Friede, Freude, Eierkuchen

Wie man der Datenbank der Nominierten für den Friedensnobelpreis für die erste, ja bekanntermaßen besonders friedvolle Zeit des letzten Jahrhunderts, leicht entnehmen kann, sind die Vereinigten Staaten mit 613 Nominierten von 1901-1955 (zum Vergleich Österreich: 215, China: O) damals das friedlichste Volk überhaupt gewesen.
Andere Gründe sprechen allderdings dafür, etwas an der Aussagekraft dieses Ergebnisses zu zweifeln: ahem.

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Teufelsgeiger

Nein, es geht wider Erwarten nicht um die IT, obwohl sie jetzt sogar in einem richtigen Orchester mitkratzt. Sondern um einen echten Geigenvirtuosen, der gerade im Nebenhaus einen Brahms herunterspielt, dass es eine Freude ist. Dieser Neuzeitpaganini beeindruckt mit seiner Brillianz sogar Cohu, die ja eigentlich keine Freundin von Streichinstrumenten ist. Sieh da, man kann dem schändlichen Instrument gar himmlische Töne entlocken!
Schade, dass der Herr (oder die Dame) mit dem Gefiedel im Laufe seiner Karriere vermutlich 200 Elternpaare auf die Idee bringen wird, dass "Der Noel/Die Jaqueline doch auch mal Geige lernen könnte!" – und damit viel Leid in die Welt.

Schwarz-Weiß-Denken

Ralph Giordano hat in einem Rundumschlag gegen aufmüpfige Muslime, die jetzt auch noch die in Deutschland herrschende Religionsfreiheit schamlos ausnützen und Moscheen bauen wollen (!), burkatragende Frauen als "menschliche Pinguine" bezeichnet, die seine "Ästhetik" "beschädigen und stören."

 Pinguin, beliebte menschliche Nachahmer

Nun. Inhaltlich will ich mich gar nicht in die Debatte (?) einmischen, nur bei der Wortwahl hätte ich Herrn Giordano, der doch immerhin etablierter Schriftsteller ist, etwas mehr Geschick zugetraut: erstens ist es allgemein bekannt, dass Pinguine sehr ästhetische und auch moralisch vorbildhafte Tiere sind (siehe "Reise der Pinguine"). Sie sind reinlich, schön anzusehen, aufopfernde Eltern und vorzügliche Schwimmer. Schon also solche eignen sie sich nicht als Metaphernfutter für beleidigende Bemerkungen. Zweitens müsste man dem Herrn Intellektuellen evt. mal ein Bild eines Pinguins zeigen (siehe Abb.). Der Pinguin trägt einen weißen Latz und erinnert daher mitnichten an Burkachicks, sondern vielmehr an (katholische!!!) Nonnen und (westliche!!!) Dirigenten bzw. Pianisten (s. Abb.). Will Herr Giordano solche "menschlichen Pinguine" auch aus dem Straßenbild verschwinden sehen? Sollen Konvente und Konzerthallen geschlossen werden? Und Linux vielleicht auch gleich noch verboten, nur wegen der Abneigung gegen Sphenisziden? Ich weiß ja nicht…wer Pinguine so sehr hasst, dem kann ich eigentlich nur noch dieses Killerspiel empfehlen.

(Hier gibt’s noch einen Audiolink zu einem Interview mit Giordano, das heute morgen meine absolute Radiolieblingsjournalistin Elke "Ich-stelle-hier-die-Fragen" Durak geführt hat – ca. 9 unterhaltsame Minuten.)

(Bilder: "Tux": Larry Ewing, Simon Budig, Anja Gerwinski; Wikimedia Commons. Nonnen: Wikimedia Commons, Dirigent Charles Lamoureux: Wikimedia Commons).

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Wie im Urlaub…

Me likey: so sieht das Original aus. Neapolitanische Pizza Margherita.
(Bild: Wikimedia Commons)

…fühlst Du dich, wenn Du, einen romantischen Sonnenuntergang im Blick, zu sparsamen Preisen ein kühles Bierchen zischen und eine knusprige Pizza verspeisen kannst, untermalt vom südländischen Geschäker des dreitagebärtigen Pizzaiolo Enzo und seines ebenso dreitagebärtigen Kumpanen Renny, die außerdem die gesamte italienische Diaspora nördlich der Alpen um sich versammelt zu haben scheinen. Um so besser, wenn man dafür nicht an den Gardasee oder gar bis ins eher unappetitliche Neapel fahren muss, sondern die Schellingstraße reicht: Lo Studente. Die Pizza ist übrigens tadellos (wenn auch nicht perfekt): sehr knusprig, hat mir persönlich etwas zu wenig Kräuter, aber ich muss jetzt erst mal ein paar Sorten ausprobieren, um mir ein abschließendes Urteil erlauben zu können (gestern gab’s Napoli, die ist natürlich hauptsächlich salzig).
Das wär’s eigentlich: alle Sorten von Mario, Rosso und Studente einmal durchprobieren. Widerstand gegen den Nationalen Aktionsplan!

