Ein ganz großes Missverständnis…

…ist es, wenn man glaubt, an einem Mittwoch vormittag kurz vor Weihnachten wäre die Stadt praktisch menschenleer und eine Einkaufstour daher eine gute Idee. Angestellte und Arbeiter sitzen schließlich am Schreibtisch bzw. stehen am Band, um produktiverweise den Konsum erstmal zu ermöglichen!
Ganz falsch. Es ist ungefähr so leer wie an einer Bagdader US-Army-Materialausgabestelle kurz, nachdem eine neue Lieferung schusssichere Westen angekommen ist. Etwa so ausgestorben wie in Mekka während des Hadsch. Eine Einsamkeit, vergleichbar mit dem Bundestag während einer Abstimmung über Diätenerhöhung. Und dazu noch alles voller grölender Aris-Fans.
Einziger Trost: das Stofftierpanorama am Marienplatz-Kaufhof.

Apostasie, oder: Abfall vom Glauben

Da hatte ich mich am Sonntag morgen um halb neun schon gefreut, als ich einen Stadtangestellten mit einen dieser kleinen orangen Müll-Lastwägelchen im Miniformat den Bürgersteig an der Ludwigstraße hab runterfahren sehen. Ich hatte Hoffnung geschöpft und den Glauben an die Güte der Welt und vor allem der Landeshauptstadt wiedergewonnen. Aber dann…
Es geht darum: Maxvorstadt hat ja ein Müllproblem, Cohu berichtete. Euch wird jetzt vielleicht statt des Müllproblems mehr interessieren, was ein normaler Mensch an einem Sonntag vor halb zwölf überhaupt auf der Straße macht, aber wir sind hier ja nicht beim Wunschkonzert, sondern in einem Privatblog, und da bestimme ich!
Also, der Abfallentsorger. Lichtgestalt in Orange. Messias der Müllbeutel. Er steigt tatsächlich bei jedem der kleinen, hoffnungslos überquellenden Eimerchen aus. Er nimmt den Rahmen/Deckel ab. Er bückt sich sogar, hebt umliegende Papiere und Unrat auf, um sie in die Tonne zu befördern. Aber dann: statt die Tüte rauszuziehen und in seinen Wagen zu werfen, hebt er seinen bestiefelten Fuß und tritt mehrmals kräftig auf den Müll, um ihn zusammenzudrücken und Raum in der Tonne zu schaffen. Dann zieht er den Stiefel wieder raus — Cohu hofft immer noch, atemlos — aber der Müllmann dreht sich um, geht zum Wagen und kommt vermutlich erst nächste Woche wieder. Oder übernächste.
Im E-Garten findet sich neben dem Weg zum Monopteros eine Reihe überquellender Eimer, eigentlich ist die ganze Wiese müllübersät, was etwa fünfzig darin herumstochernde Krähen und Möwen sehr freut. Vielleicht können die Geier, die in Spanien aufgrund einer EU-Verordnung nix mehr zum Fressen finden und jetzt ruhelos Europa durchstreifen, auf der Suche nach Tierischem, einfach mal hier vorbeischauen.

Cohu’s Allgemeine Verunsicherung

Spätestens seit der Fernseh-Doku über den sympathischen Bernd Stromberg, einem Schadensregulierer der Kapitol-Versicherung ("So .. wenn dir das Private unterm Arsch weg bröselt, wie son morscher Keks .. was haste denn da noch?? Da bleiben ja nur die Kollegen und wir sind ja hier praktisch sind wir hier ja eine große Familie.. ich bin der Vater, Erika ist die Tante, du bist die Tochter, sagen wir mal erste Ehe, adoptiert, dann können wir beide nämlich .. wär trotzdem kein Inzest.. nur rein platonisch natürlich.. Knick, Knack!"), jedenfalls sind Versicherungen jetzt ja ein richtig spannendes Thema. Cohu springt sozusagen auf den fahrenden Zug auf und präsentiert Euch zwei brandheiße Versicherungsthemen:
Als erstes hier mal eine Geschäftsidee aus Indien, die man in Anbetracht der Seltenheit von Fahrscheinkontrollen und angesichts der horrenden Ticketpreise auch mal im MVV-Gebiet anbieten könnte, nämlich die "Schwarzfahrer-Versicherung", die in Bombay gerne anstelle von Billets gekauft wird:

"No one actually buys a ticket, but you can buy ‘ticket insurance’ from private entrepreneurs who work at the entrance of the station.  The ‘ticket insurance’ is about half the price of a regular rail ticket.  It gives you a guarantee that, in the extraordinary event that you are booked by a railways inspector for taking a free ride, your fine will be paid.  A relative was once booked and the ticket insurer paid the fine exactly as promised." (Sydney Morning Herald, via Marginal Revolution)

