Null Bock

Manchmal fragt man sich schon: anlässlich der Telekom-Abhör-Affäre fordert der Bund deutscher Kriminalbeamter folgerichtig…

…die Verbindungsdaten sämtlicher Telefonkunden in einer zentralen Datenbank zu speichern. Diese Datenbank sollte dann unter der Aufsicht des Datenschutzbauftragten stehen. "Die Telekom-Affäre ist eine Riesenchance für den Datenschutz, die wir nutzen müssen. Es ist doch offensichtlich, dass sensible Kundendaten bei privaten Unternehmen mehr als schlecht aufgehoben sind", sagte BDK-Vorsitzender Klaus Jansen… (Heise)

Und beim Staat wären unsere sensiblen Daten natürlich absolut sicher. Etwa so sicher wie die zarten grünen Triebe in einem Garten, der zur Aufsicht gerade vierbeinigen, bärtigen und gehörnten Paarhufern der Gattung Capra übergeben wurde (s. Abb.). Ich verstehe in diesem Zusammenhang immer nicht ganz, wie Leute Firmen wie Google, Facebook, und meinetwegen auch die Telekom in einen Topf werfen können mit staatlichen Behörden, oder sogar der Meinung sein können, beim Staat seien Daten besser aufgehoben. Weder Google noch Amazon (und schon gar nicht die Schnarchis von der Telekom) werden, so meine Vermutung, jemals die Türen von Privatleuten nachts mit Rammböcken öffnen, in vermummter Dutzendmannschaft mit MG im Anschlag Menschen aus dem Bett zerren und sie schließlich treusorgend in verfahrenssichernde Ermittlungsmaßnamen einbeziehen. Von Überschreitungen des rechtsstaatlich Erlaubten jetzt mal gar nicht zu reden…

Alleine beim Gedanken einer zentralen staatlichen Datenbank bekomme ich Gänsehaut – dabei, wie heißt es noch so schön:

People should not be afraid of their governments. Governments should be afraid of their people.

4 Responses to “Null Bock”

  1. Thersites Says:

    Also ich will entsprechende Daten weder bei privatwirtschaftlichen Unternehmen noch bei staatlichen Behörden gespeichert haben. Jedes Datum das irgendwann erhoben wird, wird auch irgendwann missbraucht werden. Aber jetzt kommt ja erstmal die einheitliche Steuernummer. Damit hätten wir dann einen hervorragenden Primärschlüssel.

  2. cohu Says:

    Ja, kann man so sehen. Ich bin mit meinen Daten nicht ganz so vorsichtig und möchte ehrlich gesagt auch weiterhin das Recht haben, Firmen meine – auch privaten – Daten zur Speicherung zu überlassen, wenn mir danach ist (manche wollen ja regelrechte "Datenspeicherungsverbote", ich weiß nicht, ob Du das auch fordern würdest). Ausschlaggebend fände ich, dass es opt-out-Möglichkeiten gibt. Die sehe ich bei Privatunternehmen bei weitem noch nicht in ausreichendem Maße, aber zumindest noch eher als z.B. bei staatlichen Erhebungen von Daten (Ausweispflicht, Meldepflicht, und was sie sich noch alles einfallen lassen werden). Dazu kommt die kategorisch höhere Missbrauchsgefahr durch den Staat, der eben die Möglichkeit zu ganz anderen Eingriffen hat als Privatunternehmen.

  3. Thersites Says:

    Ich bin für Datensparsamkeit. Ein Unternehmen muss bestimmte Daten speichern können um bestimmte Dienste anbieten zu können. Wenn die Daten ihren Zweck erfüllt haben müssen sie gelöscht werden. Alternativ wenn Personen gerne ihre Daten bei Dritten hinterlegt haben möchten, bitte sollen sie es tun. Nur muss das auf freiwilliger Basis geschehen. Und es sollte einen Weg geben mit Firmen zu interagieren, der die veröffentlichten Daten minimiert.Wenn ich sehe, dass Leute für eine Bratpfanne alle zwei Jahre, die Daten über ihre Einkäufe an Payback verkaufen bekomme ich Zweifel an der Idee des Menschen als rationalen Wesens. Falls Du Gelegenheit bekommst die momentan aktuelle c’t zu lesen, lies den Artikel über RFID.

  4. Stadtneurotiker Says:

    Ein Geschmäckle hat die Sache so oder so: Immerhin hält der Staat noch die Aktienmehrheit an der Telekom…


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