Decline of a Nation: Auf die Bäume!

Alkohol führt ja manchmal zu einem bemerkenswerten Auftreten kultureller Regression. Wer sonst klaglos modernste Sanitäreinrichtungen benützt, bieselt im Wiesnsuff schamlos an die Bavaria (sorry, Ursi, aber bei dem Foto war das meine erste Assoziation!), ansonsten vernüftige Leute fangen an, alberne Trinkspiele zu fotografieren und über Fußball zu brabbeln, und wer sich nüchtern gesund und ausgeglichen ernährt, plündert angeheitert haltlos die Chorizo- und Schokoladenvorräte (ahem!).
Auch unsere Freunde auf der anderen Seite des Ärmelkanals sind von solchen Verhaltensänderungen nicht ausgenommen: ein angetrunkener Student ist in England auf eine 30 Meter hohe Pinie geklettert, hat die Nacht auf dieser verbracht und musste schließlich gleich einer Katze von der Feuerwehr (die er, ungleich einer Katze, immerhin selbst mit dem Handy gerufen hatte) vom Baum geholt werden, berichtet die BBC. Schön dabei auch der Euphemismus “He had had a skinful”.
Ja, warum macht ein ausgewachsener Homo Sapiens sowas, dass er sich sozusagen bis in die Prä-Hominisations-Phase zurückwirft und den Schutz der Bäume sucht? Vielleicht, so lässt eine Umfrage des Briten-Schockerblättchens Sun vermuten, war dem jungen Mann eine Engländerin auf den Fersen, die gerade bedrohlich bis 3 zählte

The Decline of a Nation: M.”Pee” Maude

Gut an Deutschland ist nicht nur die überragende Leitkultur und unsere Exportstärke, sondern auch die Tatsache, dass deutsche Politiker sich grundsätzlich nicht zu Ausscheidungsprozessen des menschlichen Körpers äußern (wenn man von willkürlich missverstandenen markigen Altkanzlersprüchen einmal absieht).
Ganz anders in England. Nach diesem ekelerregenden Zwischenfall hatte man in dieser Beziehung zumindest für kurze Zeit Ruhe.
Nun kommt aber dafür gleich alles auf einmal, nämlich erstens die Aufforderung des Tory-Politikers Francis Maude and die britische Bevölkerung, auf den Komposthaufen zu bieseln (“Ich muss nur mal kurz raus!”). Man kann daraus schließen: die urodynamische Innovationskraft der englischen Politik reicht von Kommunisten bis zu Konservativen quer durch alle politischen Lager.
Aber – es kommt tatsächlich noch schlimmer – dann gab die NHS zu allem Überfluss auch noch ein Heftlein mit Anleitungen für die Tätigkeit heraus, die man normalerweise selbst Kleinkindern und Haustieren ohne weitere detaillierte Anleitung zutraut: “Good Defecation Dynamics“.
Bei aller unseligen Einmischung in intime körperliche Vorgänge, die bei uns gang und gäbe ist: wenigstens darüber gibts in Deutschland noch keine Debatte.

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Decline of a Nation: The Other Place

Tsk, tsk, tsk! Da sieht man’s mal wieder. Von wegen Elite. Ein Cambridge-Don des Trinity College der Trinity Hall, Spezialgebiet deutsche Literatur und Bartpflege,  hat sich unter Alkoholeinfluss angeblich ganz prosaisch an eine ehemalige Studentin herangemacht. Am besten, Ihr lest den ganzen Artikel:

The woman told jurors that Dr Hutchinson “groped” her buttock while making a “pervy Benny Hill-style noise (…) “Maybe the gin had gone to my head. It was a stiff one,” Dr Hutchinson told detectives. “I think I must have found her irresistible.”

Also, in Oxford wär das nicht passiert. Dort trinkt man traditionell Port oder Sherry.

[Update: also gut, anscheinend hat diese Volkshochschule mehrere der Dreifaltigkeit huldigende “Lehr”-Einrichtungen. Meinetwegen…]

Decline of a Nation: Cryptozoology

Indiz für den bevorstehenden psychotischen Zusammenbruch von Personen und modernen Gesellschaften sind oft Halluzinationen. In der britischen Bevölkerung treten letztere anscheinend gehäuft auf, und zwar nicht nur in Form von Gespenstern und Kornkreis-bastelnden Aliens , sondern auch als seltsame Tierchen: Nessie kennt jeder, zusätzlich fürchten die Briten aber auch "Big Cats", die aussehen sollen wie schwarze Panther oder Pumas:

"It is estimated that up to 7,000 people a year see panther-like (black) animals, or puma-like (brown) animals at large in the UK, though only about a tenth of these come to light via police, newspapers or websites such as http://www.bigcatsinbritain.org, run by the doyen of ABC research, Mark Fraser. In fact, it seems probable that more Britons have now seen a big cat than have ever seen a pig."

