Wunder der Forschung

 Grüne Meerkatze
(Bild: K.Walsh, Wikipedia)

Saublöd, wenn man Parkinson bekommt.
Besser in dem Fall, wenn man dann ein Affe ist. Noch besser: ein Affe in Herrn Redmond‘s weltberühmter Meerkatzenkolonie. Dann nur noch fix menschliche Stammzellen ins Hirn injiziert bekommen und siehe da:

At the time of the injections, the monkeys couldn’t feed themselves or walk without assistance, and alternated between periods of absolute stillness and uncontrollable tremors. Two months after the treatment, they were able to walk and eat. The tremors had disappeared. (Wired)

Juhuuuu!
Na gut, einziger Nachteil: nach der Heilung wurden die Affen getötet und seziert. Sozusagen Unglück im Glück im Unglück.

Ach du Scheiße!

In den USA tobt ein heftiger Kampf um’s Schimpfwort. Während die Fernmeldeaufsichtsbehörde FCC jedes noch so kleine "Fuck" drakonisch ahndet, regt sich langsam Widerstand in den Reihen der Fernsehsender: zumindest "fleeting expletives" sollten doch – im Rahmen der Freiheit künstlerischen Ausdrucks – erlaubt sein.
Eine ganze Menge solcher flüchtigen Flüche bekommt man bei jeder Folge "Penn & Teller’s Bullshit" mit, einer überaus unterhaltsamen Serie der in den U.S.A. bekannten und erfolgreichen Zauberkünstler Penn Gillette und Raymond TellerHier unter "Penn & Teller" kann man einige Folgen ansehen.
Auf die Seite des Fernsehsenders "Showtime US", der "Bullshit" ausstrahlt, hat man als nicht-Amerikaner leider keinen Zugriff. What the fuck, you fucking dickheads? – ist z.B. eine Schimpftirade, die ich in diesem Fall für im Rahmen der künstlerischen Freiheit für durchaus angemessen halte. Aber ich hab vermutlich zu viel Penn&Teller gesehen.

(Bild: via Wikipedia)

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All work and no play…

Die NYT berichtet, dass jetzt auch einige amerikanische Unternehmen auf die Idee kommen, dass das übliche Bürodrohnen-(bzw. Batteriehuhn-)dasein mit 40-80 Stunden die Woche, die man per Stechuhrdrohung – wie das schon heißt, Stechuhr! – am Arbeitsplatz festgehalten wird, weder artgerecht ist noch zu besonders guten Ergebnissen führt, jedenfalls in dem Bereich der Erwerbsarbeit, den “knowledge workers” besetzen. Einige superduperschlaue Leute haben nämlich festgestellt, dass in Wirklichkeit nur 8-24 Stunden dieser “Arbeits-“Zeit produktiv genutzt werden (und tatsächlich “Output” hervorbringen, wie man das heute so schön modern sagt). Und dass lange “Arbeits-“Zeiten die Effizienz sogar vermindern.
Ich kann meine Freude darüber nicht verhehlen, denn die Behauptung mancher (Promotions-)Kollegen, sie “arbeiteten” jeden Tag etwa 8 Stunden in der Stabi an ihrer Diss, kam mir doch immer etwas zweifelhaft vor (übrigens vermute ich, dass die Produktivitätsquote pro Stunde in der Stabi, seit es dort Internetz gibt, um mindestens 30% gefallen ist. Aber zum Ausgleich hat die Stabi ja jetzt auch bis 12 Uhr Nachts auf, wie ich heute erfahren habe.)
Da fast nichts Spaß macht ohne ein schönes Akronym, haben sich die Amerikaner ein solches einfallen lassen, nämlich ROWE, will sagen Results Only Work Environment. Die Glücklichen, die statt im corporate kindergarden (inklusive Privat-Internetverbot und Handysperre, damit auch in Kreativitätspausen brav dumm in die Luft gestarrt wird!) in einem solch himmlischen Arrangement arbeiten dürfen, können heimgehen, wenn sie fertig sind, und wenn nichts zu tun ist, brauchen sie gar nicht zu kommen oder können erstmal ausschlafen. Arbeiten muss man trotzdem, aber ohne die Stechuhr im Nacken. Angeblich stieg nach der Einführung dieses Systems sowohl die Arbeitszufriedenheit als auch der Output sprunghaft an. Auch in anderen Bereichen macht man ja die Erfahrung, dass Menschen sich wie Erwachsene benehmen, sobald man sie nicht mehr wie Kleinkinder behandelt.
Im Rahmen der Verbesserung ihres eigenen ROWE-Environments hat sich Cohu gleich mal das schöne Buch “Write Your Dissertation in 15 Minutes a Day” bestellt. Der Titel schießt vielleicht etwas über’s Ziel hinaus, die Idee jedoch, lieber wenige Stunden die Woche – dafür mit Freude und sehr effizient – an der Diss zu sitzen, als bis um 12 Uhr nachts in der Stabi, weil – klassischer Fehler – “ich heut noch gar nichts geschrieben habe!”, scheint mir eine Gute zu sein.
Langer Artikel, Zeitverschwendung? Um es mit der NY Times zu sagen: perhaps it’s well spent. Und besser als Solitär ist Blogartikellesen allemal. Vorsicht, der Chef kommt!

