1. Deutsche Maenner erkennt man hier am Bauch, den sie so stolz vor sich hertragen wie sonst nur vierundvierzigjaehrige Eppendorfer Erstmütter nach erfolgreicher ICSI, deutsche Frauen an der misslungenen Dauerwelle. Attribute ausserdem: Vollkornbrotdose und Nutellaglas werden zum Frühstück mitgebracht. Briten dagegen: weisse, bzw. hellblaue Beine in kurzen Hosen bei beiderlei Geschlecht.
2. Kann auf alle meine üblicherweise besuchten Seiten surfen, nur nicht auf die vom Stadtneurotiker. Folgender Hinweis erscheint: Access to this site has been suspended in accordance with decision no: 2007/195 of T.C. Fatih 2.Civil Court of First Instance. Brenne jetzt darauf bei meiner Rückkehr den Anlass für diese Entscheidung, vermutlich in Form eines gesalzenen Blogeintrags, zu lesen. Die Wahrheit über Atatürk? Unzüchtige Bilder? Haette aber schon verdacht schoepfen sollen, als der junge Mann damals eine kurdische Taverne ın Haidhausen empfahl…
3. Wenigstens geht hier auf der Tastatur das Ü.
Momentan herrscht bei mir eine ausgeprägte Neigung zur Automutilation. Allerdings vollkommen unabsichtlich, was ja dann eigentlich sogar noch blöder ist, oder? Schwungvolles In-Schreibtischschubladen-Rennen und Halbe-Daumen-Abschneiden, sowas in die Richtung passiert hier ständig. Quasi Pflasterverbrauch eines Hämophilen ohne Faktor VIII, im Hause Cohu. Was würde Freud dazu sagen – Thanatos lässt grüßen. Wenn ich mich nächste Woche an den Strand lege, wird sich ob meiner blauen Flecken ein aufgebrachter Mob um die IT scharen. (Oder auch nicht, wir fahren ja in die Türkei. Höhö, der musste sein)
Jedenfalls: bald hab ich Geburtstag!
Hamburg versuchte an diesem Wochenende mit allen Methoden, Cohu und IT davon zu überzeugen, dass es eigentlich das bessere München ist. Überbordend von Gastfreundschaft, öffneten sich uns gleich zwei Wohngelegenheiten, in Eppendorf überließ uns die Gastgeberin sogar ihr eigenes Bett und schlief derweil bei einem etwas zweifelhaften jungen Mann aus ihrer Bekanntschaft. Man kennt die losen Sitten des Alsterbabylon! Cohu (sonst ohne Zugang zu Fernsehgeräten) staunte über die Dichte an Zootierarzt-Dokusoaps im Nachmittagsprogramm. Dann wurden wir regelrecht gemästet, die Hansestadt hatte sämtliches kulinarisches Potential aufgeboten, sich für ein paar Tage über Grünkohl. Aal und Labskaus erhoben und Pizza Hawaii sowie unübertroffenes Speiseeis und gigantische Griechenteller präsentiert, von den türkischen Köstlichkeiten im Mangal ganz zu schweigen. Fast schon höhnisch wurde uns dann noch, als Krönung des Hochzeitsbanketts, ein perfekter Schweine-Krustenbraten (!) serviert. Welch Anmaßung! Wir sahen darüber weg, genauso wie über die durchgehend gute Stimmung.
Wenigstens unser Deichtorhallenbesuch in der Erwin Wurm-Ausstellung bewies, dass es ohne München nicht geht, tauchte doch bald gleich einer Fata Morgana der Münchner Rechtsgaleerensklave T. vor uns auf. Aber als sich am Schluss noch herausstellte, dass das Eppendorfer Gewürzlädchen "Viola’s" mit schätzungsweise 6 Schwarzpfeffersorten unseren Schuhbeck um Längen schlägt (der bietet nämlich nur eine sorte Schwarzpfeffer an, "Schwarzer Pfeffer", Punkt), hatten wir endgültig genug. Wir reisten sofort ab und werden ab jetzt München nicht mehr verlassen. Unser Entschluss steht fest, München ist die schönste Stadt der Welt, und damit wir daran auch niemals zweifeln, werden wir höchstens vielleicht noch nach Kaiserslautern, Kalkutta oder Kassel fahren. Oder Berlin.
…hier gibt es nichts zu sehen! Cohu fliegt nämlich morgen sehrsehrsehr früh nach Hambuich. Schon wieder eine Hochzeit, die Leute heiraten ja momentan wie die…äh, Fliegen? Kaninchen? Gibt es Tiere, die oft heiraten? Oder einen Volksstamm? Evt. "wie die Mormonen" oder Moment, noch besser: Die Leute heiraten wie König Mswati!
