Decline of a Nation: Abwärtstrend endlich gestoppt?

Jaja, hier kommt immer nur so negatives Zeug. Aber dieser Boris Johnson. Ich sag’s Euch. Der wurde grad zum Bürgermeister von London gewählt und hat das Zeug dazu, London, ach, was sag ich, Großbritannien aus der Krise zu holen, in die Labour-Nasen wie Ken Livingston und Gordon Brown meine Lieblingsinsel reingeritten haben. Boris ist – das schließe ich schon nach kurzer Lektüre des Abschnitts “Controversies” in seiner Wikipedia-Biographie – nicht nur ein echter Brite, sondern vor allem ein rechter Hundling:

“Upon graduating from Oxford with a 2:1 he lasted a week as a management consultant (“Try as I might, I could not look at an overhead projection of a growth profit matrix, and stay conscious”), before becoming a trainee reporter for The Times. Within a year he was sacked for falsifying a quotation from his godfather, Colin Lucas, later vice-chancellor of Oxford University”

“Boris Johnson has been investigated by the police for the ‘theft’, in 2003, of a cigar case belonging to Tariq Aziz, an associate of Saddam Hussein”

“Johnson’s journalism and public speaking is much given to overblown metaphor, and a 2006 column likening Tory leadership disputes to “Papua New Guinea-style orgies of cannibalism and chief-killing” was criticised in Papua New Guinea”

“In April 2007 Johnson was called upon to resign by the MPs for the city of Portsmouth after claiming in a column for GQ that the city was “one of the most depressed towns in Southern England, a place that is arguably too full of drugs, obesity, underachievement and Labour MPs””

Ein Mann so recht nach Cohus Geschmack (siehe auch Abbildung – zum Schmachten, oder?!). Was, ihr habt immer noch Zweifel? Ihr findet Boris immer noch nicht den tollsten toff seit Stephen Fry? Dann seht Euch mal diesen Einsatz beim Charity-Freundschaftspiel gegen eine deutsche Mannschaft an:

Noch Fragen?

(Bild: adamprocter 2006 – Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: What’s the blandest thing on the menu?

Wenn dem Briten nach Binge Drinking ist – und das ist, glaubt man den Umfragen, oft der Fall – dann überfällt ihn, wie jeden, der stark dem Alkohol zuspricht, nach einigen Stunden ausgeprägten Hunger. Während bei uns dann eine Leberkassemmel, eine Currywurst oder Schlimmeres daran glauben muss, zieht es den Briten zum Curry House, wo er die anwesenden Asians mit seinem gewinnenden Charakter bezirzt und seinen Magen mit einem (übrigens nur in Großbritannien anzutreffenden…) "indischen" Tikka Masala gnädig stimmt. Dieses Schauspiel (man muss es gesehen haben!) stellten die Comedians von "Goodness Gracious Me" in den 90er Jahren in ihrem berühmten Sketch "Going out for an English" nach – nur eben mit vertauschten Rollen.

"Goodness Gracious Me" widmete sich allerdings auch den indisch- bzw. pakistanischstämmigen Briten selbst. Wer sich (gerade nach dem 11. September) schon immer mal gefragt hat, was es eigentlich mit diesen turbantragenden Menschen, den Sikhs, auf sich hat, dessen Neugier wird in diesem Sketch befriedigt. Manche Dinge haben eben eine ganz einfache Erklärung…

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Decline of a Nation: Analyze That

Seit Jahren dokumentiert Cohu akribisch den Untergang Großbritanniens. So schlimm kann es aber eigentlich gar nicht stehen um die Insel: die Suizidrate nimmt seit Anfang der 90er kräftig ab (und ist gerade mal etwas mehr als halb so hoch wie die unsrige!). Im Kampf gegen diese menschlichste aller Todesarten schreckt die britische Regierung auch vor seltsam anmutenden Methoden der Vorbeugung nicht zurück: seit einiger Zeit wird jedem NHS-Pflegling, der sich mit Depressionen plagt, noch vor der medikamentösen Behandlung eine computerbasierte kognitive Verhaltenstherapie nahegelegt, und zwar mit dem Programm Beating the Blues. Ein Schwesterprogramm namens FearFighterTM dient der Bekämpfung von Angststörungen – ein ängstlicher Slate-Schreiber ("England is crazy, and so am I") hat das Programm ausprobiert und war – Surprise, surprise! – nicht so wirklich begeistert. Aber: Computerisierte Therapien wie diese sollen der britischen Regierung helfen, 136 Millionen Pfund im Jahr einzusparen. Noch mehr Geld soll sich, nach Cohu-Recherchen, einsparen lassen, wenn man auch die Patienten durch Computersimulationen ersetzt – Großbritannien denkt bereits darüber nach.
Wer mit Computer-Verhaltenstherapie  unzufrieden bzw. kein NHS-Kunde ist,  kann sich immerhin an der altbekannten Internetzanalytikerin ELIZA abreagieren. Allerdings mit zweifelhaften, leicht passiv-aggressiven Ergebnissen, was die Suizidprävention angeht: siehe Abb.