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Decline of a Nation: Von vor der Wiege bis zur Bahre

7. Woche: noch schaut er harmlos aus…

(Bild: Wikimedia Commons)

Jaja, die neue Unterschicht, was machen wir mit ihr? Zahllose Kolumn-, Feuilleto- und sogar Theaterregisseuristen und -innen haben sich an dieser Frage die Zähne ausgebissen, von den Politi-, Psychologi- und Soziologikern mal ganz abgesehen. Eins ist sicher: ist der Unterschichtler erstmal ausgewachsen, ist an seinem Habit, seinen Ess- und Trink- sowie Fernseh-Gewohnheiten praktisch nix mehr zu ändern. Jetz mal ehrlich, kann man sich Dittsche mit Schlips und Kragen beim Assessment Center vorstellen? Kaum.
Daher auch eine Idee, die – aus den USA kommend – sich jetzt unser geschätzter Insel-Toni vorgenommen hat: schon ganz früh anfangen, sich diese Individuen vorzuknöpfen, damit Intervention das schlimmste (Ausscheiden aus der Arbeitsflotte oder gar Kriminalität) verhindert. Mit "ganz früh Einschreiten" ist diesmal aber nicht das gutgemeinte Gardinenpredigen vor garstigen Ghettokids gemeint, sondern die Überwachung von ungeborenen Kindern:

In an effort to intervene as early as possible in troubled families, first-time mothers identified just 16 weeks after conception will be given intensive weekly support from midwives and health visitors until the unborn child reaches two years old. (guardian)

Was mit "troubled" gemeint ist, wird nicht so ganz klar – in den USA machte sich das schlicht an einem geringen Einkommen der Mutter/Eltern fest. Herr Blair verkauft das Programm als "Fairness" – die Startchancen der Kinder sollen verbessert werden – und erinnert an die sozialen Schäden, die "manche von diesen Familien" in der Volksgemeinschaft in der Community anrichten.
Laut amerikanischen Studien hat die Methode tatsächlich messbare Vorteile – höhere IQs und bessere Sprachentwicklung bei den Kindern, weniger Vernachlässigung und besserer Gesundheitszustand bei Mutter und Kind, später auch gesunkenes Risiko, dass das Kind kriminell wird. Als Turbo-Konsequentialistin, die ich nun mal bin, müsste ich die Maßnahme eigentlich toll finden. Trotzdem hinterlässt es einen seltsamen Nachgeschmack, wenn schon bevor die Elternschaft überhaupt begonnen hat, diese staatlicherseits in Frage gestellt, überwacht und "unterstützt" wird. Was, wenn man keinen Bock auf wöchentliche Besuche von der NHS-Dame hat und sie wieder wegschickt? Wird einem dann für die zukünftige Fortpflanzung die Lizenz entzogen? Ach ne, da steht ja noch: freiwillig. Aber trotzdem: was, wenn sich herausstellt, dass es für die Kinder am allerbesten wäre, gar nicht in ärmlichen Verhältnissen aufzuwachsen: müsste man sie dann nicht eigentlich staatlicherseits an bessere Stellen verteilen – äh, katholische Kinderheime?

Wirkungsvoll

Auf dem Weg durch den Englischen Garten springen von rechts und links  Promotionschnecken auf uns zu und rufen simultan: "Flyer für After-Work-Events!!!???", während sie mit bunten Zetteln vor uns herumwedeln.
"Danke", erwidert die IT, "wir arbeiten nicht!", worauf die Schnecken entsetzt von uns ablassen.

Ursachenforschung

Im Zoo Rotterdam entkam am Freitag ein Gorilla aus dem Gehege – der Amok-Affe verletzte mehrere Besucher. Während der Stern noch über die Gründe rätselt – War es Panik? Wollte er sein Weibchen und Babys beschützen? – könnt ihr bei Cohu den wahren Grund für den Ausraster erfahren: Killerspiele! Menschenaffen in Zoos werden nämlich inzwischen auch schon mit diesen üblen Machwerken versorgt, so z.B. die Orang-Utans in Atlanta. Unverantwortlich!!! Frau Böhmer, übernehmen Sie!

