Für Pinguinfreunde (und Walfangbefürworter)

(Bessere Musik wäre aber gewesen: "Grad noch mal Glück g’habt" vom Fredl Fesl)

Oxford Dispatch: Sie sind gekommen, die Welt zu erobern

Der Botanische Garten in Oxford. Alles wirkt unauffällig. Doch was ist das? — *Zzzzzzzoooom…* (Geräusch eines Teleobjektivs)

Zzzzzooooom…

Sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt.

Posted in Nichtmenschliche Tiere, Oxford Dispatch. Comments Off on Oxford Dispatch: Sie sind gekommen, die Welt zu erobern

Nomen Omen

Es gibt tatsächlich – in Österreich, wo sonst – eine Firma namens Prometheus, die Kachelöfen herstellt. Zwar ist es wahr, dass Prometheus den Menschen das Feuer geschenkt hat und somit durchaus in günstiger Analogbeziehung zu Ofenbauern steht, aber…

"Als Zeus den Raub sah und erkannte, dass er den Menschen das Feuer nicht mehr nehmen konnte, sann er auf Rache [komplizierte Geschichte, C.] Da hob Pandora den Deckel, und alle Übel schwebten hinaus, und nur die Hoffnung blieb in der Büchse zurück, als sie diese schnell wieder schloss. Seit dieser Stunde rasen bei Tag und Nacht Fieberkrankheiten, Leiden und plötzlicher Tod über den Erdkreis.
Nicht nur die Menschen sollten bestraft werden, sondern auch Prometheus selbst. Zeus ließ ihn fangen und in die schlimmste Einöde des Kaukasus schleppen, wo er ihn an einen Felsen über einem Abgrund fesseln ließ. Ohne Speis, Trank und Schlaf musste Prometheus dort ausharren, und jeden Tag kam der Adler Ethon und fraß von Prometheus’ Leber, die sich zu dessen Qual immer wieder erneuerte, da er ein Unsterblicher war."
(Wikipedia)

Wenigstens gibt mir dieser schöne Name aber die Möglichkeit, mal die Geschäfts- und Brandingideen zu veröffentlichen, die man sich in meiner Familie (meiner- und schwägerlicherseits) seit Jahren schon gerne ausdenkt, z.B. die
"PROKRUSTES"-Schlafzimmermöbelfabrik, die
"HIOB"-Nachrichtenagentur, der
"AUGIAS"-Putzservice und natürlich mein persönlicher Liebling, die
Kindertagesstätte "HERODES".

Und weil wir grad schon bei Österreich waren, Bonuspunkte für den- oder diejenige, die jetzt noch draufkommt, mit welchem geradezu kassandrisch benannten Auto sich das politische Ausnahmetalent neulich derrennt hat. Ein Gott des gleichen Namens, lesen wir in der griechischen Mythologie…

"…besteigt, als die Nacht zu Ende geht, den kostbaren und reich verzierten Sonnenwagen des Vaters. Das Viergespann rast los und gerät bald außer Kontrolle. [Er] verlässt die tägliche Fahrstrecke zwischen Himmel und Erde und löst eine Katastrophe universalen Ausmaßes aus. Ovid berichtet: „Die Erde geht in Flammen auf, die höchsten Gipfel zuerst, tiefe Risse springen auf, und alle Feuchtigkeit versiegt. Die Wiesen brennen zu weißer Asche; die Bäume werden mitsamt ihren Blättern versengt, und das reife Korn nährt selbst die es verzehrende Flamme… Große Städte gehen mitsamt ihren Mauern unter, und die ungeheure Feuersbrunst verwandelt ganze Völker zu Asche.“ (Achtung, Lösung: Wikipedia)

Beschreibt die Stimmung bei unseren Nachbarn nach dem 11. Oktober 2008 doch ganz gut…

Mutts like me

Das Ritual des High Table wird in manchen Colleges inzwischen eher begangen wie ein normales Abendessen, mit einem dahergenuschelten Benedictus benedicat und Silberbesteck, das sogar Don Alphonso auf dem Flohmarkt liegen lassen würde. Nicht so in  The Queen’s College (wegen Verwechslungsgefahr  mit einer ungleich jüngeren und unbedeutenderen Institution ist auf Artikel und korrekte Apostrophierung zu achten).

Wie Cohu bei Teilnahme an dieser Zeremonie letzte Woche feststellen konnte, wird der High Table an diesem College noch ernst genommen und mit der Ernsthaftigkeit einer (katholischen!) Liturgie zelebriert. In Queen’s studierten unter anderem der Begründer des Utilitarismus (nicht zu verwechseln mit dem hier), der Erfinder des www (nicht zu verwechseln mit dem hier) und der Mann hinter dem beliebtesten Edmund aller Zeiten (nicht zu verwechslen mit SCNR).

