Keine Witze: Hitze!

Die Tatsache, dass durch den "Hitze-Sommer" 2003 in Europa 70.000 Menschen gestorben sind, ist erstaunlich. Noch interessanter wäre das ganze, wenn es z.B. auch noch Zahlen dazu gäbe, wieviele Kältetode z.B. in diesem Winter (ha, ha) ausgeblieben sind – die Bewertung, das Sommersterben 2003 sei eine der "schlimmsten Naturkatastrophen in der Geschichte Europas" (SPON) würden die Winterzahlen ja evt. etwas relativieren. Ich warte in diesem Zusammenhang auf die Schlagzeile "Winterwärme 2006/07 – das Netteste, was die Natur je für uns getan hat!" – aber wohl vergeblich.
Tatsächlich sind einige der Meinung, dass der Klimawandel sogar dazu führen könnte, dass weniger Leute in Europa aufgrund von Hitze/Kälte insgesamt sterben. Das meinen z.B. Keatinge, Donaldson, et al. (2000):

Populations in Europe have adjusted successfully to mean summer temperatures ranging from 13.5°C to 24.1°C, and can be expected to adjust to global warming predicted for the next half century with little sustained increase in heat related mortality. Active measures to accelerate adjustment to hot weather could minimise temporary rises in heat related mortality, and measures to maintain protection against cold in winter could permit substantial reductions in overall mortality as temperatures rise.

Na, vielleicht auch schon total überholt.  Einen Hitzeschutzanzug (siehe Abb.) sollte sich aber schon aus modischen Gründen jeder Europäer zulegen, finde ich (macht ständiges Herunterdrehen der Heizungen, Herde, Waffeleisen, Backöfen etc. im Haushalt auch überflüssig und fördert so den guten Klimawandel!)

(Bild: Wikimedia Commons)

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Ausgerechnet…

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Affenmenschen, Menschenaffen

Beim gestrigen Frans deWaal – Vortrag in der Siemensstiftung gab es interessante Einblicke in das Verhalten von nichtmenschlichen und menschlichen Primaten. Zumal über das Amüsement der Gäste angesichts der Tatsache, dass die stumpfsinnigen Schimpansen und Kapuzineraffen praktisch nur kooperieren, wenn man dafür auch Fressen rüberwachsen lässt. "Spontanes" Imitationsverhalten, Spielverhalten, also alles, was in Richtung einer Kultur im weiteren Sinne deuten würde, ist eher selten, bzw. jedenfalls bei weitem nicht so gut erforscht wie Konditionierung, Angeborenes, etc.: ein Resultat des in den letzten Jahrzehnten vorherrschenden Behaviorismus. Ein mit der Fähigkeit zur Selbstreflexion versehener Menschenaffe wie Cohu durchschaut natürlich sofort, dass auch das Aufkreuzen von Homo-Sapiens-Individuen bei so einem Vortrag in den seltensten Fällen spontan geschieht. Ein nicht unerheblicher Teil der Gäste war nämlich, wenn mich mein hobbyethologisch geschärfter Blick nicht täuschte, wegen des köstlichen Büffets da…
Schade fand ich, dass – angesichts der stetig wachsenden Erkenntnisse über die Kontinuität zwischen Affen und Menschenverhalten und -bewußtseinsvorgängen –  die Frage der moralischen Rechtfertigung für Versuche an Affen (insbesondere medizinische Forschung an Menschenaffen, die in den USA und vielen anderen Ländern noch üblich ist) gar nicht zur Sprache kam. Aber sowas fällt einem natürlich auch immer nach der Diskussion ein. De Waals neues Buch "Primates and Philosophers" kommt jedenfalls auf meinen Wunschzettel.
Zum Thema "merkwürdiges Primatenverhalten": nach dem Vortrag sprach mich eine mir unbekannte Dame an, sie sei Künstlerin, und wolle meine ihrer Ansicht nach besonders schöne Haarspange fotografieren. Dies tat sie dann auch, hinter meinem verwunderten Rücken. Kultur ist nicht nur bei Affen ein seltsames Ding.

(Bild: Catherine Marin/Wikipedia)

…und gleich noch ein amerikanisches Schmankerl!

In meiner Eigenschaft als Nazivergleichsammlerin hab ich ja schon einiges erleben dürfen – siehe extensive Nazivergleichsammlung. Aber das ist doch ein besonderes Exemplar. Via Ingo, via Lawblog, via FTD –  Kolumnistin Ellen Goodman schreibt  im Boston Globe:

I would like to say we’re at a point where global warming is impossible to deny. Let’s just say that global warming deniers are now on a par with Holocaust deniers, though one denies the past and the other denies the present and future. (Boston Globe: No Change in Political Climate)

Hmmm. Und Glühbirnenverwender sind dann vermutlich Nazis? Ich hab nur laut gedacht!