Massenhalluzinationen! Und wir wären nicht in Großbritannien, wenn man sich nicht die Mühe machen würde, sich für jede dieser Katzen einen wohlklingenden bzw. alliterierten Namen auszudenken:

"Over four decades, the Surrey Puma of the 1960s has been joined by the Exmoor Beast, the Beast of Bodmin, the Fen Tiger, the Beast of Ongar, the Pedmore Panther, the Beast of Gloucester, the Thing from the Ling, the Beast of Borehamwood, the Wrangaton Lion, the Beast of Shap, the Beast of Brentwood, the Lindsey Leopard, the Lincolnshire Lynx, the Wildcat of the Wolds, the Beast of Roslin, the Kilmacolm Big Cat, the Beast of Burford, the Chilterns Lion, the Beast of Castor, the Beast of Sydenham, the Shooters Hill Cheetah, the Beast of Bucks, the Plumstead Panther, the Beast of Bexley, the Beast of Barnet, the Nottingham Lion, the Durham Puma, the Horndon Panther, the Beast of Cricklewood, the Beast of Bont, the Beast of Gobowen … and many more."

Jetzt ist aber ein noch unheimlicheres Biest aufgetaucht: The Were-rabbit of Mouldshaugh Lane versetzt Gemüsegärtner in Northumberland in Angst und Schrecken:

Grower Jeff Smith, 63, said: "This is no ordinary rabbit. We are dealing with a monster.
"It is absolutely massive. I have seen its prints and they are huge, bigger than a deer. It is a brute of a thing."  (…)
"It’s been taking huge bites out of c
abbages, carrots and turnips. It’s a hungry fella." (bbc.news)

In ihrer Verzweiflung haben die Gemüsegärtner jetzt zwei Scharfschützen auf den Monsterhasen angesetzt. Und das alles passend zu Ostern!
So richtig amüsieren kann man sich über diese Meldung allerdings nur, wenn man den letzten Wallace & Gromit – Film – "The Curse of the Were-Rabbit – Something Wicked This Way Hops" – gesehen hat (den ich übrigens, trotz des idiotischen Trailers, uneingeschränkt empfehlen kann).

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Decline of a Nation: Gone Fishing

Will man diesem Artikel Glauben schenken – der, wohlgemerkt, nicht am ersten, sondern am 2. April im Telegraph stand – dann wird die britische Regierung mehr als 30 Millionen Euro dafür aufwenden, Minderheiten und Frauen mit Hilfe dieses Flyers für das Angeln zu begeistern:

“The Environment Agency will use money raised each year by the sale of fishing licenses to pay for a new leaflet entitled “10 things you should know about angling.”

“Angling does not discriminate against gender, race, age or athletic ability” and the “Government is interested in angling in the context of social inclusion in deprived urban areas,” the leaflet says.

There are also pilot programs, such as an effort in Swansea that taught Muslim women and children to fish by experts from the Salmon and Trout Association.”

Also, wenn man schon gar so politisch korrekt ist, muss man dann ausgerechnet eine Freizeitbeschäftigung fördern, bei der es darum geht, ahnungslose Wirbeltiere zum Verschlucken von Widerhaken zu animieren? Wie wär’s denn damit, stattdessen den “white, male and middle aged” Häkeln beizubringen? Aber auf mich hört ja niemand.

(Bild: Wikimedia Commons)

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Decline of a Nation: Nothing further to add.

Also, dieser Livingstone, eine wahre Goldgrube, was Stillosigkeiten angeht. Nach dem und dem kommt jetzt das:

"London’s mayor has become embroiled in a new row after criticising two Jewish businessmen involved in building a key facility for the 2012 Olympics. Ken Livingstone attacked David and Simon Reuben for their role in an ongoing dispute about the Stratford City development in east London. He suggested the brothers "go back (to their own country) and see if they can do better under the ayatollahs".

Ich weiß ja nicht, ob es da noch eine Rolle spielt, dass "the brothers were not Iranian, but had been born in India of Iraqi Jewish parents"? 

Nein, anscheinend nicht: "The mayor’s office said there was nothing further to add."

Na, mindestens ein Nazivergleich ist da doch noch drin, bevor sie den endgültig absägen! Ich warte.

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Decline of a Nation: Plagiarism Edition

"Copy & paste" heißt der Trendsport an der Universität Oxford. Ihre Studenten kupfern ungeniert aus dem Internet ab und geben die fremde Quelle nicht an. Dabei ist es nicht schwer, Abschreiber zu überführen – schon zehn identische Wörter in Folge genügen.

