Frauen-Aua, Männer-Aua

Das NYT-Magazin titelte vor ein paar Wochen mit einem Artikel namens “The Uneven Playing Field”, der eine wahre Lawine von Kommentaren lostrat. Der Autor beklagte eine “Epidemie” von Sportverletzungen unter weiblichen Sportlern, insbesondere Fußballerinnen (in den USA ist Fußball ein Mädchensport) und fragte allen Ernstes : “Everyone wants girls to have as many opportunities in sports as boys. But can we live with the greater rate of injuries they suffer?” Ähnlich brechreizerregend “fürsorglich” kommt der Titel des Buches daher, dem der Aufsatz entnommen wurde: “Warrior Girls: Protecting Our Daughters Against the Injury Epidemic in Women’s Sports”.
Tatsächlich scheinen junge weibliche Sportler, nach vorläufigen Zahlen aus den wenigen Jahren, in denen sie auf hohem Niveau Mannschaft-Leistungssport wie Fußball und Hockey betreiben, anfälliger zu sein für Kreuzbandrisse und Gehirnerschütterungen.
Worauf ich jetzt allerdings seit diesem Artikel warte: einen aufrüttelnden Bericht darüber, in welche Gefahr sich unsere Knaben begeben, wenn sie ihre empfindlichen Körperteile-die-üblicherweise-nur-Männer-haben Freistoßbällen und Radsätteln aussetzen. Solche ausschließlich für das verletzliche Geschlecht auftretenden Probleme sind hier beschrieben, aus Rücksicht auf empfindliche Gemüter gebe ich die medizinischen Probleme hier nicht detaillierter wieder. Wir alle wollen tüchtige Sportler. Aber können wir damit leben, dass unsere Söhne dafür ihre Eier hinhalten ihre kostbare Fruchtbarkeit aufs Spiel setzen?

Am Rande: Psychologisch bemerkenswert finde ich die kompensatorischen Bemühungen, die ein (ich vermute stark: männlicher) SPON-Reporter bei einen Artikel über fußballbedingte Hodenschädigung aufbot. Peinliche Zwangswitzeleien waren die Folge, sie gipfeln schließlich im Satz:

“Die angegriffenen Hoden würden nämlich nur mangelhaft mit Blut versorgt, dadurch sei “die Fruchtbarkeit verschlechtert” – bambino finito.” (SPON, 2001)

War es mir als Frau bis jetzt nicht vergönnt, die volle Wucht des berüchtigten Keimdrüsenschmerzes erfahren zu dürfen – der SPON-Autor verursacht bei mir ein Stechen und Dröhnen, das dem einer Hodenquetschung zumindest nahe kommen dürfte. Allerdings eher im Kopfbereich.
Gottseidank sind Frauen nicht so schmerzempfindlich.

(Bild: Markus Dallarosa/Wikimedia Commons)

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