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Decline of a Nation: Maestro bleibt daheim

Ja mei, die Briten: sie freuen sich, wenn doch mal einer der ganz großen zu ihnen rüber kommt und ihnen eine Kultur mitbringt, besonders wenn es eine hohe ist. So hätten sie eigentlich das Glück gehabt, dem größten Klaviererer aller Zeiten, am Sokolov Schorsch, lauschen zu dürfen – im Barbican wollte der in Italien wohnende russische Genius am 10. Mai spielen. Nur dann war halt das Blöde, dass man heutzutage ja niemandem mehr trauen darf, schon gar nicht als Engländer einem Russen, und überhaupt könnte da ja ein jeder kommen. Also hat man dem Schorschi gesagt: Schorschi, geh her, bevor hier eingereist wird, schickst Du uns einen Fingerabdruck, einen biometrischen. Den macht dir ein freundlicher Herr in der britischen Botschaft in Rom. Jetzt ist das blöde, dass der Schorschi ein schwieriger Mensch ist, der alles in allem lieber klavierert, als nach Rom zu fahren. Dem ist schon eine CD-Aufnahme zu blöd, und so ein biometrischer Zwergerlaufstand gleich dreimal. Deshalb bleibt der Tastenschorsch dieses Jahr daheim. Und das Barbican sagt sein Konzert ab. Und der kulturliebende Brite weint, was blöd ist, weil: vor dem Russen kann man sich nicht genug in Acht nehmen. Wer weiß, was der Sokolov angestellt hätte, mit seinem Geklimper, seinem radioaktiven.
Cohu übrigens lässt es gar nicht drauf ankommen (wer weiß, was dem Beckstein demnächst einfällt?) und fährt direkt ins Teatro la Fenice, da werden sie ihn ja noch reinlassen. Alle anderen bekommen zumindest das hier, was eine schöne Illustration bzw. Vertonung ist für diese absurde Geschichte.

Decline of a Nation: Im Auge des Sturms

Tu felix Britannia: während andere auf dem Trockenen sitzen und obwohl dich vor ein paar Wochen immerhin das schlimmste Erdbeben seit 1984 erschüttert hat, warnt Dein größter Versicherungsmarkt, Lloyd’s, vor einem Mangel an Naturkatastrophen. Die Versicherungswirtschaft steht vor dem Abgrund, wenn es nicht bald wieder mal ein bisschen rappelt!
Helfen wir doch etwas nach. Meine Vorschläge: Arktis und Antarktis mit Heizpilzen bedecken, der Strom dafür wird aus verheizten Regenwäldern gewonnen. Ab jetzt zum Shoppen mal eben in die Stadt fliegen. Und wenn alle ihre Ventilatoren gleichzeitig einschalten, gibts vielleicht sogar einen Hurrikan! Wir kriegen das schon hin – 2008 darf nicht katastrophenlos bleiben!

Decline of a Nation: CCTV gone wrong

Noch im November letzten Jahres beklagte Cohu sich darüber, dass die Briten Sexskandalmäßig mit den USA aber wirklich gar nicht mithalten konnten. Und nun das. Nicht nur ging Herr Mosley angeblich in seinen Perversionen äußerst kreativ zu Werke – er tat dies, trotz ausgeprägter Sonderwünsche, auch noch wesentlich kosteneffizienter als etwa Eliot Spitzer. Und, dank der flächendeckenden Kameraüberwachung der Insel, auch noch mit Videobeweis. Good Old Britannia hat’s eben doch noch drauf!

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Decline of a Nation: Ausgerechnet Elstern

Die Elster ist in England und Irland ein mit starkem Aberglauben belegter Vogel. Während man den Tieren hierzulande lediglich ihre diebischen Tendenzen übelnimmt oder sie mit Raub in noch größerem Stil assoziiert, unterstellt man ihnen auf der Insel geradezu magische Kräfte. Bekannt ist das Abzählen der (im Übrigen selten allein auftretenden!) Vögel als "Orakel": One for sorrow, Two for joy, Three for a girl, Four for a boy, Five for silver, Six for gold, Seven for a secret, Never to be told. Die Ergebnisse variieren allerdings beträchtlich, je nachdem, welchen Reim man verwendet, so gibt es z.B. auch: One for good luck, two for bad luck, three for a wedding, four for a wake… und viele andere.
Zur Sicherheit ist (oder zumindest: war) es in Großbritannien daher auch noch üblich, ein kleines Ritual durchzuführen, wenn man auf Elstern trifft – weniger Abergläubischen reicht es, den Hut zu lüpfen und sich zu bekreuzigen, während ganz Vorsichtige dreimal über die Schulter spucken und "Hello Mr Magpie, how are you today, where’s your wife, your child and your family?" sagen. Wikipedia zählt noch andere Möglichkeiten auf (wobei ich das mit dem Zwicken am Besten finde):

