Arm, und nicht mehr so sexy.

Das Deutsche Museum, einst Stolz der Münchner und Quelle unvergesslicher Kindheitserinnerungen (zumindest bei Cohu), übrigens sogar das größte Naturwissenschafts-Museum der Welt, ist inzwischen anscheinend derart unterfinanziert, dass z.B. in der Physikabteilung  (die Cohu heute besuchte) fast schon ein Viertel der Exponate "vorrübergehend außer Betrieb", der Rest in sichtbar schlechten Zustand ist. Für die Kultur ist anscheinend wesentlich mehr da, wenn man sich den anhaltenden Bauwahn im Kunstareal so anschaut. Ja, und da wundert man sich dann, wenn die Söhne (und vor allem auch Töchter) am Schluss halt lieber Kunstgeschichte, Germanistik oder Altphilologie studieren, als sich den Naturwissenschaften zuzuwenden…

(Bild: Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Wahre Fettheit kommt von innen

Die Britische Wissenschaft hat festgestellt: auch dünne Leute können dick sein. So kann sich im Innenraum äußerlich hagerer Gestalten eine Fettmasse um die Organe legen, was zu gesteigerten Krankheitsrisiken führt, die man eigentlich nur bei Übergewichtigen annehmen würde. Die Betroffenen heißen "TOFIs" (Thin outside, fat inside) – und es gibt sie sogar in den Reihen professioneller Models. Nimm das, Haas, es gibt Buttermutter und Rippenmädchen also sogar in einer Person! Das Gegenstück dazu sind dann wohl die Sumoringer: äußerlich fett, aber ohne größeres Gesundheitsrisiko, da der Schwabbel unter der Haut, nicht um die Organe herum gelagert wird. Der Normal-Dicke ist das leider sowohl innen als auch außen, somit auch hier keine Entwarnung für die Obesity Epidemic.
Cohu wartet jetzt eigentlich nur noch auf eine Diät oder ein Trainingsprogramm, das dazu führt, dass man gezielt innerlich abnimmt, ohne angenehme Rundungen einbüßen zu müssen – Milz, Leber, Herz statt Bauch, Beine, Po sozusagen.

Coole Sache

 Ab jetzt nur noch safer sex.

…also äh, es sei denn, man ist eine Maus: spezielle Mäuse können jetzt mit HIV angesteckt werden, was die Erforschung der Ansteckungswege erleichtert und auch bei der Suche nach einem HIV-Impfstoff ziemlich hilfreich sein könnte. Bis jetzt ging das Infizieren nämlich nur bei Primaten, und die fallen für Tests entweder aus ethischen Gründen aus (Homo sapiens) oder sind sehr teuer und kompliziert zu halten bzw. zu reproduzieren (Makaken), letztere bekommen außerdem nur einen Virus namens SIV, der sich von HIV unterscheidet.
 Texanische Wissenschaftler haben also jetzt Mäuse mit einem menschlichen Immunsystem ausgestattet, indem sie Leber- und Thymusdrüsenzellen aus menschlichen Föten, Rückenmarkszellen sowie menschliche Stammzellen in Mäuse eingepflanzt haben, die ohne Immunsystem geboren wurden (das kriegt man wohl mit Genmanipulation hin). Die Viecher waren also Maus-Mensch-Chimären. Und haben dann, nach gelungener Ansteckung, sogar menschliche HIV-Antikörper entwickelt!
(In Deutschland wär das vermutlich alles illegal, also don’t try this at home, liebe Kinder!).
Was die weitere Forschungstätigkeit betrifft: ein Fokus liegt natürlich auf der Frage, wie Ansteckung vermieden werden kann. In diesem Zusammenhang darf ich darauf hinweisen, dass Mäusen-Gummis-Anziehen vielleicht noch ein wenig schwieriger ist als Mäuse-Melken (letzteres hat die Wissenschaft im Rahmen der Malariaforschung schon in den Griff gekriegt!)