Groß war allerdings Cohus Erstaunen, als ihr die Dame, die im Upper Senior Common Room dieses Colleges von einem Ölgemälde lächelt, bekannt vorkam. Es handelte sich dabei um ein Porträt der sagenumwobenen Sophie Charlotte von Mecklenburg Strelitz von einem gewissen Henry Robert Morland (nebenstehende Abbildung zeigt die gleiche, ziemlich unverwechselbare Dame, gemalt von  Esther Denner). Woher kam mir nun das Gesicht dieser Dame so bekannt vor? Von Queen Charlotte, Frau des nicht minder sagenumwobenen König Georg des Dritten, wird gemunkelt, sie sei teilweise afrikanischer Abstammung gewesen. Zurückzuführen auf einen portugiesischen Ast in ihrem Stammbaum, in dem auch Mohren auftauchten. Ein Zeitgenosse schrieb ihr ein “true mulatto face” zu, noch berühmter ist ein zu Ihrer Krönung verfasstes Gedicht, in dem es etwas kryptisch heißt:

Descended from the warlike Vandal race,
She still preserves that title in her face.
Tho’ shone their triumphs o’er Numidia’s plain,
And and Alusian fields their name retain;
They but subdued the southern world with arms,
She conquers still with her triumphant charms,
O! born for rule, – to whose victorious brow
The greatest monarch of the north must bow.

Und woher kannte ich nun die Dame? Aus einer Artikelserie über “Blurred Racial Lines”, den ich mal bei Frontline entdeckt hatte. Wenn tatsächlich etwas dran ist an der Afrikanität der Dame (immerhin findet man sie auf der Seite 100greatblackbritons.com), dann waren die Engländer den USA gute 250 Jahre voraus, was Mischlinge(*) in Machtpositionen angeht.

(*) Ist schon mal jemandem aufgefallen, dass es im Deutschen kein passables Wort für “multiracial” oder “mixed-race” zu geben scheint? “Mischling” ist vielleicht besser als “Mulatte”, hat aber doch eine seltsamen Klang. Die Konnotation gibt es allerdings nicht nur im Deutschen

(Bildausschnitt: Esther Denner, Queen Charlotte, Wikimedia Commons)

Musical Animals (3)

I once had a capuchin monkey
Which could fiddle both off key and on key
Told to stick to the latter
He’d fling fecal matter
And scream that he wasn’t my flunky.

Musical Animals (2)

I once had a talented carp
Which accompanied me on a harp
I would sing in D flat
And, just fancy that,
The fish plucked the strings in C sharp.

Posted in Gedichtetes. Comments Off on Musical Animals (2)

Musical Animals (1)

I once had a Basset Hound bitch,
which, yelping, could hit perfect pitch
Sat next to a tenor
‘t howled in such a manner
that no one could tell which was which.

Posted in Gedichtetes. Comments Off on Musical Animals (1)

Er war jung und brauchte das Geld

Eine wahrhaft schockierende Geschichte serviert uns da die SZ:

"Manchen Studenten ist jedes Mittel recht, um ein Stipendium zu bekommen. Ein besonders dreistes Beispiel liefert ein Student, der sich gleichzeitig bei der CSU nahen Hans-Seidel- [sic] und der SPD nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) beworben hatte. Weil er bei der FES nicht aufgenommen wurde, drohte er daraufhin mit dem Parteiaustritt aus der SPD und vergas [sic] auch nicht zu erwähnen, dass er wenigstens bei der Hans-Seidel-Stiftung [sic] untergekommen sei. Nach Rücksprache zwischen den Stiftungen wurde die Förderung eingestellt, weil der Student seine Bewerbung bei unterschiedlichen Werken verschwiegen hatte." (sueddeutsche.de)

Liebe nichtakademische Außenwelt, setz Dich und atme tief durch, ich habe eine ganz schlechte Nachricht: die Bewerbungsrunden und Stipendiatenkarteien der Stiftungen sind voll von Leuten, die mit den "Idealen" der sie finanzierenden Institutionen nichts anfangen können. Da sind manche dabei, die nie in einer Partei waren und auch nicht vorhaben, je in eine einzutreten. Unpolitische. Oder Politische, die sich aber lieber die Hand abhacken würden, als jemals die Partei zu wählen, die ihrer Stiftung "nahe steht".  Und die kirchlichen Stiftungen beherbergen, habe ich mir sagen lassen, nicht nur bis zur Ehe jungfräuliche Katholiken und andere treue Gottesdienstbesucher, sondern alles bis hin zum schändlichen Atheisten. Wie heißt es so schön bei Elvis? One for the money, two for the show…

Das von der SZ geschilderte "besonders dreiste Beispiel" des hemmungslosen Stipendiumsstrichers hat ein Charakteristikum, das im deutschen Stipendienwesen sehr selten ist: Ehrlichkeit. (Und, OK, vielleicht auch noch eine große Portion Dummheit, die erfahrungsgemäß in fast allen Lebensbereichen hinderlich ist).

