Mungos mungo

Auch die hartgesottensten (am härtesten gesottenen?) Nicht-Familienmenschen werden sich beim Anblick eines solchen Mungohügels überlegen, ob das nicht eine ziemlich gute Art ist, Sonntagnachmittage zu überstehen. (1,37 reichen für einen bequemen Haufen aus Blutsverwandten allerdings nicht aus, da muss man sich dann eher an den Duggars orientieren.)

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Von Golliwog bis Othello

Ein Golliwog ist ein etwas altertümliches und inzwischen durch und durch aus der Mode gekommenes Spielzeug – der Nachkriegsdeutsche (und der Niederbayer bis gut in die 80er Jahre hinein) hätte es als Negerpuppe bezeichnet und nichts besonderes daran gefunden. Zu großem Aufruhr führte das Wort “Golliwog” aber auf unserer Lieblingsinsel neulich, als die Fernsehjournalistin Carol Thatcher (die Tochter der Thatcher) einen Tennisspieler als ebensolchen bezeichnete. Nicht on air zwar, sondern in einer privaten Unterhaltung mit einem Kollegen, aber zur Entlassung hat’s trotzdem gereicht, zumal die garstige Dame es nicht übers Herz brachte, sich zu entschuldigen.

Woher aber kommt es, dass “Golliwog” als Schimpfwort empfunden wird? Anderswo vermarktet man “ethnic dolls” schließlich als Symbole für den endgültigen Triumph über den Rassismus und für den linksliberalen Amerikaner ist es eine Frage der Ehre, dass der Nachwuchs nicht mit greisligen Barbies oder Bratz spielt, sondern mit Amamanta Dolls, die nicht nur anatomically, sondern auch racially nahe an der Realität sind. Auch der Golliwog war ursprünglich vielleicht stereotypisierend, aber nichts direkt Rassistisches – ich vermute jedenfalls, Debussy schrieb seinen Golliwogg’s Cakewalk nicht in der Absicht, Schwarze zu diffamieren:

Warum also der Wandel zum Schimpfwort? Fans von Hanni und Nanni und den Fünf Freunden jetzt bitte weghören – die Schuld am schlechten Ruf des Golliwog trug unter anderem die Schreib-Großindustrielle Enid Blyton, denn, so erklärt die Seite Racism & Golliwogs:

Blyton’s Golliwogs were often rude, mischievous, elfin villains. In Blyton’s book, “Here Comes Noddy Again”, a Golliwog asks the hero for help, then steals his car. (…) Her depictions of Golliwogs are, by contemporary standards, racially insensitive. An excerpt from The Three Golliwogs is illustrative: “Once the three bold Golliwogs, Golly, Woggie, and Nigger, decided to go for a walk to Bumble-Bee Common. (…) So off went Woggie and Nigger, arm-in-arm, singing merrily their favourite song – which, as you may guess, was Ten Little Nigger Boys.”

Das Lied dürfte auch dem deutschen Leser zur Genüge bekannt sein, wenn auch vielleicht eher aus der Ottifanten- oder Jägermeister-Version. Spätestens an diesem Punkt ging der Begriff “Golliwog” also, ähnlich wie “Negerkuss” und “Mohrenkopf” den Weg alles Irdischen.

Aber trotzdem – irgendwie sind diese ganzen stereotypen Mohren (metaphorisch gesprochen) nicht totzukriegen. In einer Münchner Bäckerei jedenfalls fand Cohu gerade das hier:

“Faschings-Othello”, hieß es auf dem Schildchen.