(Bild: Wikimedia Commons)

Glücklich ist, wer vergisst, dass Statistik schwierig ist

Gestern hatte Cohu die Ehre und das Vergnügen, im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Siemens-Stiftung einem Vortrag des sehr sympathischen und (hörbar) schweizer Ökonomen Bruno S. Frey zum Thema "Glück – was sagt der Ökonom dazu?" beizuwohnen. Damit Ihr, die Ihr von den atemberaubenden Ergebnissen der ökonomischen Glückswissenschaft bis jetzt nix mitgekriegt habt, eine Vorstellung davon bekommt, welch bahnbrechende Arbeit auf diesem Gebiet geleistet wird, hier mal einige interessante Zusammenhänge:
– Leute, die in Ländern mit höherem GDP und freiheitlichen politischen Systemen leben, sind durchschnittlich gesehen glücklicher als Menschen aus hungergebeutelten Terrorregimes
– Gesunde Leute sind glücklicher als Kranke
– Mehr Geld macht erstmal glücklicher (wenn ein sehr niedriges Einkommen sich erhöht), dann aber (nach Gewöhnung oder bei schon sehr hohem Standard) keinen großen Unterschied mehr
Und, für mich die größte und tiefgreifendste Erkenntnis des Abends:

Glückliche Leute begehen weniger Selbstmorde.

P.S. Weniger snarky gehts jetzt leider nicht, wenn dieser Herr Ökonom schon der Meinung ist, sich über die Philosophie lustig machen zu müssen, weil sie in 5000 Jahren "doch zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen gekommen ist", was die Frage nach dem Glück angeht. Genuin komplexe Fragen mit der Brechstange einfach zu beantworten (etwa, indem man jeden Zweifel an der Messbarkeit des Glücks mit empiristischer Überheblichkeit wegwischt)  ist halt  – das muss man sich von den Philosophen leider sagen lassen – auch keine Lösung.
P.P.S.: Irgendwie schwebte bei jeder dieser Studien das cum hoc ergo propter hoc störend im Raum. Eine Ausführung darüber, wie und mit welcher Autorität man von Korrelationen (z.B. bei Menschen, bei denen man viele soziale Kontakte feststellt, stellt man durchschnittlich eine hohe Lebenszufriedenheit fest) auf Kausalitäten (machen Freunde glücklich oder ziehen Glückliche Freunde an, oder beides, oder keins von beiden?) schließen kann, hätte Cohu sehr glücklich gemacht. Wo wird die Regressionsanalyse so erklärt, dass Cohu sie versteht?

(Bild: Wikimedia Commons, Eduard von Grützner: Fallstaff, 1921)

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Decline of a Nation: It’s Magic

Britische Behörden und W-LAN, das ist so ‘ne Sache (Cohu berichtete). Jetzt wird untersucht, ob das Funknetz Kindlein schädigt (durch "Elektrosmog"). Unabhängig von dem Unfug, der von so manchem E-Smog-Irren verzapft wird, finde ich besonders lustig diese Formulierung:

Wi-Fi – described by the Department of Education and Skills as a "magical" system that means computers do not have to be connected to telephone lines – is rapidly being taken up inschools, with estimates that more than half of primary schools – and four-fifths of secondary schools – have installed it . (The Independent)

Wow. Magisch, genauso wie mein Radio. Ich hab’s aufgeschraubt, und es sitzen keine kleinen Männchen drin, und trotzdem redet es! Wie kommen die Stimmen da hin? Wie kommt das Internetz in den Rechner, ohne dass die kleinen Internetzteilchen durch ein Kabelchen zum Computer laufen können? Cohu hat ne ganz einfache naturwissenschaftliche Erklärung dafür. Äther!