Schöne Freizeit-Projekte

Wenn ich nicht weiß, was ich an einem schönen Samstag Nachmittag mit meiner Zeit anfangen soll, hole ich mir gerne Anregungen in meinen Google-Keywords:

klöppeln in bukarest – wie komme ich denn nach Bukarest! Außerdem wurde schon aus dem Strick-Projekt nichts.
balkonbepflanzung per helicopter – habe leider keinen Balkon. Ansonsten super Idee.
kann man sich eine rippe rausoperieren – Spare-Ribs, anyone?
bunker party berg am laim – dann doch lieber das mit der Rippe.

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Und von da an gings bergab.

Hier erklärte uns bereits 1987 der hardcore-interdisziplinäre Evolutionsbiologe Jared Diamond
(den man ebensowenig mit Hans-Werner Sinn verwechseln sollte wie mit Gregory Peck als Kapitän Ahab), was der schlimmste Fehler in der Geschichte der Menschheit war: nein, nicht etwa der große Selbstbetrug. Auch nicht die Erfindung Gottes.
Das Übel nahm, so Herr Diamond, noch früher seinen Lauf, nämlich mit der Wandlung von der Jäger-und-Sammler zur Agrargesellschaft, die – inklusive Hungersnöten, Tyrannei, sozialer Ungleichheit und allen unschönen Dingen – letztlich zu einer Vergrößerung der Population bei gleichzeitiger Verringerung der Lebensqualität des Individuums führte. Jäger und Sammler wurden durch die schiere Bevölkerungsmasse der Bauern und Viehzüchter an die äußersten Ränder der bewohnbaren Gebiete gedrängt und leben heute bekanntermaßen nur noch in Savannen (Aborigines), in den Tennis- und Golfclubs der wohlhabenden Vorstädte, wo sie es auf Zahnärzte und Heuschrecken abgesehen haben (Ralph Lauren), in Eiswüsten (Inuit) und Sandwüsten (San), bei Schlußverkäufen (Woolworth), in Urwäldern (Yanomami) und auf Messen (Bauma), wo sie von nahrhaften, vitaminreichen Werbegeschenken wie z.B. Kugelschreibern mehr recht als schlecht leben. Wir Bauern hingegen sind unglücklich und verfettet. Angeblich ist das sogar das Geheimnis, das hinter der seltsamen Seuche ADHS steckt.
Jaja, schöne Theorie, aber in Wirklichkeit ist jemand anderer an allem Unglück in der Welt Schuld. Nämlich die Ärzte. 250.000 Tode im Jahr werden in den U.S.A. als iatrogen (d.h. von Göttern in Weiß verursacht) interpretiert. Nach Herz- und Krebstoden ist das also die dritthäufigste Todesart!!! Dann doch lieber, frei nach Jared Diamond, in Ausübung des Jäger- und Sammlerberufs, vom Säbelzahntiger (s. Abb.) niedergestreckt werden…

Your tax dollars at work

Wenn man öffentlich-rechtlichen Anstalten wie der FFA schon Millionen in den Rachen stopft, um die Qualität des deutschen Films zu verbessern, dann ist es doch tröstlich, dass die Kröten nicht nur für Schund wie "Herr Bello" , "Rennschwein Rudi Rüssel 2 – Rudi rennt wieder" und "Das Parfum" ausgegeben werden, sondern auch mal richtige Qualitätsprodukte gefördert werden. Z.B. "Der Goldene Nazivampir von Absam 2 – Das Geheimnis von Schloss Kottlitz." Allein der Name hätte m.E. bereits einen Oscar verdient! Worum geht es?

Wenn es nach General Donovan ginge, dann würde sich der Militärgeheimdienst der Vereinigten Staaten um wirklich wichtige Dinge kümmern, denn von denen gibt es im Oktober 1942 mehr als genug. Läßt die Waffen-SS doch nach Atlantis forschen und nackt germanischen Druidenriten frönen – wer glaubt schon an okkulte "Wunderwaffen"? Doch wohl kein vernünftiger amerikanischer Patriot – höchstens William Blazkowicz, der einzige Brillenträger des Geheimdienstes.
Und doch… kann man eindeutige Warnungen ignorieren? Filmaufnahmen? Beweise?
Was geht wirklich vor im Schloß von Kottlitz? Wer tötete Smokey Savallas? Wonach forscht das "Ahnenerbe der SS"? Wer hat das Gerippe von Graf Dracula aus der Walachei verschwinden lassen? Was verbindet einen fanatischen SS-General, unterirdische Laboratorien voller deutscher Wissenschaftler und eine Grube mit geschmolzenem Gold?
Fragen über Fragen – und ausgerechnet William Blazkowicz wird in die Alpen geschmuggelt, um Antworten zu finden. Aber was ihn auf Schloß Kottlitz erwartet, hätte niemand auch nur im Traum ahnen können…
(Teaser)

Am Montag wird der (leider nur 45 min. Kurz-)Film in Cannes vorgeführt.

(Bild: Chris Hirschhäuser)

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