Doku & Propaganda

Gelangweilt? Und noch (so gut wie) zwei Tage bis zum Wochenende? Hier gibt es einige gute Dokumentarfilme zu sehen, darunter sogar einige BBC-Schmuckstücke (z.B. "If Drugs Were Legal"). Besonders angetan haben es Cohu aber immer die Propagandafilme, die ja durch das Internetz gottseidank endlich wieder einen Aufschwung erleben. Mein persönlicher Tipp: "Was der Darwinismus über die Menschheit brachte." Der Dialekt muss mir aushelfen: da legst di nieder.

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Protestkochen

Wenn der Frühling nicht will, dann eben nicht! Und um ihm eins auszuwischen, kocht Cohu aus Protest Kasspatzen, das hüttigste aller Gerichte. Und morgen Kaiserschmarrn. Und übermorgen Dampfnudeln. Und Überübermorgen Leberknödelsuppe. Und dann Gulasch. Meinetwegen kann noch bis August Winter sein. Ätsch!

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Et Tu, Felix

Was sehen meine armen, Keratoconjunctivitis sicca-geschundenen Augen? Das kann, das darf nicht wahr sein. Im Felix nebenan reißen sie die gesamte Inneneinrichtung raus, samt beleuchteter Poser-Flaschensammlung und Edelstahl-Küchengewächsen. Das Lokal wird wohl gerade geschlossen, für einen “Relaunch” wäre es doch wohl etwas zu früh? (Anders beim ehemaligen Odeon, da hat jetzt von einer Woche auf die andere ein hart an der Peinlichkeitsgrenze vorbeischrammender Thai-Trend-Schuppen aufgemacht. Aber so ein zackiger Relaunch geht nur via Koksskandal, im Felix natürlich ausgeschlossen!).
Ja, also, bitteres Schicksal Schließung, um Gottes willen! Wo soll Cohu jetzt in Zukunft hingehen, wenn sie unweigerlich an “trendige Lokale von New York oder London” erinnert werden will? Wo soll man in Zukunft, ob der fuseligen Cocktails, Kuba weinen sehen, und das für 18 Euro? Wo werden mich meine Schritte hinführen, wenn ich mich nach dem penetranten Duft alten Frittierfetts und den Polohemden der Jeunesse Dorée sehne? Wo werde ich hier überhaupt noch die Möglichkeit haben, richtige Schlägereien auf- und neben dem Bürgersteig zu bewundern – mitten in der Maxvorstadt? Und das Grölen und Pöbeln, wie es so sanft in meinen Hinterhof dringt, der Nachtigallenschlag der Großstadt – wenn er verstummt, was soll mich denn dann in den Schlaf wiegen?
Mal sehen, was da als nächstes aufmacht. Wobei man sagen muss, zur Rückbesinnung auf überkommene Werte: auch das gute alte Sausalitos von gegenüber hat einiges zu bieten. (Das ist sozusagen ein McCocktail, für die Leser, deren Kleinstadt bis jetzt vom gutartigen Geschwür dieser Texmex-Kette verschont geblieben ist). Aber lest selbst:

Eine Bar ist nicht genug? OK – denn wir haben zwei!
Beide randvoll mit allem für Deinen Hals. In der Türkenstrasse 50, dem Herzen Schwabings.

Den Rhythmus bestimmen wir. Hier wird literweise Adrenalin gepumpt. Hier brennt die Luft. Die Kontaktzone für Körper und Seele. Die Nightlife-Location  – mit Cocktail-Terrasse im Innenhof!

Hier ist die Szene Schwabings. Die echte Attraktion.
Im SAUSALITOS Münschen/Schwabing sind alle Willkommen.
Wenn sie frisch sind. Und feiern können. Und auf das Besondere stehen.

Your place to be!

Das Robbenrätsel

Hohenzollern-Ecke Hiltenspergerstraße steht auf einem Flecken etwas heruntergekommener Grünanlage dieser Brunnen, der ein Mädchen darstellt, das seltsamerweise eine Robbe auf der Schulter trägt. Um das Rätsel um den Seehund (ist ja doch ein eher ungewöhnliches Motiv) aufzuklären, bin ich natürlich sofort zur unvergleichlichen Seite "München und seine Springbrunnen" gesurft, und habe das gute Stück auch gefunden, leider stehen da – bis auf den Künstler – auch nicht mehr Infos. Ferdinand Liebermann war anscheinend ein Nazi, aber warum er dem Mädel diesen verdammten Flossenfüßler auf die Schulter setzt, bleibt ungeklärt. Eine Hommage an das erfolgreiche Nazi-Zwerg-U-Boot "Seehund"?. Ein nicht minder verwirrende Deutung des Seehunds als Symbol bietet das Online-Traumlexikon.
Noch eine rätselhafte Pinnipede findet sich außerdem am Hinterausgang des LMU-Hauptgebäudes: auf Augenhöhe (ja, lacht nur, für Cohu ist es Augenhöhe!) finden wir auf einer Seite der Tür eine Eule (logisch, Weisheit und so), auf der anderen jedoch ein gut als solches identifizierbares Walroß. Was soll das denn bitte? Die einzige Referenz, die mir zu Walrössern einfällt, ist die hier, aber was in aller Welt hat das mit der Uni zu tun? Es sei denn, man stellt sich die Austern als Studenten vor. Mahlzeit!