Zu warm für Kuchen? Nicht mit Cohu! Mir wäre es lediglich zu warm gewesen dafür, einen zu backen, aber das hat dankenswerterweise die gestrige Jubilarin übernommen.

P.S. Wow, und ich bin ja fast Don-Alphonso-tauglich, mit meinen lässigen Arzberg-Tellern. Im Gegensatz zu "Meike Kowalski" hat Cohu das alte Zeug nämlich übernommen. Aber das gute Leinen von der Oma bleibt im Schrank und für Silberbesteck hats auch nicht gereicht. Mei, ich bin halt keine Puristin.
P.P.S. Das Geschirr fliegt raus, sobald ich eine Geschirrspülmaschine hab. Ich sage: Herzlich Willkommen, goldrandlose Zukunft – IKEA-Kollektiv, ich komme! Oder macht mich die Tatsache, dass es mir im Gegensatz zu den anderen Individualisten da draußen herzlich wurscht ist, ob 365+ auch in jedem anderen europäischen Schrank steht, nicht erst zum authentischen Individuum?
Wetten, dass meine werten Blogleser sich schon oft gefragt haben – ja, eigentlich ständig fragen! – ob "Mensch" eine natürliche Art ist und was dies für das ethische Problem der "marginal cases" bedeutet? Ja, so ein Zufall, ich nämlich auch! Deshalb hab ich auch eine Seminararbeit drüber geschrieben.
Wer die Spannung jetzt schon nicht mehr aushält, wen diese Ankündigung noch nicht ausreichend abgeschreckt hat, und wessen Englischkenntnisse ausreichend sind, der darf sich hier (unter dem in diesem Zusammenhang naheliegenden Titel: "‘Human’ as a natural kind – a solution to the problem of marginal cases?" ) das paper* mal ansehen. Da ist sogar ein Bild drin!!**
Kritik, insbesondere in Form von überschwenglichem, fast übertrieben aber dennoch glaubhaft wirkendem Lob, ist ausdrücklich erwünscht.
(*) Für die Anglizismenfeinde: ja, paper. Neulich war ein Referent aus der Schweiz da, der die vor dem Vortrag ausgeteilten Zettel hartnäckig als "Tischvorlage" bezeichnete. ‘Tschuldigung, oder soll ich sagen: sorry, da ist mir "handout" ja noch lieber…Dabei haben die Schweizer auch dezidiert schöne Bezeichnungen, z.B. "Grillieren." Grillieren ziehe ich natürlich jedem Barbecue (oder gar "BBQ") vor.
(**) Ok, es ist nur ein Diagramm, aber für einen philosophischen Aufsatz ist das schon Hammer!
Mein Aquarium macht gerade seine Flegelphase durch, noch ganz ohne Fische, dafür aber mit einer zünftigen Blaualgen-Plage. Feiner Nebeneffekt: Cohu riecht nach jeder Reinigung des Aquariums deutlich modrig. Der Duft ist schwer zu beschreiben und schwankt so zwischen Krypta, Chiemseestrand an einem heißen Sommertag und Moorleiche. Endlich wieder wie zu Zeiten, als Cohu jung, schön und blond war: man dreht sich nach mir um, wenn ich den Raum betrete! Danach kommt allerdings kein Anmachspruch, sondern "Was riecht denn hier so?"
Aber bei dem, was heutzutage als Parfum angeboten (und aufgetragen) wird, fällt Cohu mit der Muffelnote noch positiv auf. Vielleicht werde ich das im wahrsten Sinne des Wortes dekadent duftende Aquarienwasser in kleine Fläschchen abfüllen, als "Eau d’Ophelia" verkaufen und reich werden.
(Bildausschnitt: John Everett Millais, Ophelia, 1852, via Wikimedia Commons)
Heute macht sich Cohu auf in die Hauptstadt, um dort einer Hochzeit beizuwohnen. Erstaunlicherweise ist das erst die zweite Hochzeit, zu der Cohu überhaupt eingeladen wurde (die erste war die ihrer Schwester, der blieb wohl nichts anderes übrig, als mich einzuladen!). Und in einem evangelischen Gottesdienst war ich überhaupt noch nie. Da bin in ja mal wirklich gespannt. Schon Montag kehre ich wieder und werde berichten, ob die da – wie wir’s noch beim Pfarrer im katholischen Religionsunterricht gelernt haben – tatsächlich nackt um ein brennendes, umgedrehtes Kruzifix tanzen und dabei Katzenblut trinken. Na, den Berlinern trau ich eh alles zu!