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O tempora, o mores

In Höffes "Lexikon der Ethik" findet sich unter dem Stichwort "Ehelosigkeit" nur ein Verweis: "–> Verzicht". Ich weiß nicht, ob das heute wirklich noch so empfunden wird…da hat sich seit 2002 wohl einiges geändert. Vielleicht ist ja auch lediglich der Verzicht auf Steuervorteile gemeint.

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Blue in the Face

Der Los Angeles Zoo hat nun eine Feng-Shui-Expertin engagiert, um ein Affengehege zu gestalten. Der Guten stehen dafür 4500 Dollar zur Verfügung. Wie kommt man auf so eine total bescheuerte Idee?
Vermutlich deshalb, weil es sich um eine chinesische Affenart (Goldener Stupsnasenaffe oder Goldstumpfnasenaffe, Pygathrix roxellana) und bei den Tierchen um eine zehnjährige Volksrepublikanische Leihgabe handelt, für die der Zoo auch noch 100000 Dollar pro Jahr berappen muss.
Zynische Erklärung: Wenn man schon soviel Geld für potthässliche blaugesichtige Primaten ausgibt, ist es um die paar Kröten auch nicht mehr schade.
Gutmütige Erklärung: Der Zweck (Versuch der Rettung einer Aussterbenden Tierart) heiligt in diesem Fall die Mittel (einer Pseudowissenschaft Geld in den Rachen werfen, um die Affen für Spendenwillige interessant zu machen).
Ironie Nr. Eins: Die Affenart ist zu einem nicht geringen Ausmaß gerade aufgrund der oh-so-großartigen und harmoniefördernden fernöstlichen Pseudowissenschaften bzw. Religionen gefährdet, weil ihre Knochen in der Traditionellen Chinesischen Medizin als Heilmittel gelten und ihre Felle für irgendwelche abgefahrenen schamanischen Rituale gebraucht werden.
Ironie Nr. Zwei: die Expertin für Energiefluss erklärt in aller Ernsthaftigkeit:

"It’s very experimental," Mainini said. "We don’t have any books on feng shui for monkeys. We just have to assume that Darwin is correct and that there is a connection and what is good for humans is good for monkeys."  (Abilene Reporter-News)

Danke, Frau Mainini, dass sie so eine große Konzession an obskure Theorien wie die Evolutionshypothese machen. Ich mein, dafür gibt es (im Gegensatz zum Feng Shui) ja praktisch keine Beweise, geschweige denn Falsifizierbarkeit, aber nehmen wir gutmütigerweise einfach mal an, dass es stimmt, dass Menschen und Affen gemeinsame Vorfahren haben….

Hab ichs doch gesagt…

Mal wieder haben wir Pessimisten den richtigen Riecher gehabt – diesmal, wenn es um unsere Vorahnung geht, vermutlich recht bald und dann auch noch eines  unangenehmen und wenig heldenhaften Todes zu sterben. Dies zumindest ergibt eine an annähernd 1000 Holländern durchgeführte Studie, von der uns die NYT berichtet:

"Subjects were ranked in quartiles as pessimistic or optimistic on the basis of their reactions to statements like, “I still have positive expectations concerning my future” and, “I often feel that life is full of promises.”

Dr. Giltay and his colleagues found that subjects with the highest level of optimism were 45 percent less likely than those with the highest level of pessimism to die of all causes during the study. (…)  prevention of cardiovascular mortality accounted for nearly half of the protective effects of optimism."

Mich erfüllt das, im Gegensatz zum Autor des Artikels, nicht mit Sorge, bin ich doch schon immer der Meinung gewesen, das Recht haben wichtiger ist als lang leben. Im Zweifel gilt die Devise: Depressiver Realismus!

"Some studies have shown (…) that depressed people appear to have a more realistic perception of their importance, reputation, locus of control, and abilities. People without depression are more likely to have inflated self-images and look at the world through rose-colored glasses." (Wikipedia)

Ein lustiger Artikel über Depressive Realism findet sich auch im Guardian:

"Depressed people turn out to be less prone to these errors of thinking. One of Gilbert’s conclusions is that if we experienced the world as it truly is, we wouldn’t be able to get out of bed in the morning. And, of course, some seriously depressed people can’t. So maybe they’re the best people to be running the world, managing our national finances, assessing the threat from climate change, determining foreign policy – as opposed to upbeat politicians, who pride themselves on their optimistic (and therefore delusional) visions of a bright new future. But they can’t. Because they’re in bed. It’s a pretty hopeless situation, really."