Von Lerchen und Eulen

Gähnende Dänen sind vielleicht bald was von gestern. Hofft die B-Society. Das ist eine in Dänemark ansässige Bewegung, die darauf besteht, dass nicht nur Morgenstund Gold im Mund hat, sondern auch ein später Vogel mal den Wurm fangen sollte. Frühaufsteher-Systeme sind altmodisch, den Bedürfnissen einer anachronistischen A-Society, die von Ackerbau und Viehzucht lebt, angepasst. Menschen, die ihrem tatsächlichen Biorhythmus folgen wollen, fordern eine "B-Society" – die auch besser zum Innovationszeitalter passt:

B-Society will create a new daily rhythm in schools and other institutions as an alternative to the current rhythm of “early at work and early at home”.
The society’s time structures based on habits of the early riser’s are not untouchable natural laws even though it can easily seem so from looking at the ways in which we have organized our lives. No.
The ‘owl’ has got the right to say: “Give me the late riser’s rhythm at work, at home and in society. Let me come to work at 11:00 and go home at 20:00. Let me have quiet mornings to read my newspaper and ease into the day gently and peacefully”. (B-Society)

Ob man eine "Lerche" oder eine "Eule" ist, kann man übrigens anhand dieses Tests rausfinden (wenn man es nicht eh schon weiß, weil man z.B. grade eben erst aufgestanden ist. Oder sich bereits die Schlafmütze aufgesetzt hat, es ist immerhin fast Sieben!).

Cohu ist mit 44 Punkten übrigens ein "Indifferenztyp". Ein schönes Schimpfwort, das ich in mein Fluchvokabular aufnehmen werde.

(Bilder: BS Thurner Hof/Wikimedia Commons, Wikimedia Commons)

Mischwesen

In Großbritannien tobt die Debatte über die Herstellung von Hybriden (nicht Autos, sondern Mensch-Tier-Embryonen). Die Regierung ist auf dem Weg zu einem Verbot, die Forscher protestieren. Eine Gegnerin meint: "worldwide there is more opposition than support for the creation of such entities." Aber moment mal! Die USA lassen sich, was Hybridforschung angeht, nicht lumpen. Mit – wie Cohu meint – phänomenalen Ergebnissen!

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Traumhaft

Etwa ein- bis zweimal im Jahr bekommt Cohu Besuch von einem Nachtmahr. Der Nachtmahr hat, wie man schon auf nebenstehendem Gemälde sieht, die Angewohnheit, sich auf blonde Damen zu hocken, wenn diese auf dem Rücken schlafen, und sie überaus zu ängstigen. Die vom Nachtmahr besuchte Dame ist wach, kann sich durch Einwirkung des Mahrs überhaupt nicht mehr bewegen, nicht mal die Augen aufmachen, sie ist sich dessen jedoch (im Gegensatz zum normalen Schlafzustand) auch bewusst. Natürlich nur für allerhöchstens ein paar Minütchen, aber: Traumzeit hat ja mit der realen Zeit nichts zu tun, wie jeder Träumer weiß! Wenn man Pech hat, träumt man in diesem bedauernswerten Zustand auch noch weiter, hört also z.B. das Telefon klingeln, Klopfen an der Tür, Schritte, oder (das bleibt Cohu gottseidank erspart) sieht sogar seltsame Gestalten, die einen eventuell sogar "anfassen" (hier eine gruselige Beschreibung). Oder man wird gleich von Aliens entführt.
Nein, es ist noch nicht soweit, dass ich an überirdische Wesen glaube. Natürlich gibt es auch hierfür eine wissenschaftliche Erklärung: es handelt sich um eine hypnopompe Schlafparalyse, wie sie bei vielen Menschen vorkommt, und auch anscheinend in über alle Kulturen hinweg. Erstaunlich finde ich dann auch die Bemerkung des Observer:

Sleep paralysis is perhaps one of the last closet conditions. Few admit they have it, for fear of being labelled mentally ill or scaring off potential friends and lovers. (Observer)

Darauf lass ichs jetzt mal ankommen. Also praktisch schon wieder ein Outing!

Bild: Heinrich Füssli, "Der Nachtmahr" (1781). Das Gemälde existiert in mehreren Versionen, eine davon hängt glaube ich in der Neuen Pinakothek, oder im Lenbachhaus?

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Substance abuse und: Praecox oder Boeseman?