BBQuatsch

Nicht, dass ich dem Weltenweisen mit seinem Bericht über das "MP3-Waschmaschinen-Patent" Konkurrenz machen will. Aber weil gerade so ein perfektes Grillwetter ist (und ich außerdem an einer leichten, geistesumnachtenden "Fleisch-Vergiftung" durch Doppelgrillen am Wochenende leide) : Cohu präsentiert den George Foreman "IGrill", den ersten Grill mit eingebautem IPod-Lautsprechersystem! Ob man den auch gleich an die MP3-Waschmaschine anschließen kann?

Und von da an gings bergab.

Hier erklärte uns bereits 1987 der hardcore-interdisziplinäre Evolutionsbiologe Jared Diamond
(den man ebensowenig mit Hans-Werner Sinn verwechseln sollte wie mit Gregory Peck als Kapitän Ahab), was der schlimmste Fehler in der Geschichte der Menschheit war: nein, nicht etwa der große Selbstbetrug. Auch nicht die Erfindung Gottes.
Das Übel nahm, so Herr Diamond, noch früher seinen Lauf, nämlich mit der Wandlung von der Jäger-und-Sammler zur Agrargesellschaft, die – inklusive Hungersnöten, Tyrannei, sozialer Ungleichheit und allen unschönen Dingen – letztlich zu einer Vergrößerung der Population bei gleichzeitiger Verringerung der Lebensqualität des Individuums führte. Jäger und Sammler wurden durch die schiere Bevölkerungsmasse der Bauern und Viehzüchter an die äußersten Ränder der bewohnbaren Gebiete gedrängt und leben heute bekanntermaßen nur noch in Savannen (Aborigines), in den Tennis- und Golfclubs der wohlhabenden Vorstädte, wo sie es auf Zahnärzte und Heuschrecken abgesehen haben (Ralph Lauren), in Eiswüsten (Inuit) und Sandwüsten (San), bei Schlußverkäufen (Woolworth), in Urwäldern (Yanomami) und auf Messen (Bauma), wo sie von nahrhaften, vitaminreichen Werbegeschenken wie z.B. Kugelschreibern mehr recht als schlecht leben. Wir Bauern hingegen sind unglücklich und verfettet. Angeblich ist das sogar das Geheimnis, das hinter der seltsamen Seuche ADHS steckt.
Jaja, schöne Theorie, aber in Wirklichkeit ist jemand anderer an allem Unglück in der Welt Schuld. Nämlich die Ärzte. 250.000 Tode im Jahr werden in den U.S.A. als iatrogen (d.h. von Göttern in Weiß verursacht) interpretiert. Nach Herz- und Krebstoden ist das also die dritthäufigste Todesart!!! Dann doch lieber, frei nach Jared Diamond, in Ausübung des Jäger- und Sammlerberufs, vom Säbelzahntiger (s. Abb.) niedergestreckt werden…

Coole Sache

 Ab jetzt nur noch safer sex.

