Cohus Winter des Mißvergnügens

Ich habe es fast schon geahnt: jedes Buch, das man nach dem "Ganzen Kerl" von Tom Wolfe (sozusagen der Sonne New Yorks) aufschlägt, muss gegen dieses monströse Meisterwerk (Spoiler Warning: NYT review) verblassen.
Aber ich dachte eigentlich, dass David Lodge’s "Small World" (dt.: Kleine Welt oder, erstaunlicherweise, "Schnitzeljagd") ein ganz geeigneter Nachfolger wäre: soll es sich dabei doch auch um eine – Hörensagen! – äußerst gelungene Satire handeln. Wenn auch mit einem ganz anderen Anspruch: will Wolfe in seinen 800-Seiten Roman, an dem er 11 Jahre lang gearbeitet hat, ins volle Leben greifen, beschränkt sich Lodge vollständig auf "Academia", genauer gesagt: auf den wohl noch übersichtlicheren Elfenbeinturm der von Konferenz zu Konferenz reisenden Literaturkritiker. Ja, wahnsinnig lustig, oder soll ich sagen: irre komisch, wie diese Sprachwissenschaftler ihre Theorien verteidigen bzw. um Forschungsgelder konkurrieren. Sie sind schon crazy Typen, diese "Profs", und so witzig dabei. Ich zitiere einen Protagonisten, Philip Swallow: "Theory? That word brings out the Goering in me. When I hear it I reach for my revolver." Und dann diese Debatten! Also, da enthüllt ja dieser Lodge tatsächlich, dass viele dieser Geisteswissenschaftler einen ziemlichen Schmarrn reden. Oder im Vortrag Kreuzworträtsel lösen. Wie da diese Gelehrten praktisch zu ganz normalen Menschen werden, vor den ungläubigen Augen des Lesers, ein Wahnsinn! Cohu wird das Buch widerwillig fertiglesen, hat aber für den Lodge nur drei Wörter übrig: Ab. Ge. Schmackt.
(Wer ein wirklich lustiges Buch zum Sujet Academia lesen will, dem empfehle ich: Lucky Jim von Kingsley Amis. Der kann als alter Oxonian und guter Freund meines neuen Lieblingsdichters Philip Larkin auch mit dem "Yalie" Wolfe mithalten.)

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