Marinedelphine

Delphin "K-Dog" trainiert im persischen Golf

Im U.S. Navy Marine Mammal Program werden Meeressäuger zum Kriegs- und Sicherheitseinsatz ausgebildet. Ausprobiert hat man das seit den 60er-Jahren mit vielen Meerestieren (anfangs auch mit Belugas, Orcas, Seelefanten und angeblich sogar mit Haien), aber mittlerweile arbeitet man nur noch mit Delphinen und Seelöwen. Den Delphinen hat man beigebracht, Minen zu entdecken – während des Irakkrieges haben die emsigen Tiere im Hafen von Umm Quasr angeblich 100 Minen und Sprengsätze ausfindig gemacht. Seelöwen und Delphine werden außerdem dazu abgerichtet, schwimmende Terroristen aus Sicherheitszonen fernzuhalten. Zum Töten sind die Viecher (trotz anderslautender Gerüchte) aber angeblich nicht zu gebrauchen:

“The Navy claims that it has never trained its marine mammals for attack missions against people or ships. The Navy claims that since dolphins cannot discern the difference between enemy and friendly vessels, or divers and swimmers, this would be a haphazard means of warfare.” (Wikipedia)

(Hm, gilt das nicht auch für Menschen?) Egal, Seelöwen kann man jedenfalls dazu abrichten, Unterwasserterroristen aur relativ friedliche Art und Weise unschädlich zu machen:

“Finally, a sea lion carrying in its mouth a specially designed leg cuff attached to a rope is supposed to clamp the cuff onto the diver’s leg, allowing authorities to reel in their suspect…” (SFbay: Navy to showcase trained marine mammals in bay)

Das Marine Mammal Program hat ein vergleichsweise bescheidenes Jahresbudget von 20 Millionen Dollar.

(Bild: Wikimedia Commons)

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Eastcoast Blues

Blind Boy Fuller, Pistol Slapper Blues, 1938:

Nun gibt es bei Smithsonian Folkways noch eine sehr schöne Version eines daran angelehnten Liedes des mit Fuller befreundeten Baby Tate: See what you done done (mp3), mit der schönen Zeile: She got great big legs shaped like Georgia ham. Die Aufnahme aus dem Jahr 1977 stammt vom gerade erschienenen Album Classic Appalachian Blues, dessen Erwerb Cohu den Bluesfans unter ihren Lesern nur empfehlen kann. Bei Amazon (und iTunes, nehm ich mal an) kann man es für 9 Euro herunterladen. Das gewohnt ausführliche Booklet gibt’s hier als pdf.

Äh, und wenn man weit genug nach Osten geht, kommt irgendwann Rory Gallagher, 1972:

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Fraternisierungsbesessen

Ein New-Yorker-Artikel über Bayern aus dem Juni 1945 beginnt mit diesem Satz:

“When the American Army of Occupation takes over in Bavaria, it will find itself confronted with handling eight million cagy and hardheaded peasants who have already sat out military occupation by the Romans, Bohemians, Hungarians, Huns, Austrians and French, and who, between invasions, have kept their hand in by nicking tourists.”

Darauf folgen einige zutreffende Sätze über den bayrischen Nationalcharakter, etwa:

“What we know as Bronx Cheer is known in Europe as the Bavarian Salute. Another Bavarian institution is the Saalschlacht, or beer-hall-battle, in which steins, chair legs, and so on are used to drive home political arguments. (…)

Aber auch nicht (mehr) zutreffende:

“Bavaria has never produced a great poet, musician, or statesman.”

Die wirkliche “Gefahr” für den amerikanischen Besatzer wird hier identifiziert:

“One military-government problem may be the Bavarian girls, blowzy, good-natured wenches, who are so hell-bent on fraternization that Munich, even before Hitler started encouraging that sort of thing, had the largest proportion of bastards of any city in the world.”

Wieviele New-Yorker-Leser sich danach wohl freiwillig für die Besatzungsarmee gemeldet haben?

(Hier das Abstract, den ganzen Artikel kann man leider nur mit Abonnenten-Login lesen. Bild: Florian Schott, Wikimedia Commons)

Wen man mit einem Smartphone heutzutage noch richtig beeindrucken kann:

Kirchentags-Gymnasiasten aus dem Saarland, die auf der Suche nach einer bestimmten “Diskothek” (!!!) sind und einen höflich siezen. Süß. There’s an app for that.

