Preisfrage

Was würden südamerikanische Anti-Bush-Demonstranten machen, wenn es die Nazis nie gegeben hätte?

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Das Lästern der Anderen

Komisch: je unsympathischer der Oscar-Riese mit dem seltsamen Namen von anderen dargestellt bzw. empfunden wird (ist adelig! lacht! ist für das Recht auf Waffenbesitz!), desto sympathischer wird er mir. Vielleicht sollt ich mir den Stasi-Film doch mal anschauen.

Schöner Treten

Dringendes Update für unsere Suche nach Teppichen, die dem Kleinbürgertum trotzen: Hitler-Teppich.
Hm, dann aber doch lieber PVC.

Blue in the Face

Der Los Angeles Zoo hat nun eine Feng-Shui-Expertin engagiert, um ein Affengehege zu gestalten. Der Guten stehen dafür 4500 Dollar zur Verfügung. Wie kommt man auf so eine total bescheuerte Idee?
Vermutlich deshalb, weil es sich um eine chinesische Affenart (Goldener Stupsnasenaffe oder Goldstumpfnasenaffe, Pygathrix roxellana) und bei den Tierchen um eine zehnjährige Volksrepublikanische Leihgabe handelt, für die der Zoo auch noch 100000 Dollar pro Jahr berappen muss.
Zynische Erklärung: Wenn man schon soviel Geld für potthässliche blaugesichtige Primaten ausgibt, ist es um die paar Kröten auch nicht mehr schade.
Gutmütige Erklärung: Der Zweck (Versuch der Rettung einer Aussterbenden Tierart) heiligt in diesem Fall die Mittel (einer Pseudowissenschaft Geld in den Rachen werfen, um die Affen für Spendenwillige interessant zu machen).
Ironie Nr. Eins: Die Affenart ist zu einem nicht geringen Ausmaß gerade aufgrund der oh-so-großartigen und harmoniefördernden fernöstlichen Pseudowissenschaften bzw. Religionen gefährdet, weil ihre Knochen in der Traditionellen Chinesischen Medizin als Heilmittel gelten und ihre Felle für irgendwelche abgefahrenen schamanischen Rituale gebraucht werden.
Ironie Nr. Zwei: die Expertin für Energiefluss erklärt in aller Ernsthaftigkeit:

"It’s very experimental," Mainini said. "We don’t have any books on feng shui for monkeys. We just have to assume that Darwin is correct and that there is a connection and what is good for humans is good for monkeys."  (Abilene Reporter-News)

Danke, Frau Mainini, dass sie so eine große Konzession an obskure Theorien wie die Evolutionshypothese machen. Ich mein, dafür gibt es (im Gegensatz zum Feng Shui) ja praktisch keine Beweise, geschweige denn Falsifizierbarkeit, aber nehmen wir gutmütigerweise einfach mal an, dass es stimmt, dass Menschen und Affen gemeinsame Vorfahren haben….

Wenn ich mal groß bin…

…will ich auch so ein Hemdchen haben! Fast so gut wie mein Computadora-Shirt.

(Bild: Xeni Jardin via flickr – Aus einem Boing Boing-Bericht über guatemaltekische Anstrengungen, durch Digitalisierung von Polizeiarchiven Bürgerkriegsverbrechen aufzuklären.)

Große Brüder

Die Briten haben ja jetzt große Big-Brother-Probleme – ne, ich meine nicht die CCTV-Seuche, die Großbritannien in den letzten Jahren überschwemmt hat (meine Lieblingsstelle im zitierten ZEIT-Artikel ist immer noch die hier:

Einer der Videokontrolleure beobachtet einen Passanten, der einen McDonald’s-Karton fallen lässt. Er schaltet das Mikrofon ein: »Heben Sie bitte Ihren Abfall auf und werfen ihn in einen Mülleimer.« Der Schmutzfink dreht sich zu dem Lautsprecher um, wendet sein Gesicht der Kamera zu, geht weiter. Aus dem Lautsprecher gellt eine zweite Warnung: »Wenn Sie Ihren Abfall nicht aufheben, werden wir Sie strafrechtlich verfolgen.«)