Falls sich jemand über die herabgesetzte Postfrequenz wundert: Cohu wird grade zerrieben zwischen 1. einer Seminararbeit (hoffentlich meiner letzten) und 2. den Ansprüchen der modernen Aquaristik.
ad 1.: Ich weiß nicht, warum ich dieses Fach studiere. Ich habe diesen Text gefunden. Ihn am nächsten Tag nochmal gelesen. Ihn nach dem Mittagessen nochmal angeschaut. Dann: nochmal genauer inspiziert, mit Hilfe einer  Tafel "Rausch Nouméa Edel-Vollmilch Plantagenschokolade aus Neuguinea Edel-Kakao". Was ich bis jetzt verstanden habe: es gibt mindestens sechs Sachen, die man unter "Substanz" verstehen kann. Grob gesagt, "Substanzen" sind irgendso Dinger (es sei denn, man versteht was anderes drunter). Zu mehr hat es von meiner Seite aus leider nicht gereicht. Dysmetaphysie, eindeutig.
ad 2.: Als Cohu ihr erstes Aquarium bekam, kaufte man sich üblicherweise ein 40cm-Becken, warf ein wenig Rollsplit, Wasserpest und fünfzehn Goldfische hinein, füllte mit Leitungswasser auf und gut wars. Menschen mit Filter oder (Wunder der Technik!) Ausströmerstein waren Profis der Aquaristik. Heutzutage schaut’s da ein bisserl anders aus. Lange Zeit war fraglich, ob ich nach heutigen Standards in meinem alten (immerhin 200-Liter)-Becken, das in den vierten Stock zu tragen wir gestern die Freude hatten, überhaupt irgendwelche Fische außer die ungeziefermäßigen lebendgebärenden Zahnkarpfen halten kann. Immer wieder erstaunlich auch, dass in zahlreichen Aquaristikforen Filtertuning (ne, echt!) und sonstige technische Fragen wesentlich regeren Anklang finden als Nebensächlichkeiten wie etwa die, äh, wie hießen sie? Fische. Aber da muss ich jetzt durch! Der momentane Favorit ist ein Ährenfisch mit dem schönen Namen Melanotaenia praecox, bzw. treffender: Diamant-Regenbogenfisch, oder aber: M. boesemani (Harlekin-Regenbogenfisch, siehe Abbildung). Ist er nicht ein Prachtkerl? Falls hier jemand seinen Möchtegernzynismus ausleben möchte: essen könnte man sie vermutlich schon, wäre aber ein sehr teures Vergnügen. Ihr entschuldigt, ich muss weiter die Kalkränder aus dem Alt-Aquarium kratzen.

(Bild: Eileen Kortright, Wikimedia Commons)

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Ich sehe nix wo du was siehst

Ziemlich lustig findet Cohu, dass die Farbenblindheit von einem britischen Wissenschaftler namens John Dalton im 19. Jahrhundert entdeckt wurde, der selbst nicht nur (was relativ häufig ist) "farbenfehlsichtig", sondern tatsächlich rot-grün-blind war. Herr Dalton beschrieb es so:

"…that part of the image which others call red appears to me little more than a shade or defect of light. After that the orange, yellow and green seem one colour which descends pretty uniformly from an intense to a rare yellow, making what I should call different shades of yellow." (Extraordinary facts relating to the vision of colours, 1794)

Klar, mit solchen Anekdötchen lockt man heutzutage niemanden hinter dem Ofen hervor, seien die wissenschaftstheoretischen Implikationen auch noch so hammermäßig. Aber die verwöhnte Jugend fordert Interaktivität! Darum, und weil ich Futurama-Fan bin, verweise ich Euch auf den Farb-Sehtest nach Farnsworth, den man hier auch online absolvieren kann. Bei Cohu war alles in Ordnung (siehe Abb.). Der Farbenblinde oder -fehlsichtige hat es im Übrigen nicht nur im Straßenverkehr schwer ("Alle Kinder halten vor der Ampel – nur nicht Clint, der ist farbenblind"), sondern auch in anderen Lebensbereichen. So markiert zumindest der Österreicher seine sich vielfach kreuzenden und verzweigenden Bergwanderwege bevorzugt mit entweder roten, grünen, oder rot-grünen Zeichen. An der accessibility muss am Berg also  noch ein bisserl gefeilt werden.

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