Ich befürchte aber fast, dass jemand, der ein solches Geschäft in einem Münchner U-Bahnhof aufziehen würde, sich von den Herren in Grün noch schneller vorgeknöpft würde als ein Rastaman mit seltsam riechender Zigarette oder ein auf der Leo in die falsche Richtung fahrender Radler, und das will was heißen. Der Vertrag wäre sittenwidrig und die Versicherungssumme damit nicht einklagbar, oder was sagen die zahlreichen Juristen unter meinen Lesern dazu? Selbst wenn: Sittenwidrigkeit des zugrundeliegenden Vertrags muss, wie wir aus anderen Bereichen (außerhalb des Sperrbezirks) wissen, ja noch lange nicht der Todesstoß für ein Gewerbe sein.
Aber nun zu ernsteren Problemen, die durch Unter-Versicherung entstehen könnten:

"Nach dem Atomgesetz sind Schäden, die von deutschen Atomkraftwerken ausgehen, nur bis zur Höhe von 2,5 Milliarden Euro abgedeckt. Nur für einen Teil dieser Deckungsvorsorge müssen die Betreiber tatsächlich eine Haftpflichtversicherung nachweisen." (www.atomhaftpflicht.de)

Selbst eine Dyskalkulikerin wie Cohu kann sich an den, äh, mehreren Zehen des linken Fußes ausrechnen, dass die Schäden, die bei einem Atomunfall entstehen würden, ichsagjetzteinfachmal, um ein Vielfaches höher ausfallen könnten. Ich bin jetzt wirklich keine Atomkraftgegnerin, aber warum, in Gottes Namen, werden ausgerechnet Atomkraftwerksbetreiber von der Haftung befreit? Ist es wirklich so ‘ne gute Idee, für die Herren eine Anreizsituation zu schaffen, in der Sicherheitsmaßnahmen in Atomkraftwerken sich finanziell einfach nur bis zu nem gewissen Punkt lohnen? Da sich andere auch diese Frage stellen, gibt es eine Unterschriftenaktion für volle Haftpflicht, getragen u. A. vom Bund Naturschutz in Bayern und dem BUND  (auch online). Interessant finde ich diese Aktion insbesondere deshalb, weil sie m.E. nicht davon abhängt, dass man kategorisch oder ideologisch "gegen Atom" ist – es geht einfach um eine, wie der Ökonom so schön sagt, Internalisierung von Externalitäten, abstrakt gesehen um den Abbau einer monströsen Subvention für einen einzelnen Wirtschaftszweig, und sowas findet doch jeder gut. Also es sei denn, einer von Euch besitzt oder leitet ein Atomkraftwerk. In dem Fall würde ich verstehen, dass er nicht unterschreibt; ihn aber dringend bitten, sich um die Sicherheit in seiner Anlage zu kümmern statt hier am hellichten Vormittag idiotische Blogs zu lesen!

(Bild: Wikimedia Commons)

Geh weiter!

Ich habs ja schon immer geahnt. Dass das Magazin "New Yorker" inzwischen das einzige Abo ist, das ich nicht aus Wut über schlechte Artikel abbestellt habe, war ja schon ein ziemliches starkes Indiz. Aber dieser Ask-MetaFilter-Thread zum Thema "Wie verhalte ich mich wie ein New Yorker?" bestätigt meine Vermutung: ich bin eigentlich ein New Yorker, ich lebe nur in der falschen Stadt! Das bestimmende Merkmal der Bewohner dieser Metropole aller Metropolen scheint nämlich dieser Punkt zu sein:

Walk in a straight line and to the right of the sidewalk. Look where you’re going. Don’t step out into the sidewalk from a building without looking for foot traffic.

Do NOT stand at the top of the subway steps when you come out to try to figure out where you are or what direction you’re facing (or otherwise block doors, etc.).

(…) But as long as you’re not stopping in the middle of the sidewalk, we don’t really care where you’re from.

(…) never ever block the sidewalk.

Stand on the right, walk on the left, and if you stand dumbly on the down escalator and I can’t get by, I’ll kill you.

Walk quickly and don’t get in anybody’s way. Do not stop at the top of the stairs at the station exit to check your map. Do not stand anywhere but on the right on an escalator. Do not walk slowly.

To sum that up, it would be "Don’t block the sidewalk. Don’t block the box. Don’t, generally, obstruct other people’s legitimate business; we’ve all got stuff to do and we’re all in a hurry, so if you’re dawdling, flirting with the cashier, gawking at the pickles/lox/olives, gawking at a tall building: do it on your own time and space, and most definitely not while I’m blocked up waiting in line behind you."