– also, darum soll es ja jetzt gar nicht gehen, sondern vielmehr um die unsägliche Fernsehsendung gleichen Namens. Im britischen (Promi-) Big-Brother gibt es nämlich einen Rassismusskandal – die Bollywoodschauspielerin Shilpa Shetty ist im Menschenkäfig sichtlich unbeliebt, was sich in charmantem Verhalten ihrer Mitgefangenen äußert:

On Monday night’s episode, Jo reportedly suggested that Indians were thin because they are always ill as a result of undercooking their food.
The trio also complained that Shilpa had touched other housemates’ food with her hands.
Danielle said: "You don’t know where those hands have been."
Jade Goody’s mother, Jackiey Budden, repeatedly referred to Shilpa as "the Indian" while she was featured on the show and was unable to pronounce her name.
(BBC News)

Wohl haben wir es bei Frau Shetty mit einer britischen Kader Loth zu tun: die ganze Person ist eine "nerve-fraying annoyingness", meint Germaine Greer in einem aufschlussreichen Guardian-Kommentar:

"Everything about her is infuriating: her haughty way of stalking about, her indomitable self-confidence, her chandelier earrings, her leaping eyebrows, her mirthless smile, her putty nose and her eternal bray."

…was den habituellen Rassismus der anwesenden "weißen" Vollbriten natürlich nicht besser macht. Ich nenne das "Prinzip Schminkspiegel", wenn man bei Menschen allzu genau hinsieht, wird es immer hässlich.
So sind denn auch die Tschechen dazu übergegangen, eine alternative primate reality show zu senden: Stars sind die Gorillas des Prager Zoos. In diesem Zusammenhang soll jetzt eine Gorilla-Geburt live im Internetz übertragen werden.

Bei diesen Aussichten kann ich die armen deutschen Politiker, die sinnloserweise zu Bunte-Homestories gedrängt bis ins intimste Detail hinein durch die Gegend gehetzt werden, weil Journallie und Medienkonsumenten sich in ihrer jugendlichen Unverschämtheit erdreisten, Menschen, die bereit sind, politische Verantwortung zu übernehmen, mit anderen Maßstäben zu messen, auch in ihrem Privatleben, als den Rest der Bevölkerung, nur beruhigen: seid froh, dass nicht auch noch die Geburt Eurer (unehelichen) Kinder im Fernsehen stattfindet. Soviel Privatsphäre gesteht Euch nämlich selbst Cohu zu.
(Bild: Wikimedia Commons)

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Socialismo o muerte

Schon drollig, dieser Chavez. Sehr unterhaltsam das Video vom Besuch bei europäischen, äh, britischen Sozialisten. Da bekommt man Zweifel, ob die letzten 30-60 Jahre überhaupt stattgefunden haben… haben die nicht genug an ihrem Red Ken zu knabbern, dem alten Nazivergleicher? Na gut, die vor ihm haben es halt falsch angepackt bzw. sind den bösartigen Angriffen des Imperialismus erlegen, dem Chavez traut man die Umsetzung der sozialistischen Utopie – allein aufgrund seines enormen Espressoverbrauchs – aber immer noch zu. Manche unterstellen ihm gar das Zeug zum Angriffskrieg!
(Im übrigen wird der, wenn er die Wahlen abschafft, alsbald ein Beispiel für meine Theorie, dass Diktatoren im 20. Jahrhundert überwiegend äußerlich abstoßende Vertreter ihrer Art sind oder waren, siehe: Mao, Hitler, Ceausescu, Mussolini, Kim Jong-Il, Ahmadinedschad…Stalin und Hussein sind, natürlich rein äußerlich, rühmliche Ausnahmen, schon aufgrund der stattlichen Diktatorenbärte).

Sprachliche Nachträge

Drei Sachen, in chronologischer Reihenfolge.

Erstens: Auf der Rückfahrt aus Österreich, auf der Straße zum dann sich leider als gesperrt herausstellenden Fernpass, sah ich ein Schild mit der Aufschrift: "Lawinenstrich". Ich kenne – man liest ja Zeitung – einiges: Straßenstrich, Babystrich, Bahnhofsstrich – aber was soll ein Lawinenstrich sein? Müssen wir uns hier eine sexuelle Perversion vorstellen, die sich auf Schneemassen bezieht? Oder auf das drohende Erwischtwerden von der Lawine beim Ge-Vau? Ist das mit der "Lawine" vielleicht übertrieben (so wie "Baby", "Straße" und "Bahnhof", wo es doch in Wirklichkeit um "Teenager", "Rückbank" und "Bahnhofsklo" geht) und es sind nur kleine bis mittelgroße Schneebälle involviert? Aber die brennendste Frage: warum stellen die Tiroler dafür ein Schild auf? Ist das etwa erlaubt? Tsk.