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Unterirdisch

Die Münchner U-Bahn-Stationen sind ja schon mal nicht schlecht (zu bewundern sind sie auf FloSchs feiner U-Bahn-Seite). Cohus Lieblingsstation ist "Josephsburg," auch, wenn es außer dem U-Station leider nicht viele Gründe gibt, in Berg-am-Laim auszusteigen. Aber: noch viel coolere U-Bahnhöfe (bzw. Tunnelbana-Höfe) gibts in Stockholm. Müsste eigentlich auch noch viel Geld sparen, so zu bauen, oder?
Überhaupt, was moderne Gestaltung angeht: der Lokal-Kulturteil der SZ war heute überschrieben mit "MÜNCHNR KULTUR". Ich schwanke noch zwischen der Interpretation "gewohnheitsmäßige Schlamperei" und der Auslegung, dass die SZ-Redakteure jetzt auch versuchen, auf den Web 2.0-Zug aufzuspringen.

Ausgerechnet…

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Traditionsverwurzelt Revolution vermarkten.

Schon erstaunlich, wie man in Buchhandlungen bzw. von Verlagsseite her eine Idee, die einem uralt vorkommt (weil sie halt schon vor 3 Jahren im Internetz breitgetreten wurde) als den revolutionären Wirtschafts- Bestseller schlechthin verkauft. Natürlich erstmal ausschließlich in Hardcover-Version für preisgebundene 19,90€ . Willkommen im Mittelalter.

Aus dem Vorschautext der Verlagsseite zitiert, ergeben sich interessante Kontraste:

"Verlage starren wie gebannt auf den nächsten Weltbestseller, Film-Verleiher auf den nächsten Blockbuster, die Musikindustrie auf den Superhit, der alles herausreißt. Sie alle sind schief gewickelt. Die Zukunft liegt ganz woanders." (…)
"Wie sie die [Chancen] nutzen können und was diese neue Wirtschaft für uns alle bedeutet, zeigt Anderson in seinem revolutionären Bestseller."

Hm. Äh. Kognitive — Dissonanzen— lähmen — mein — Hirn…

P.S.: Dem Schweinischen ist, zugegeben, alles schweinisch. Aber war es wirklich nötig, "The Long Tail" in seiner deutschen Übersetzung den Untertitel "Der Lange Schwanz" zu geben?

(Bild: Wikimedia Commons)

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Preisfrage

Was würden südamerikanische Anti-Bush-Demonstranten machen, wenn es die Nazis nie gegeben hätte?

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Decline of a Nation: Gaias Rache

James Lovelock, berühmt-berüchtigter "Futurologe", und Erfinder der Gaia-Hypothese, ist fest davon überzeugt, dass aufgrund des Klimawandels ganz Europa zur Wüste werden wird.
Ganz Europa? Nein! – Eine Insel wird verschont bleiben (Ihr ahnt vielleicht, welche), mit ganz erstaunlichen Auswirkungen:

"We’ll be a bloody lifeboat for Europe.(…)

Lovelock reckons that the British Isles will be among the few island oases in a world given over to desert, scrub and oceans devoid of life: "Everybody in Europe will be wanting to come here." Even people who live in currently delightful spots such as Cap d’"Antibes and Siena. They aren’t going to like Milton Keynes or Cumbernauld one bit." (Guardian)

Oi oi, ob die aber Cohu, die sich ja immerhin schon in mehr als 70 Einträgen über das Vereinigte Königreich lustig gemacht hat, überhaupt aufnehmen werden? Vielleicht sollte ich die Kategorie umbenennen in "What’s so great about Britain?".
Jedenfalls – vielleicht weil Mutter Erde Gaia es gut mit Cohu meint – hat Herr Lovelock auch noch einen schönen Hitlervergleich ins Interview eingebracht:

"He suggests that the current population of six billion humans will be cut to a more ecologically sustainable half-to-one billion people. "How will this mass cull happen? "It’ll be worse than Hitler – Gaia’s going to do it," says Lovelock. He writes about this chillingly at the outset of the Revenge of Gaia, where he considers the December 2004 tsunami. "That awful event starkly revealed the power of the earth to kill. The planet we live on has merely to shrug to take some fraction of a million people to their deaths. But that is nothing compared with what may soon may happen; we are now so abusing the Earth that it may rise and move back to the hot state it was in 55 million years ago, and if it does, most of us, and our descendants, will die."