Eine Stadt von diesem Kaliber wäre ganz nach Cohu’s Geschmack. Ich – die ich doch sonst von ausgeglichenem, ruhigem und mitfühlendem Gemüt bin – gerate nämlich in eine unberechenbare, bösartige und aggressive Stimmung, wenn jemand mir den Weg verstellt. Menschen, die genau mittig auf dem Bürgersteig stehen, um Auslagen zu betrachten? Wah! Subjekte, die sich vor Cafés, idealerweise noch mit geschobenen, quergestellten Fahrrädern,  ausführlich unterhalten? Oh nein! Am Schlimmsten: solche, die ganz grundlos einfach GAAANZ LAAAANGSAAAAM GEHEN???? Da werde ich, sozusagen, zum New Yorker.
Vielleicht würde es ja schon reichen, nach Braunschweig umzuziehen. Das ist ja angeblich (laut Brand Eins Wissen, siehe .pdf) die schnellste Geh-Stadt Deutschlands, während München (hinter Berlin mit Platz 6) auf Platz 14 rangiert…

Nachtruhe

Besucher in einem Innenstadt-Hinterhof, zwischen 3 und 5 Uhr nachts, absteigend nach Beliebtheit geordnet:

1. Mäuse
2. Marder
3. Ratten
4. Kichernde P1-Tussen, die lange brauchen, ihr Radl abzusperren
5. Torkelnde Besoffene, die hinter die Mülltonnen bieseln
6. Torkelnde, lallende Besoffene, die hinter die Mülltonnen bieseln und dabei laut Fußballlieder grölen.

Decline of a Nation: Und ich sag noch…

Vorgestern hatte sich Cohu in gewohnter Boshaftigkeit lustig gemacht, das neue Olympia-Logo für London 2012, in dem manche einen Affen auf dem Klo, andere ein zerbrochenes Hakenkreuz sehen, sei, ich zitiere mich selbst, "die expressiv-mitreißende visuelle Umsetzung eines tonisch-klonischen Grand-Mal. Krzgrmpff!"
Heute – und das ist kein Witz – musste das das neue Logo vermarktende Promovideo aus dem Netz genommen werden, weil es – Taa Daa! – tatsächlich epileptische Anfälle ausgelöst hatte:

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Il Postino

Goldjunge!
(Bild: Wikimedia Commons)

Den Film konnte ich noch nie ausstehen, aber er passt als Titel, weil es da um einen leicht retardierten Zusteller geht.
Unser Postino hat uns schon mehrmals Briefe für einen offensichtlich schon seit Jahren nicht mehr in diesem Haus ansässigen Franzosen eingeworfen. Weil dieser den gleichen Namen hat wie die IT.
Wohlgemerkt: den gleichen Vornamen.
Return to sender, würde Elvis sagen. Ich hoffe jetzt nur, dass der Gute Mr. Postman nicht auch noch anfängt, zu dichten.

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Gendefekt

Irgendwas stimmt nicht mit Cohu. Ich hasse hasse hasse Shopping. Am allermeisten hasse ich Schuhekaufen! Wobei: Handtaschenkaufen ist fast noch schlimmer. Aber das stand gestern gottseidank nicht an, Handtaschen halten relativ lange (da man ja nicht darauf rumtrampelt den ganzen Tag, also ich jedenfalls nicht). Meine Schuhe dagegen hatten ein Loch in der Sohle (!). Ich habe gestern also einfach die exakt gleichen Schuhe, die ich seit drei Jahren habe, in ner anderen Farbe nochmal gekauft. Und mich durch den H&M gequält, Berge in die Kabine geschleppt, nur um dann mit einer ganz ganz kleinen und fast leeren Tüte wieder zu verschwinden. Traumatisch!
Vielleicht sollte ich doch einen Beruf ergreifen, bei dem man Uniform trägt:
Politesse
Bundeswehrdame
Krankenschwester
Und mein persönlicher Favorit:
Zoowärterin

Ich teile gern

Momentan sind wohl Bürokratiewochen. Cohu durfte zwar keine Steuererklärung abgeben, dafür aber versuchen, ihre "Bezügemitteilung" zu verstehen, für ihre (übrigens mal wieder geiler Ausdruck) "Niedriglohn-Beschäftigung in der Gleitzone" (nicht zu verwechseln mit der – auch schön – "geringfügigen Beschäftigung"). Dabei ist ihr nicht die Feinheit entgangen, dass sie zwar – jetzt zwangsläufig innig an den warmen Busen der Solidargemeinschaft gepresst – monatlich 11,73 in eine Arbeitslosen"versicherung" einzahlen darf, aber natürlich (aufgrund einer Befristung auf 6 Monate) gar keinen Anspruch auf Arbeitslosenhilfe erwirbt. Abzocke!, würde die Springerpresse sagen, und das mit Recht! Ob ich von meinen Renten"versicherungs"zahlungen (immerhin mehr als 50€ im Monat!) jemals wieder etwas sehen werde, bleibt mir ein Rätsel. Aber ihr ahnt es: wieder bin ich dem Anarchokapitalismus ein Stück näher gekommen!

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Intellektuelle Herausforderung

Das KVARTAL-Gardinenaufhängesystem von Ikea ist treffend benannt nach der Zeit, die man pro laufendem Meter ungefähr braucht, um es zu montieren. Schwierigkeitsstufe: vergleichbar mit einem bayrischen Abitur. Wird ab jetzt in meinem CV aufgeführt!