Zweitens: die U-Bahn-Dame sagt jetzt "Sendlinger Tor" endlich richtig. Die SWM lesen Münchenblogger.

Drittens: diese Firma stellt u.a. kleine München-Buttons her (gesehen beim Breitengrad in der Schelling, nicht im Internetz). Auf denen steht "Minga – I moag [sic] di".
Welche Lehre ziehen wir daraus? Von einer Firma, die das gleiche Graffel für Hamburg und sogar Berlin (!) macht, kauf ich doch sowas nicht. Zumal die Aussage eine offensichtliche Lüge ist. Ich weiß gar nicht, wer mich mehr hasst, "Minga" oder Berlin. Beide Städte haushalten sehr gezielt mit ihrer Zuneigung (ja, in der Hinsicht kann sogar Berlin haushalten!). Und kennt ihr eigentlich irgendeinen Münchner (nicht aus Landshut, Erding oder FFB zugezogen oder im Volksmusik- oder Trachtenbereich tätig), der Minga sagt?

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Ja in den Bergen wohnt die Freiheit / In den Tälern wohnt der Schicki-Micki

 
Tiroler fressen mir aus der Hand

So, Tirol hätten wir auch überstanden. Sehr erholsam! Berge, Berge von Essen, und Berge von Geschenken (exemplarisch: eine schöne Robert Gernhardt-Gesamtausgabe, eine Aluminiumkasserole, und ein Riesen-Coffeetablebook mit allen Cartoons des New Yorker, und noch ganz viele andere Sachen). Danke auch für die zahlreichen Gratulations-SMS und -Kommentare.
 Nur gegen Ende wurde es dann ganz schön kalt und schneelastig, und bei einem Talbesuch in Ötz (der Hunger trieb uns nach unten) sind wir in ganz komische Kreise geraten. Nur so von der Anmutung her, ich will nichts unterstellen, kam man auf die Idee, dass hier der Schnee nicht nur unter den Reifen der Geländewagen knirscht. Ganz im Gegensatz zur Vorstellung unseres Mannes in New Haven waren die Schicki-Mickis keineswegs ausgestattet mit (Zitat) "Edelweisstattoo am Oberarm und Polo-Ralph-Lauren-Holzfällerhemd" sondern vielmehr schwarzen Anzügen (!), gelverstärkten Haaren, pashminabehängten Damenschultern, feinen (?) "Drinks", es hatte gar eine dezente Diskokugel und vor allem wahnsinnig laute, u.a. volkstümliche Musik, die uns das Essen zu einer wahren Freude machte. Im Il Giardino sind die 90er noch nicht zuende gegangen und werden das auch eine Weile lang nicht tun, daher wohl die deutliche Alkoholisierung rauschhafte Stimmung von Wirtin und Gästen, die hoffentlich das Morgenlicht bzw. das Fin de Siècle nicht so bald bzw. wenigstens nicht so bewusst erleben werden. Heisser Geheimtipp für Zeitreisende mit akustischer Toleranz!

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Über alle Berge

Falls einer fragt, ich bin für ein paar Tage in Tirol, wo ich Halloween, Reformations- und Geburtstag feiern werde. Und, nicht zu vergessen, Allerheiligen. Übrigens super Idee, einen Feiertag für sämtliche Heilige zu machen, also sehr effizient, und wenn man an dem Tag ausreichend gedenkt, hat man alles abgedeckt an Heiligenverehrung.
Warum feiert man nicht auch alle Geburtstage an einem Tag? Wie wärs mit “Allgeburtstag” am 15. Juli, da ist es schön warm. Große Party, jeder kriegt ein Geschenk, und man kommt nicht mehr mit den ganzen Daten durcheinander. Allerdings: wenn man den Tag dann auch noch vergisst, ist es wirklich blöd…