Mjamjam

Ausgewogene Ernährung ist geboten, zuletzt hatten wirs ja mit Hundefleisch und Rindermägen, aber jetzt mal was Gesundes: ein sehr zutreffender Kommentar zur Ernährungspolitik vom Stadtneurotiker. Interessant fände ich übrigens auch mal eine Untersuchung über den Zusammenhang zwischen zunehmender Thematisierung von Übergewicht und "falschem" und "richtigem" Essen und der Entwicklung von Esstörungen. Es geht hier ja nicht nur um modeabhängige Schönheitsideale wie Models, sondern auch um eine immer stärker werdende gesellschaftliche Normierung des Essens (darunter fällt auch das "Ampelsystem", m.E. vollkommen hirnrissig), das Kinder krank macht. Wenn Vierjährige im Kindergarten erklärt bekommen, dass man von eigentlich allem außer rohem Gemüse fett wird, dann finden die sich nämlich (Überraschung!!!) tatsächlich irgendwann fett, auch wenn sie’s gar nicht sind…

Decline of a Nation: No Use Eating A Dead Dog

Ein britischer Performancekünstler (über den ich hier schon mal ausführlich berichtete, Stichwort: Schwanenbraten) hat in einer Live-Radiosendung auf offener Straße Hund gegessen, um gegen die Jagd-Gewohnheiten der Monarchen, insbesondere die inhumane Fuchsjagd von Prinz Phillip, zu protestieren. To add insult to injury, wie man im Englischen so schön zu sagen in der Lage ist, hat auch noch Yoko Ono mitgespachtelt.
Verspeist wurde (teilweise) ein "Welsh Corgi", eine Hunderasse, die, soweit ich weiß, durch eine Kreuzung zwischen Dackel, Schäferhund und Fledermaus erzeugt wird, wobei bei den Welpen die komplizierte Praxis des Beinchen-Kupierens angewandt wird (s. Abb.). Ein Rudel dieser Zeckenteppiche umschwärmt bekanntermaßen stetig Queen Elisabeth.
Corgi also, gedünstet mit Äpfeln und Zwiebeln. Jedoch:

"It was pretty disgusting. I’ve never tasted anything like it — it was gray and had a very funny smell. It was horrible." (MSNBC)

Hm. Vielleicht, lieber Herr Gowan, lag das daran, dass ihr einen Hund verwendet habt, der "eines natürlichen Todes" gestorben ist – so wird das natürlich nichts. Hundegreisenfleisch. Und warum denn Äpfel, um alles in der Welt? Warum nicht eine schön scharfe Bosintang-Suppe? Ach Großbritannien, wann lernst Du endlich kochen…

(Bild: Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Chocing!

Schon etwas älter ist die Urban Legend, dass Kakao Rinderblut enthält. Während sich der Massai (zurecht) über eine nahrhafte Mahlzeit aus Milch und Blut freut, ist das beim Mitteleuropäer wohl anders. Na, schon gefrühstückt?
Aber es geht – wenn man der "Welt" Glauben schenken will – sogar noch schlimmer. Ein Lebensmittelkonzern hätte in Großbritannien  geplant, "Schlachtabfälle" in Schokoriegel zu mischen und dann Vegetarier darauf hingewiesen, dass die Riegel von nun an für sie ungeeignet sind – nach größeren Publicityproblemen wurde dann aber doch von der Änderung der Rezeptur abgesehen. Tatsächlich, in Großbritannien wird die Vegetarier-Auszeichnung  sehr ernst genommen. Ganz im Gegensatz zu Deutschland, wo man ja zumindest außerhalb der großen Städte auch noch davon überzeugt ist, dass Geflügel, Fisch und Wild kein Fleisch sind und damit für Vegetarier akzeptabel. Manch ein gutmeinender Wirtshauswirt dehnt das bis zum Kalbfleisch aus!
Aber das mit den "Schlachtabfällen". Naja. Das hätte jetzt gut zu "Decline of a Nation" gepasst, Engländer fressen alles, höhöhö, usw. Bei den verwendeten "Schlachtabfällen" handelt es sich jedoch um Lab, ein Enzym aus dem vierten Kälbermagen. Dieser Stoff wird seit Urzeiten zur Käsegerinnung gebraucht. Es handelt sich nicht um einen "Abfall", sondern vielmehr um ein Nebenprodukt der Fleischproduktion – meine Schuhe sind ja auch nicht aus "Schlachtabfällen". Schockiert sollte die "Welt" vielleicht auch noch titeln: "Käse: es werden Schlachtabfälle beigemischt!".
Als Lehre kann man aus diesem Vorkommnis jedoch ziehen: wer es mit dem Vegetarismus ernst meint, sollte sich das mit dem Käse noch mal überlegen. In Deutschland ist die Verwendung von Kälberlab auf dem Käse fast nie ausgezeichnet. Gottseidank kann dank moderner Technik Lab inzwischen auch künstlich (mit Hilfe genveränderter Mikroorganismen) hergestellt werden ("vegetarischer Käse" steht dann drauf). Ob der allerdings wirklich vegetarisch ist, ist auch wieder so ne Frage, denn Kühe geben bekanntermaßen nur Milch, wenn sie in regelmäßigen Abständen Kälber bekommen. Und wohin mit den ganzen Kälbern, insbesondere den männlichen? Na, Wiener Schnitzel. Is ja vegetarisch!