…also äh, es sei denn, man ist eine Maus: spezielle Mäuse können jetzt mit HIV angesteckt werden, was die Erforschung der Ansteckungswege erleichtert und auch bei der Suche nach einem HIV-Impfstoff ziemlich hilfreich sein könnte. Bis jetzt ging das Infizieren nämlich nur bei Primaten, und die fallen für Tests entweder aus ethischen Gründen aus (Homo sapiens) oder sind sehr teuer und kompliziert zu halten bzw. zu reproduzieren (Makaken), letztere bekommen außerdem nur einen Virus namens SIV, der sich von HIV unterscheidet.
 Texanische Wissenschaftler haben also jetzt Mäuse mit einem menschlichen Immunsystem ausgestattet, indem sie Leber- und Thymusdrüsenzellen aus menschlichen Föten, Rückenmarkszellen sowie menschliche Stammzellen in Mäuse eingepflanzt haben, die ohne Immunsystem geboren wurden (das kriegt man wohl mit Genmanipulation hin). Die Viecher waren also Maus-Mensch-Chimären. Und haben dann, nach gelungener Ansteckung, sogar menschliche HIV-Antikörper entwickelt!
(In Deutschland wär das vermutlich alles illegal, also don’t try this at home, liebe Kinder!).
Was die weitere Forschungstätigkeit betrifft: ein Fokus liegt natürlich auf der Frage, wie Ansteckung vermieden werden kann. In diesem Zusammenhang darf ich darauf hinweisen, dass Mäusen-Gummis-Anziehen vielleicht noch ein wenig schwieriger ist als Mäuse-Melken (letzteres hat die Wissenschaft im Rahmen der Malariaforschung schon in den Griff gekriegt!)

(Bild: Wikimedia Commons)

Beförderung

Der gute alte Uncle Ben von "Uncle Ben’s", bekannt für einen relativ geschmacksarmen und schneeweißen amerikanischen "Parboiled"-Reis, ist jetzt aus Marketinggründen plötzlich kein "Onkel" mehr, sondern CEO. Sein Büro, das unter dem Motto "Ben knows best" steht, kann man hier besichtigen. Der "wirkliche" Uncle Ben war angeblich ein "afroamerikanischer Reisbauer, der seinen Reis mit so großer Sorgfalt erntete, dass er immer wieder für die hohe Qualität seiner Reiskörner ausgezeichnet wurde. Mit der Zeit wurde er in und rund um Houston berühmt dafür, jedes Jahr den Reis mit der höchsten Qualität zu produzieren."  (Deutsche Seite von "Uncle Ben’s")
Die Darstellung auf der Reispackung – mit gestärktem Hemd und Fliege – erinnerte allerdings eher an einen Plantagendiener bzw. -butler. Und das "Uncle" hört sich zwar nett an, war aber wohl ehemals deshalb als Anrede für Schwarze verbreitet, weil man sich weigerte, sie als Mr. oder Mrs. anszureden…auch keine so schöne Geschichte.
Naja, aber jetzt ist der gute Ben (wenn auch immer noch ohne Nachnamen!) zum Boss aufgestiegen. Allerdings nur in den USA – bei uns bleibt er "Reisbauer", und zwar mit dem Zusatz "afroamerikanisch", damit es nicht zu Verwechslungen kommt. Markenbildung. Und die funktioniert, wie der Shopblogger zu berichten weiß…

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Schaf im Wolfowitzpelz?

Die Affäre Wolfowitz hat so manchem die Möglichkeit gegeben, ein lautes "Ichhabseuchjagesagt" zu seufzen, sich im altgewohnten Antiamerikanismus – Verzeihung: Antiimperialismus! – bestätigt zu fühlen und lauthals nach Ablösung zu schreien. Was ist dran?
Die Geschichte geht, wenn Cohu es richtig verstanden hat, so. Wolfowitz hat eine Freundin. Wolfowitz wird Chef bei der Organisation, bei der diese – kompetente, qualifizierte, von allen anerkannte – Dame bis jetzt exzellent Karriere gemacht hat. Blöd, weil: aufgrund von Anti-Vetternwirtschafts-Regeln dürfen die beiden so nicht zusammen arbeiten.
Was macht Wolfowitz? Er schickt ein Memo an die Rechtsabteilung wo drinsteht, dass er die Dame schon länger zur Freundin hat, und schlägt denen vor, passts auf, wir machens so, wies in Paragraph soundso der internen Verhaltensregeln vorgeschlagen ist, ich halt mich bei allen Personalentscheidungen, die Dame betreffend, raus (also Gehalt und Beförderung), habe auch keinen organisationsinternen Kontakt mit der, und gut is. Realistischer Vorschlag, weil die nix miteinander zu tun gehabt hätten. Aber nix da.
Das Direktorium und eine von diesem eingesetze Ethikkommission beschließt, dass die Dame gehen muß. Tschüß für Wolfowitz’ Freundin, die wird in ne ganz andere Organisation versetzt, ihre gerade bevorstehende und verdiente Beförderung kann sie vergessen. Aber was kann die denn dafür? Fragen sich die Ethikkommission-Menschen auch, und um sie dafür zu kompensieren, dass ihre Karriere so plötzlich unterbrochen wurde, bekommt sie im neuen Job mehr Geld. Wolfowitz hat  dem zwar zugestimmt, das aber anscheinend nicht entschieden. Dazu war ja die Ethikkommission berufen worden.
Weshalb ich, genauso wie Christopher Hitchens in Slate, überhaupt nicht verstehe, was das Problem ist. Ja klar, den Wolfowitz muss man nicht toll finden, aber an der "Affäre" braucht man sich jetzt wirklich nicht aufhängen.
Einen ausführlichen (nicht unkritischen) Artikel über Wolfowitz findet man auch im letzten New Yorker.