Eigentlich ist ein Abschluss der Universität Oxford ein Beleg für ausgeprägte wissenschaftliche Fähigkeiten: Wer sich durch Auswahlverfahren und Studium an der renommierten Universität gekämpft hat, hat beste Voraussetzungen für den Start ins Berufsleben. Die Oxford-Professoren sorgen sich aber um die Qualität ihrer Abschlüsse, weil sich viele Studenten ihre Arbeiten aus dem Internet zusammenklauben.

Also ich weiß ja nicht. Ich als Oxford-Alumna würde sowas ja nie machen!

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Nazivergleich: Die feine Englische

Tja, da weiß man jetzt gar nicht, ob das unter “Decline of a Nation” oder “Nazivergleiche” einzuordnen ist. Jedenfalls hat der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone (hier bereits schon mal rühmend erwähnt) einen kapitalen Nazivergleichsbock geschossen:

“…the mayor’s exchange last February with Oliver Finegold, a Jewish reporter for the Evening Standard newspaper. While being recorded, the mayor asked him: “Were you a German war criminal?” On being told the reporter was Jewish, he added: “Ah, well, you might be but actually you are just like a concentration camp guard, you are just doing it because you are paid to, aren’t you?”(Guardian)

Ein Disziplinarausschuss hat ihn jetzt für vier Wochen suspendiert, statt ihn, wie es ebenfalls möglich gewesen wäre, zu einem “Training” zu schicken; schön, sich vorzustellen, was man ihm bei diesem Training beigebracht hätte? Maul halten?
Am besten an der Geschichte mal wieder das Queen’s English: der Ausschuss bezeichnete Livingstones “Ausrutscher” als “unnecessarily insensitive and offensive.”
Ach, und im übrigen: für den Sammler ist der Nazivergleich noch unvollständig – ein Dementi oder gar eine Entschuldigung fehlt bis jetzt nämlich noch völlig…

Suffocation of a Nation

Kann passieren: einem Gesundheitssystem droht eine Krise, weil ein für die Behandlung von Krankheiten notwendiger Stoff knapp wird.

Kann nur dem englischen NHS passieren: bei diesem knapp gewordenen Stoff handelt es sich um das häufigste Element der Erdhülle.

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Decline of a Nation: Harmagedon

Eine englische Schule hat die Verteilung sogenannter “Hot Cross Buns” verboten, das sind Rosinensemmeln mit einem Kreuzmuster oben drauf (ähnlich wie bei manchen Kaiser- oder Brezensemmeln). Begründung: die Buns könnten aufgrund der religiösen Symbolik Schüler beleidigen! Manch ein übersäkularisierter Libertin wird vielleicht der Appetit an seinen Zuckerbrötchen vergehen, wenn er dabei aus Gründen der Symbolik an den grausamen Foltertod eines Unschuldigen denken muss. Aber das Anrecht auf Beleidigung durch religiöse Symbole haben sich natürlich die Kollektivneurotiker dieser Welt gesichert.
Diesmal geht es zur Abwechlung mal nicht um die Religion of PeaceTM ,sondern um die Zeugen Jehovahs. Die stören sich an dem Kreuz, weil sie es für ein Heidnisches Symbol halten:

Albert Berwick, a minister with the Ipswich Cavendish Congregation of Jehovah’s Witnesses, agreed with the schools’ new bun policy.
“I can understand why the school has done this and I support the decision. Hot cross buns are a pagan symbol of fertility no different to bunnies, eggs and Easter,” Berwick is quoted as saying. “The Bible states we should not worship things of a pagan origin.”  (WND)

Hm ja, mit perversem Zeug wie Osterhasen und Hefegebäck wird das natürlich nix mit dem Paradies auf Erden. Nichts gegen die Zeugen, auch bei mir häufen sich ja die Untergangsberichte,  obschon sie sich bei mir lediglich auf eine europanahe Insel beziehen und nicht auf die ganze Welt!

Zur Abwechslung: war gestern in der Munich Readery und kann den Laden insbesondere allen Romanverschlingern oder SciFi-Freunden empfehlen. Wobei ich dank zahlreicher anderer Rubriken dort auch endlich ein preiswertes englisches Exemplar von Animal Liberation erstanden habe (bei Amazon unter Outdoors &Nature eingeordnet – äh, ja…), ein Buch der mir noch etwas obskur erscheinenden Ayn Rand, und auf den Rat meiner IT hin  “What to listen for in music” (“Why to listen to music” gabs leider nicht…). Und: trotz meiner Androhung in der Readery, dieses Buch sofort mitzunehmen, gab es keine Valentinsüberraschung für mich! Soviel für heute zum Thema Weltuntergang.

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