(Bild: Wikimedia Commons)

Alternativen

Eine andere Welt ist möglich – der kritisch Geist fragt sich natürlich, wie "anders"? Ohne Schwerkraft? Mit Deos, die keine Flecken mehr machen? Wo es nicht immer grad in dem Moment anfängt zu regnen, wenn die Grillkohle glüht? Das wäre toll und Cohu dementsprechend dafür. Aber man weiß es ja nicht so genau.
Also einfach mal das Programm  des G8-Alternativgipfels in Rostock zum Thema "Strategien und Alternativen" (pdf) anschauen, ob die echt so super Sachen vorhaben.

Hisbollah als Partner. Marxismus und Anti-Imperialismus im 21. Jahrhundert

Christliche Alternativen zur neoliberalen Globalisierung

Die Lösung heißt TEILEN

Das sind find ich Titel, die einfach für sich sprechen. Eine feine Ironie finde ich allerdings in diesen beiden Punkten:

Bedingungsloses Grundeinkommen statt Existenzangst und Erpressung:

Hey, halt mal, das hat doch Milton Friedman erfunden, Stichwort "Negative Einkommenssteuer"- und im Titel ging es noch darum, "Strategien gegen den Neoliberalismus zu finden". Nicht dafür! Vielleicht kommt diese Übernahmestrategie ja aus dem Workshop globale Gerechtigkeit, da wird schließlich die "Wissensallmende" propagiert.
Am schönsten – und so wunderbar demokratisch, gerecht etc. pp. finde ich aber das Thema:

Begräbt Hugo Chavez den Kapitalismus?

Der begräbt noch ganz andere Sachen, liebe Chavez-begeisterte Linksruck-Frau. Gaaanz toll. Also dann bleib ich doch lieber bei dieser Welt, trotz des Scheißwetters.

BBQuatsch

Nicht, dass ich dem Weltenweisen mit seinem Bericht über das "MP3-Waschmaschinen-Patent" Konkurrenz machen will. Aber weil gerade so ein perfektes Grillwetter ist (und ich außerdem an einer leichten, geistesumnachtenden "Fleisch-Vergiftung" durch Doppelgrillen am Wochenende leide) : Cohu präsentiert den George Foreman "IGrill", den ersten Grill mit eingebautem IPod-Lautsprechersystem! Ob man den auch gleich an die MP3-Waschmaschine anschließen kann?

Noch ein Pöt

Cohu ist nur in beschränktem Maße der Lyrik zugänglich: meistens bin ich wohl für die feinen Schwingungen, die die Dichtkunst transportieren soll, nicht empfänglich genug, oder die Themen (wahre Liebe, unausweichliche Vergänglichkeit und, äh, …schöne Schönheit) interessieren mich nicht soooo brennend, dass ich für eine Vertiefung in sie jetzt stundenlang über Verse gebeugt zubringen wollen würde. Ich bin ja eher eine fürs Narrative.
Die einzigen Ausnahmen, was Cohus lyrisches Desinteresse angeht, bilden Robert Gernhardt (der breiten Öffentlichkeit sind seine Werke unwissentlich bekannt aus den Otto-Büchern) und  Phillip Larkin ("This be the verse"). Ansonsten: ich bin sooo unpoetisch (sprich "unpötisch")!
Aber jetzt. Schon allein für dieses unglaubliche Gedicht sollte man sich vielleicht auch Kurt Bartsch mal näher ansehen: Adolf Hitler, ganz allein (1985)