Tagtest

Rechnungen werden im Hause Cohu seit Neuestem mit großer Freude sofort bezahlt – seit Cohu einen tollen BEZAHLT-Stempel besitzt! Vielleicht könnte man mit der Einführung von Stempeln für alle möglichen unangenehmen Dinge sein Leben wesentlich effizienter gestalten. Sowas wie 

BEIM ZAHNARZT GEWESEN

oder

KLO GEPUTZT

Bei der Gelegenheit fällt mir ein: Lopado­t emakho­selak ho­galeo­kranio­leipsano­drim­hyp o­trimmato­silphio­karabo­melito­katakekhy­meno­k khl­epi­kossypho­phatto­perister­alektryo n­opto­kephallio­kigklo­peleio­la gōio­siraio­ba phē­tragano­pterý gōn ist ein bei Aristophanes beschriebenes  Frikassee aus verschiedensten Fisch- Fleisch und Gemüsearten.

 [Dieser Eintrag wurde nur erstellt, um Obskure HTML-Tags zu testen.]

Boris Johnsons Gespür für Schnee

In Europa tobt ein Kampf. Nein, nicht um bodenlose Banken oder Wirtschaftsprotektionismus, sondern um wirklich wichtige Dinge: Ist Schnee gut oder schlecht?

In solchen grundsätzlichen Wertfragen wendet sich die Bourgeoisie traditionell an konservative Führungspersönlichkeiten, Bohemiens dagegen überlassen Wertdissense lieber Komödianten,  Lebenskünstlern bzw. Irren. Wer wäre also qualifizierter als der Londoner Bürgermeister Boris Johnson – Konservativer und Spitzenhallodri in Personalunion -, die Frage nach dem Schnee ein für alle mal zu beantworten? Hört, hört:

“This is the right kind of snow, it’s just the wrong kind of quantities.”

Geradezu salomonisch, dieser Boris, und ich schließe mich seinem Urteil vollumfänglich an.

Tausend Jahre Lesezeit

Der Vorschlag kann ja auch nur von SPON kommen: wenn sich so langsam die E-Reader durchsetzen, so bemerkt das renommierte Qualitätsblatt, sei es Zeit für neue literarische Formate. Kurzgeschichten, Erzählungen und sonstiges Kleinzeug seien ideal für das Kindle:

"Dabei könnte die Kurzgeschichte als 99-Cent-Download ganz neue Fans finden. Hier könnte man Texte verkaufen, die es nie in eine Buchhandlung schaffen würden. Und wenn doch, dann nur gut getarnt in einem Sammelband: Erzählungen, literarische Reportagen, Glossen, Essays, Kurzgeschichten." (SPON)

Der 280-Seiten-Standard-Roman sei schließlich lediglich ein Produkt marktwirtschaftlicher Zwänge und nicht notwendigerweise das Non-plus-ultra der Literatur. In diesem Punkt gebe ich dem SPON-Autor recht, aber er zieht natürlich, vom zeilenbezahlten Kurztexteralltag verblendet, die vollkommen falschen Schlüsse aus seiner Beobachtung.

Marktwirtschaftliche Zwänge haben es bis jetzt verhindert, dass wirkliche Romane veröffentlicht werden – damit meine ich 800 Seiten aufwärts. Wenn aber das Kindle die Kosten für lange Texte abschafft, brechen goldene Zeiten an für Leser und Autoren. Warum musste Melville seinen Moby-Dick auf popelige 536 Seiten beschränken? Eine zeitlose Geschichte erfordert mehr Raum, die Cetology ist kurz gefasst und wichtige Details fehlen. Warum ist Donna Tartts großartiger "Little Friend" schon nach 555 Seiten vorbei? Köstliche Spannung, aber doch etwas übereilt. Und warum kann man sich in einen genialen Wolfe wie "A Man In Full" nur viel zu kurze 742 Seiten lang vergraben? Bei so wenig Raum ist es nicht verwunderlich, dass der Weißgewandete einen etwas überstürzten Schluss an dieses Meisterwerk hängen musste. Schreib’s nochmal, Tom! 1000, 2000, 3000 oder 10.000 Seiten – wenn das Kindle sich durchsetzt, werden die literarischen Genies der Zukunft keine Grenzen mehr kennen.

