bekommen dann die vorwitzigen (und schon länger abgesetzten) Berliner Fernsehanwälte Liebling Kreuzberg und Edel & Starck gleich zwei bayerische Pendants (und wie wir wissen, sind bayerische Juristen aufgrund des besonders anspruchsvollen Staatsexamens ja eh was Besseres!).
Frage mich jetzt nur: warum gibts keine Hamburger Anwaltsserie? Haben die hier etwa so viel Geld, dass sie keine Rechtsstreitigkeiten anfangen? Oder liegt es an der fehlenden charakterlichen Strahlkraft der Hamburger Juristen?

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