Der Weisheit letzter Schluss

Cohu, in den letzten Tagen nach der extractio von vier widerspenstigen dentes sapientiae zwar nicht mehr ans Bett, aber immer noch an den Brei- und Suppentopf gefesselt, hat dieser unschönen Lebensphase dennoch einige Erkenntnisse abgetrotzt:

1. Dass Babies soviel schreien, liegt wohl größtenteils an diesem Zeug hier. Igitt! Habe den vorsorglich angelegten Gläschen-Vorrat nach 1 Glas “Bolognese” nicht weiter angetastet…

2. Wenn man ganz dringend Hummus herstellen will, also Kichererbsenmus, dann kann man sich das tagelange Einweichen und Kochen der getrockneten Erbsen auch sparen. Einfach wie hier beschrieben die Kichererbsen in einen schweren Topf/Bräter geben, mit Wasser bedecken, 1 TL Salz (Ja! Salz! Wirklich!) dazu und einmal aufkochen, dann bei 120° mit Deckel in den Ofen, für ca. 80 Minuten, fertig. Geht anscheinend auch mit Bohnen. So werde ich nach Hummus und Dal Makhani morgen auch noch die frijoles refritos ausprobieren können. Auch bei der Bewertung von Linsengerichten liegt die Bibel mal wieder voll daneben!

1973 vs. 2003

Das Original stammt von Tony Orlando (eigtl. Michael Anthony Orlando Cassavitis), einem amerikanischen Halbgriechen, bei dem sich die einschlägige Forschung auch heute, fast 40 Jahre post factum, immer noch nicht sicher ist: was war das größere Verbrechen, der Schlager oder der Schnauzer?

Und die Fälschung (akustisch tendenziell NSFW):

[Eine gelbe Schleife, yellow ribbon, ist in den USA traditionell ein Symbol der Erinnerung an und Unterstützung von auswärtig stationierten Angehörigen des Militärs. Soldatenfamilien und andere Patrioten schmücken damit gerne ihre Mailbox oder ihr berüchtigtes Sports Utility Vehicle.]

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If ah’m guvna

Hier erklärt der alabamische Gouverneurskandidat Tim James mit stolzgeschwellter Brust, dass im Falle seiner Wahl die 12 nicht-englischen Sprachoptionen für die Führerscheinprüfung abgeschafft würden (FOXNews dazu). James’ durchschlagender Slogan: “This is Alabama. We speak English!”

Aber seht selbst:

Meine Frage dazu: ist es eigentlich Zufall, dass immer diejenigen auf die Reinhaltung der jeweiligen Hochsprache (und -kultur) pochen, die sie selbst nicht ganz draufhaben?

How many roads

In Vorbereitung auf ihren baldigen Umzug in die Heimatstadt der politischen Hippiebewegung hat Cohu sich schon mal auf die Suche nach den schönsten Protestliedern gemacht. Hier die drei mit den tiefsten psychosoziopolitischen Einsichten:

Trotz meiner neuronalen Vorliebe für Tom Lehrer und meiner hormonellen Vorliebe für Hugh Laurie gefallen mir die Asylum Street Spankers eigentlich am besten.

Decline of a Nation: Thatcher’s bitter legacy

Das ist doch total kaputt!

Das Schlagwort der “broken society” ist in Großbritannien sehr beliebt. Darunter kann man eigentlich alles zusammenfassen, was schief läuft: binge drinking, knife crime, muffin tops. Fraglich nur, wer eigentlich schuld ist an der kaputten Gesellschaft: Laut Herrn Cameron ist es natürlich Labour (ein Kapitel des konservativen Parteiprogramms heißt passenderweise “Mending Our Broken Society”, pdf). Für die Gegenseite dagegen ist klar: Broken Britain is Thatcher’s bitter legacy.

Bei der Recherche zu dieser Frage ist Cohu auf wahrhaft Schockierendes gestoßen – Thatcher hat Dinge verbrochen, mit denen verglichen ihre Zerstörung der Britischen Gesellschaft noch ziemlich harmlos wirkt. Sie ist nämlich für eine Sache verantwortlich, die auch durch die damaligen historischen Umstände kaum zu rechtfertigen, abstoßend und moralisch verkommen ist: Softeis!

“One important development in the 20th century was the introduction of soft ice cream. A chemical research team in Britain (of which a young Margaret Thatcher was a member) discovered a method of doubling the amount of air in ice cream, which allowed manufacturers to use less of the actual ingredients, thereby reducing costs. It made possible the soft ice cream machine in which a cone is filled beneath a spigot on order.” (Wikipedia: Ice Cream)

Das kann man ja wohl kaum als Jugendsünde abtun, das fällt schon in die Kategorie Charakterfehler…

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Hellabrunn

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