Ach, ich mache mir da keine Sorgen. Mag sein: Klimawandel, das Öl geht aus, das Wasser wird knapp, und der eine oder andere Hurrikan pfeift daher. Aber eine Resource gibt es auf der Welt, die ist so nachhaltig, und in solchen Mengen vorhanden – und zwar in wirklich jeder Weltregion außer der Antarktis – , also eine Ressource, dass es sustainabler nicht mehr geht, da kann sich die Gaia auf den Kopf stellen – nein, ich meine nicht Sonnenenergie (und auch nicht, wie Lovelock vorschlägt: Atomenergie). Sondern: Menschliche Dummheit. Wenn wir rausfinden, wie man Mentalfürze wie die Lovelocks in Strom umwandeln können, sind sämtliche Krisen der Welt lösbar. Hoffen wir also auch weiter auf den technischen Fortschritt.

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Decline of a Nation: Baby, baby

Großbritannien ist uns einige Jahre voraus, was die frühkindliche Förderung angeht. Nun gibt es einen "Lehrplan" für 1-5-Jährige in Betreuungseinrichtungen, der  vorschreibt, dass der kleine Brite z.B. bis zum 11. Monat mit seinen Zehen gespielt haben, sowie Weinen, Plappern und Kreischen beherrschen soll. Spätestens im 26. Monat soll er "Gefühle ausdrücken" können, bis zum 50. Freundschaften haben, etc. Und:

At five, each child will be assessed against 13 scales based on the learning goals and their score, called an early years profile, must be passed to the Department for Education and Skills. (Guardian)

Das kann man dann später auch in die Bewerbungsmappe legen, á la: "Ich habe schon kurz nach der Geburt Führungsverantwortung übernommen. Meine Eltern waren mir von meiner Geburt im Januar 2007 bis Dezember 2008 vierundzwanzig Stunden am Tag unterstellt. Natürliche Autorität hat dies trotz geringer Körpergröße ermöglicht. Im early years profile erreichte ich dann auch Top-Punktzahlen." Vielleicht könnte man zu diesem Zeitpunkt auch gleich noch die Fingerabdrücke der Kleinen staatlich registrieren?
Ich bin nun wirklich keine Vertreterin der These, man solle Kinder bis zur Präpubertät nur mit biologischen Holzbauklötzen ohne Ecken sowie Tannenzapfen spielen lassen, zumal ich selbst mit fünf in die Schule gekommen bin (aufgrund meiner Annahme, die Grundschule wäre für ein Kind, das schon lesen kann, weniger öd als der Kindergarten – da wurde ich aber bald eines besseren belehrt; vermutlich hätte ich mich weniger gelangweilt, wenn ich bis zum Alter von 18 nur mit Playmobil gespielt hätte). Jedenfalls: ich finde, das geht irgendwie ein bisserl weit. Und wenn ich mir einige der Erziehungsziele anschaue, die die Kindlein bis zum zarten Alter von 5 (!) erreichen sollen, möchte ich darauf hinweisen, dass ich viele erfolgreich einer Berufstätigkeit nachgehende Erwachsene kenne, die diese Anforderungen nicht erfüllen:

Begin to move to music (soll man schon mit 26 Monaten können, ich kann es bis heut nicht)
Express feelings within warm, mutual, affirmative relationships (Man muss jetzt staatlicherseits Gefühle ausdrücken können? Wow. Reichen nicht auch kalte oder einseitige Beziehungen? Kommt, seid realistisch! Wir sind schließlich in Großbritannien…)
Show increasing control in holding and using hammers (…) (Au! Au! AAAAAAUUU ja Du verdammter Scheißhammer! – Na, das war dann zumindest "expressing feelings", oder?)
Complete a simple program on a computer. (Chef bei ehem. Praktikum: "Frau Cohu, drucken Sie mir doch bitte diese ganzen E-Mails aus!" – Antworten werden handschriftlich auf den Ausdrucken vermerkt und sind von Frau Cohu einzutippen sowie abzuschicken.)
Besonders schön aber, wie ich als Moralphilosophin finde – bis zum Alter von 5 (fünf!) soll man:
Understand what is right, what is wrong and have a conception of why this is.

Ich warte jetzt voller Spannung darauf, dass mir ein fünfjähriger Brite seine kohärente metaethische Theorie darlegt…ich habe bis jetzt leider noch keine solche herausgebildet. Naja, Entwicklungsverzögerung, würd ich sagen. Zumindest kann ich schon mit meinen Zehen spielen.

(Bild: Wikimedia Commons / Carin Araujo)

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