Man sollten dann allerdings darüber nachdenken, dem Gerät einen Netzanschluss zu verpassen. Schließlich wollen wir nicht schon nach einer knappen Woche Lesen von einer blinkenden Batterieanzeige gestört werden.

(Das Bild zeigt Bücher aus der Bibliothek des Merton College, Oxford. Tom Murphy VII, Wikipedia)

Die Korrekturen

Nennt mich Kalle

Avantgarde der Frühgeschichte

Hatten die Neanderthaler Musik? Und wenn ja, wie hörte sie sich an? Der Jazzkomponist Simon Thorne (Obacht, Audio) hat im Auftrag des Walisischen Nationalmuseums eine Komposition geschaffen, die dieser Frage nachspüren soll. Hier ein Artikel darüber und hier ein kurzer Ausschnitt.

Jetzt muss ich freilich dazusagen, Cohu ist ja selbst eine große Freundin der Neuen Musik. Unter der Dusche trällere ich Zwölfton-Greatest-Hits (siehe) und wenn ich mal richtig relaxen will, kommt mein Lieblingssong in den CD-Spieler – zum Mitschunkeln:

Aber trotzdem, Herr Thorne: Dass die Neanderthaler eine solch greislige Musik gemacht haben sollen, wie Sie sie da abgeliefert haben, glauben Sie doch selber nicht. Nur, weil die Damen und Herren homo neanderthalensis keine schwarzen Rollkragenpullis, Apple-Computer und Saxophone ihr eigen nannten, können sie ja trotzdem Geschmack, Virtuosität und Groove gehabt haben. So wie z.B. die Baka-Pygmäen – ein heute noch jägerisch und sammlerisch tätiges Volk der Schwesternspezies homo sapiens -, die mir musikalisch viel besser gefallen als das von Ihnen pseudoprimitiv nachempfundene Gewummer, Gedröhne und Gegröhle.

[P.S.: Jodeln rockt! Cohu berichtete.]

Im Herzen sind wir alle rot

Schon vor einiger Zeit widmete die in einem fast vollständig roten Schreibtischhabitat lebende Cohu der Frage "Ist Rot die Farbe der Sieger?" einen Artikel. Ergebnis: die Wissenschaft ist, wie bei eigentlich allen relevanten Fragen, gespalten. Zwar gewinnen Sportler mit roten Trikots überdurchschnittlich oft Turniere (das sagen Anthropologen und Bayernfans), aber wer Intelligenztests absolviert, schneidet, von roten Farbeindrücken beeinflusst, eher schlechter ab (das sagen Psychologen).

Die NYT berichtet heute von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen in dieser Angelegenheit. Ein roter Farbeindruck, so eine neue Studie,  kann auch leistungsverbessernd wirken, allerdings nur bei einer bestimmten Art von Aufgabe:

"In the study, published Thursday on the Web site of the journal Science, researchers at the University of British Columbia conducted tests with 600 people to determine whether cognitive performance varied when people saw red or blue. Participants performed tasks with words or images displayed against red, blue or neutral backgrounds on computer screens."

Red groups did better on tests of recall and attention to detail, like remembering words or checking spelling and punctuation. Blue groups did better on tests requiring imagination, like inventing creative uses for a brick or creating toys from shapes.

“If you’re talking about wanting enhanced memory for something like proofreading skills, then a red color should be used,”

Das, liebe Leser, erklärt wohl, warum Cohu zur Zeit so fleißig vor sich hin korrigiert, aber so wenig bloggt. Zur Abhilfe schenke man mir blaue Vorhänge.

(Übrigens: wer nur genug Rot im Herzen trägt, kann sogar in wenig vorteilhaften Dunkelazurblau phänomenale Tore schießen.)

A majore ad minus

Nur mal als kleine Erinnerung: der Vatikan hat schon ganz andere Leute nicht exkommuniziert. Ja, mag da der unbedarfte Ungläubige oder Protestant fragen, was muss man denn dann noch anstellen, um exkommuniziert zu werden?
Schreckliches,  Unaussprechliches!

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