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Zeigeraum

Gerne würde ich darüber berichten, dass in zwei Wochen nahe meiner Haustür der erste "Microsoft Showroom" Deutschlands eröffnet. Leider crasht die Seite (zumindest meinen) Firefox, und hat außerdem einen Audioeffekt, den man nicht ausschalten kann (jedenfalls hab ich keinen Knopf gefunden). Wer trotzdem noch Interesse daran hat, der drehe die Lautstärke runter gebe diese Adresse gewissenhaft in seinen "Internet Explorer" (?) ein: http://www.microsoft.com/germany/showroom/

Andere im Hause Cohu sind da etwas positiver eingestellt: Ich rechne jetzt jedenfalls schon mal fest damit, dass ich ab jetzt Montag bis Mittwoch von 12-19 Uhr und Donnerstag bis Samstag von 10 bis 19 Uhr die Wohnung für mich habe.

Von der Kunst, wirklich relevante Nachrichten auszuwählen.

Schneckenpost

Cohu bekam heute ein ganz schön verdächtig aussehendes Päckchen zugestellt (s. Abb.) Mit einem Filmdöschen drin, in so einem gepolsterten Umschlag. Jaaa, was kann das gewesen sein? Da sieht das Briefchen auch noch so aus, als wäre es auf dem Weg geöffnet und wieder verschlossen worden – hat Cohu versucht, Drogen zu schmuggeln? Geheimnisvolle Biologische Waffen? Anthrax? Würchwitzer Milbenkäse? Oder, noch schlimmer, ist Cohu etwa G8-Gegnerin und Gegenstand steter Post-Überwachung?
Weit gefehlt. In Wirklichkeit befinden sich im rätselhaften Päckchen malaiische Turmdeckelschnecken, die ersten Bewohner meines neu angelegten Aquariums! Wie es jetzt ausschaut, sieht man hier. Allerdings ohne Schnecken, die sind viel zu klein, um sie zu fotografieren.

Blattkritik

Der Stadtneurotiker hatte ja vorgewarnt: heut war in der Zeit das neue "Leben-Magazin." Ich fand das Ding leider nicht gut: beim Layout hatte ich die spontane Assoziation "Vanity Fair," was (hoffe ich wenigstens) nicht beabsichtigt war. Der Wallraff-Aufmacher: gewohnt unheimlich, aber auch gewohnt "schockierend, schockierend." – über böse Callcenter. Erwarte das nächste Mal eine Geschichte darüber, wie skrupellos Inkassounternehmen sind oder Drückerkolonnen, angekündigt wurden schon mehrere Wallraffiaden für das Leben-Magazin. Gääähn!
Dann eine befremdliche Reportage über "Zwei Frauen, zwei Männer, alle Mitte zwanzig und in einer festen Beziehung, lernen sich bei einem Wochenendseminar kennen, Es werden drei Tage voller Magie und großer Gefühle. Jetzt sind sie sich erstmals wiederbegegnet."  Das ganze ziemlich Jetzt-mäßig, in dem Sinne, dass die Großen Gefühle durch Großes Gerede verständlich gemacht werden müssen, inkl. Große Worte wie Beziehung, Partnerschaft und Die Liebe. Am Ende bleibt nur die Frage: haben die tatsächlich beim Adenauerseminar gebumst, und das nicht nur ausserehelich, sondern sogar außer-festbeziehungsmäßig? Sorry, man muss die Dinge manchmal beim Namen nennen! Äh, man müsste: die drängende Frage bleibt unbeantwortet.
Ein wenig überraschendes Interview mit Ackermann, Siebeck mit abgefahrenem Zeug aus dem Kochwettbewerb (Würschtl aus Hering, Kalbshirn, na lecker). Lustig: Atelierbesuch bei den Künstlern Gilbert & George.
Also für mich hätte es die Umstellung auf ein Magazin nicht gebraucht.
Ach, ach, ach, ich bin immer so negativ, deshalb noch was Positives: Martenstein gibt’s jetzt auch als Video. z.B. hier zum Thema: "Messer für Pilze!"