Auf die Idee, Geld für  wissenschaftliche Forschungs- und Bildungsvorhaben ausgerechnet von politischen Parteien und Kirchen verteilen zu lassen, muss man aber auch erstmal kommen. Das System führt natürlich dazu, dass Projekte und Menschen benachteiligt sind, die nicht in den deutschen Parteienkonsens passen. Löbliche Ausnahme ist die Studienstiftung, die weltanschaulich neutral ist – aber auch nur weniger als die Hälfte der Gelder verteilt. Auch diese Stiftung betont aber, wie alle Förderwerke, die Wichtigkeit des berühmten "gesellschaftlichen Engagements". "Wer sich nur für sein Studium interessiert, wird nicht aufgenommen", Streber unerwünscht. Um mal in meinem Fach zu bleiben: ein junger Wittgenstein hätte in diesem System sicher keinen Pfennig Geld gesehen, Frege erst recht nicht, ganz zu schweigen von Kant (private Tischgespräche zählen nämlich nicht als "gesellschaftliches Engagement").

Damit nicht genug der Seltsamkeiten: das Kriterium der, wie es so schön heißt, "Bedürftigkeit", ist für die Förderwerke (im Gegensatz übrigens zu vielen privaten Stiftungen) irrelevant. So wird wohl so mancher generös mit tausend Kröten Taschengeld im Monat versorgt, der Mietshäuser sein eigen nennt – Hauptsache, er ist "gesellschaftlich engagiert". Darunter fällt auch die Organisation eines Charitydinners für Papas Rotarier.

Das alles wäre schön und gut, wenn es sich bei dem Geld um Parteivermögen, also z.B.  Spenden von Privatleuten, handeln würde. Private Stiftungen haben schließlich auch freie Hand, wenn es darum geht, wen sie fördern wollen –  ist ja ihr Geld. Anders ist das bei den parteinahen Förderwerken:

"Seit 2006 erhöht das Bildungsministerium jährlich die Mittel zur Begabtenförderung, die an die elf großen Förderwerke fließen – von 80,5 Millionen Euro in 2006 auf 113,2 Millionen in 2008."

Von den Stipendiaten gehören wie gesagt etwas weniger als die Hälfte der weltanschaulich neutralen Studienstiftung an. Folglich gibt der Steuerzahler inzwischen jährlich einen beträchtlichen zweistelligen Millionenbetrag aus, um über den Umweg "Stipendium" die Interessen und den Einfluss großer politischer Parteien und Kirchen zu stärken – und das nennt sich dann "Begabtenförderung." Irgendjemand, scheint mir, hat da eine ziemlich begabte Public-Relations-Abteilung.

[Liebe SZ, das ist übrigens der kritische Artikel über die politischen und kirchlichen Förderwerke, den ich, natürlich wesentlich besser geschrieben und ordentlich recherchiert, gerne mal bei Euch oder einem Eurer Kollegen gelesen hätte. Aber PR und Nutzwertjournalismus liegen Euch einfach mehr, nicht wahr?]

Oxford Dispatch: No You Can’t

Ich weiß nicht, ob es nur Zufall ist, dass die Methodisten der Cowley Road vor ihrer Kirche gerade dieses Motto präsentieren:

Change and decay in all around I see
O thou who changest not, abide with me.

Da hat Obamas ausgefuchster Plan, diese Glaubensgemeinschaft auf seine Seite zu ziehen, wohl doch nicht geklappt.

Posted in Oxford Dispatch. Comments Off on Oxford Dispatch: No You Can’t

Oxford Dispatch: A Cathedral to Science

Das Oxford University Museum of Natural History wurde Ende der 1850er Jahre als Andachtsstätte der Wissenschaftsgläubigen errichtet und dient noch heute als beeindruckendes Monument dieser Glaubensrichtung und Stützpunkt ihrer wirkmächtigen Propheten. Diejenigen unter meinen Lesern, die Anhänger der religio scientiae sind, Jünger Darwins, Freunde des glücklichen Zufalls, aber auch alle Hobbycetologen, Harry-Potter- oder Alice-im-Wunderland-Fans, und schließlich auch alle, die Kuriositäten lieben, bitte ich darum, mich mit einem beherzten Klick auf untenstehendes Bild auf einen kurzen Rundgang in diese Wallfahrtsstätte zu begleiten.

Posted in Fröhliche Wissenschaft, Oxford Dispatch. Comments Off on Oxford Dispatch: A Cathedral to Science