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Mensch, ärgere dich nicht.

Geschmackvolle Spiele sind das, ausgerichtet von den "College Republicans", bei denen (sich freiwillig zur Verfügung stellende) Menschen unter dem Motto "Fang den Illegalen Einwanderer" über den Campus gejagt werden, oder wo man zum "Fun with Guns" auf demokratische Pappkameraden zielt. Wo es so überaus tadelnswert zugeht, ist der Nazivergleich nicht weit – wer sowas Böses macht, ist natürlich "Nazi in Training" (danke für den Hinweis, Ingo!).
Ist es wirklich so ratsam, Menschen daran zu messen, was sie "in-Game" so treiben? Ich erinnere mich an die Theorie, dass es Spiele gerade deshalb gibt, um den allzu phantasievollen und moralfernen Verwerfungen menschlicher Triebe zu einem gesellschaftsverträglichen Ausleben zu verhelfen. Cohu, sonst ein frommer und guter Mensch, kann bei Malefiz (gesellschaftsfähig!) zum sadistischen Teufel werden – und freut sich bei Sims eigentlich doch insgeheim, wenn die doofe Spielfigur, die sich eh immer so blöd angestellt hat, erbärmlich stirbt (bei manchen ist diese Schadenfreude noch stärker ausgeprägt). Auch an den lautstarken Qualen eines unglücklicherweise (hehe) im Feindesland verlorengegangenen AoE-Eroberers ("Every Moment of my Life is Pain!") kann ich mich noch Tage später erfreuen. Daher vermute ich: wer sich in Second Life nach Sex mit Tieren sehnt, tut das im First Life nicht notwendigerweise (interessant, aber wohl noch unappetitlicher die Frage nach der Legalität virtueller Kinderpornos). Bleibt also Cohus Hoffnung, dass das Organisieren blödsinniger Campus-Games die allzu überschwänglichen Collegerepublikaner davon ablenkt, tatsächlich Illegale zu jagen oder Demokraten abzuknallen.

Hello Kitty

Ein ausgeprägter Antiamerikanismus hat sich bei Cohu – trotz ihres insgesamt boshaften und missbilligenden Charakters – nie einnisten können. Aber manchmal fragt man sich schon: unter katzenhaltenden US-Bürgern ist es durchaus verbreitet, die pelzigen Mitbewohner zu “declawen”, d.h. ihnen in einer chirurgischen Prozedur die Krallen entfernen zu lassen. Warum das so toll ist, erklärt diese Seite.
In den USA ist es viel üblicher als bei uns, Katzen nie vor die Tür zu schicken – bei Kindern bis zur Volljährigkeit und Haustieren ist der Amerikaner grundsätzlich der Meinung, dass es unverantwortbar ist, sie nur einige Minuten aus den Augen zu lassen, da die Welt voller böser Menschen und Terroristen ist (vgl. dazu auch die Seite “I saw your nanny“). Die derart bemutterten Katzen werden verständlicherweise etwas seltsam und müssen sich am Sofa abreagieren, daher das “Declawing”. Als tierfreundliche Alternative wird das Produkt “Softclaws for Cats” beworben: künstliche, stumpfe Plastikkrallen, die der Katze angeklebt werden. Auch noch in allen möglichen bunten Farben – wo man doch weiß, wie gerne Katzen ausgelacht und verspottet werden, und wie sehr es sie erfreut, Fremdkörper an den Pfoten zu haben! (Schon mal ne Katze über Tesafilm laufen sehen?)
Gerne möchte ich einen der “tierlieben” Katzenhalter dabei beobachten, wie er diese Dinger an seinen jungen “Samtpfötchen” (!) anbringt – hoffentlich eine letzte Gelegenheit für das Tier, die Schärfe der noch nicht verklebten Krallen am Besitzer zu testen. Und wenn das alles nicht zur notwendigen “behavior modification” führt, gibts ja noch Prozac.