Wem das nicht reicht, der kann es ja mal mit Nummer 12 probieren.

Kurze Meldung von der Front

Cohu ist momentan etwas beschäftigt – weniger mit dem “Shopping” als mit dem bald anstehenden Umzug (habe mich entschlossen, die vormals hamburgische IT-Abteilung in-zu-sourcen und daher neue Geschäftsräume in der Türkenstr. anmieten müssen…).
Trotzdem, etwas Erstaunliches vom Obletterbesuch neulich muss ich berichten: es gibt dort ein Playmobil-Frauenfußballteam! Endlich tut mal (außerhalb von Wien) jemand was gegen Gender-Stereotyping. Neffe und Nichte haben sich allerdings davon unbeeindruckt gewünscht: einen Polizei-Motorradfahrer und eine Lillifee-Puppe. In der zu erwartenden Verteilung.
Kein Wunder:

Although you may not realize it, your child is constantly being bombarded with gender stereotypes — the oversimplified ideas about how males and females are “supposed” to act. These messages come from the media — through movies, TV programs, books, and commercials — as well as through things like kids’ clothing and toys and even the way in which parents divide up the household duties, says Kathleen Crowley-Long, PhD, professor of psychology at The College of Saint Rose in Albany, New York, and an expert in gender and child development. (“Avoiding Gender Stereotypes”)

Ach, ich weiß nicht. Frauen sollte man in so wissenschaftlichen Dingen eh nicht trauen, glaub ich – hormonelle Schwankungen machen akademisches Arbeiten ja fast unmöglich! Obwohl, is schon mal gut, dass sie was mit Kindern macht, diese Crowley-Long. Können Frauen einfach besser.

Cohus Winter des Mißvergnügens

Ich habe es fast schon geahnt: jedes Buch, das man nach dem "Ganzen Kerl" von Tom Wolfe (sozusagen der Sonne New Yorks) aufschlägt, muss gegen dieses monströse Meisterwerk (Spoiler Warning: NYT review) verblassen.
Aber ich dachte eigentlich, dass David Lodge’s "Small World" (dt.: Kleine Welt oder, erstaunlicherweise, "Schnitzeljagd") ein ganz geeigneter Nachfolger wäre: soll es sich dabei doch auch um eine – Hörensagen! – äußerst gelungene Satire handeln. Wenn auch mit einem ganz anderen Anspruch: will Wolfe in seinen 800-Seiten Roman, an dem er 11 Jahre lang gearbeitet hat, ins volle Leben greifen, beschränkt sich Lodge vollständig auf "Academia", genauer gesagt: auf den wohl noch übersichtlicheren Elfenbeinturm der von Konferenz zu Konferenz reisenden Literaturkritiker. Ja, wahnsinnig lustig, oder soll ich sagen: irre komisch, wie diese Sprachwissenschaftler ihre Theorien verteidigen bzw. um Forschungsgelder konkurrieren. Sie sind schon crazy Typen, diese "Profs", und so witzig dabei. Ich zitiere einen Protagonisten, Philip Swallow: "Theory? That word brings out the Goering in me. When I hear it I reach for my revolver." Und dann diese Debatten! Also, da enthüllt ja dieser Lodge tatsächlich, dass viele dieser Geisteswissenschaftler einen ziemlichen Schmarrn reden. Oder im Vortrag Kreuzworträtsel lösen. Wie da diese Gelehrten praktisch zu ganz normalen Menschen werden, vor den ungläubigen Augen des Lesers, ein Wahnsinn! Cohu wird das Buch widerwillig fertiglesen, hat aber für den Lodge nur drei Wörter übrig: Ab. Ge. Schmackt.
(Wer ein wirklich lustiges Buch zum Sujet Academia lesen will, dem empfehle ich: Lucky Jim von Kingsley Amis. Der kann als alter Oxonian und guter Freund meines neuen Lieblingsdichters Philip Larkin auch mit dem "Yalie" Wolfe mithalten.)

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Level, auf deutsch: Niveau

Letzteres zu halten ist erklärtes Ziel meines donnerstäglich besuchten Kolloquiums:

Referent: "Ständiges Negieren der Umwelt ist also laut Sartre zur Selbstdefinition unabdingbar…Also, die Umwelt wird ständig verneint."
Student: "Des is aber anstrengend, oder?"
Prof: "Naja, wenn man sonst nix zu tun hat…"

Etwas später:

Prof: "Damals in Frankreich gab es ja diese Strömung, die Phäno— Mäno— also, Phänomenologie — da dürfen Sie nicht mehr als 0,5 Promill haben — …"

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