Another superstition relating to magpies’ supposed bad luck is that upon seeing a lone magpie one should repeat the words "I defy thee" seven times. Another superstition is that on seeing a lone magpie one should pinch the person they are walking with, if they are alone they are to pinch themselves. Another is that if a lone Magpie is seen, one should salute it to show you respect it. This formality can be forgone if the Magpie looks directly in your eyes, which shows it respects you. (wikipedia)

Man sieht: die Elster versetzt manche Briten regelrecht in Angst und Schrecken! Nun meldet der britische Vogelschutzbund RSPB: die Population der Viecher hat in den letzten 30 Jahren um sage und schreibe 112% zugenommen. Sie sind inzwischen in der Rangliste der am häufigsten beobachteten Vögel schon auf dem – auch diese Zahl kann kein Zufall sein! – 13. Platz. Bleibt den armen Briten, oder zumindest den abergläubischen unter ihnen, eigentlich nur die Flucht nach Schottland: in den Highlands gibt es nämlich (im Gegensatz zu praktisch allen Regionen Europas) keine Elstern. Alternativ wende man sich an fernöstliche Weisheit – in China ist die Elster ein Glückssymbol, in Korea sogar Nationaltier. Ob sie tatsächlich immer "gute Neuigkeiten" ankündigt, sollte man sich auf der anderen Seite der Erde angesichts neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse allerdings vielleicht nochmal überlegen.

Decline of a Nation: Bewerben Sie sich noch heute.

Dass der Arbeitsmarkt in Großbritannien ziemlich entspannt ist, ist ja allgemein bekannt. Aber diese Tätigkeitsbezeichnung ist dann doch erstaunlich.

Decline of a Nation: The last one bite ze dogs

Britische Hunde bringen’s nicht, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters:

Years of breeding German shepherds as pets in England has made them too tame for police work, British forces believe. (…) The dogs are no longer considered aggressive enough for police work (…)"They are more likely to go and lick you to death than bite you, which is not really a deterrent." (Reuters UK)

Aber jetzt kommts: aufgrund der Zahmheit der britischen Köter müssen Polizisten in Derbyshire vierbeinige Fremdarbeiter rekrutieren. Und wer wäre da besser geeignet als wirklich Deutsche Schäferhunde? Dummer Nebeneffekt: die Importhunde hören in der ersten Zeit nur auf deutsche Befehle, denn sie müssen ja auch erst mal Englisch lernen. Davor müssen sich die Britischen Polizeikräfte natürlich die korrekte Intonation deutscher Hundebefehle beibringen, was ein Bild (und vor allem ein Ton) für Götter sein muss. Ein Video von Bobbies, die mit unterschiedlichem Erfolg "Sitz",  "Gib Laut" und "Fass" rufen, habe ich leider nicht aufgetrieben, das soll aber laut sehr amüsierten Informanten schon in Vox zu sehen gewesen sein.
Den angeblichen Befehl "bissen", den die Daily Mail zitiert, verstehen deutsche Hunde vermutlich genausowenig wie deutsche Menschen. Ist aber vielleicht auch besser so.

Decline of a Nation: Traumatisch

Dass man mit den Pizzen von "Domino’s" bestenfalls traumatische Erfahrungen macht, war bekannt (das Zeug ist ungenießbar, kulinarisch gesehen wäre es ratsam, nur den Karton zu essen).
Aber nun hatte Domino’s eine neue Geschäftsidee, die vom Guardian mit dem schönen Titel "Telephone Tracker Takes Trauma out of Takeaway" treffend beschrieben wird. Wenn man auf der Domino’s-Seite seine Telefonnummer eintippt, kann man genau nachverfolgen, wo die Pizza grade ist. Exemplarische Meldungen:

– Pizza wird geknetet
– Pizza wird belegt
– Pizza fällt auf den Boden
– Pizza wird aufgehoben
– Schmutz wird von Pizza entfernt
– Nochmal ne handvoll Käse drüber, da Pizza staubig aussieht
– Pizza backt im Ofen
– Pizza wird eingepackt
– Pizzabote macht sich auf den Weg.
– Pizzabote überfährt rote Ampel
– Pizzabote klingelt
– Machen Sie halt endlich die Tür auf, sie Depp!

Damit, sagt Domino’s, wird die "emotionale Achterbahnfahrt" des Pizzabestellens etwas gemildert. Es hatte nämlich vor der Einführung des Trackers eine Studie (!) ergeben, dass:

"(…) the "high" at the point of ordering was followed by a trough of anxiety. "People have told us that anxiety sets in. They don’t know if we’ve got their order, if we’ll get it right, if it will arrive on time," said spokesman Tim McIntyre. "The tracker takes out the mystery involved."

Und das von einer Nation, die noch vor ein Paar Jahren mit Stiff Upper Lip einen Blitzkrieg überstanden hat, ganz ohne Bombenalarmtracker und nur mit dem oben abgebildeten Poster. Schande.