Es gibt neue Fotos!
Nach langer Pause und vielfacher Nachfrage heute wieder mal ein Update! Die kommen jetzt wieder regelmäßig, versprochen…
Endlich habe ich in meinem schicken 6oer-Jahre-Zweckbau-Appartement in der Winzererstraße (das ist der vom gleichnamigen "Fähndl") Telefon, DLS, WLAN und was der moderne Mensch halt so braucht. Außer einen Fernseher, den habe ich an eine der Trashkultur verfallene Freundin (V.S.) verkauft. Dafür musste ein SZ-Abo her! Für die drohende Arbeitslosigkeit muss man sich schließlich schon mal einiges an Bildung anlesen, die neuen Harz-IV-Formulare sollen ja dermaßen kompliziert sein…Zudem habe ich vorrausschauenderweise meine Rücklagen in sog. "skandinavische Wohnkultur" investiert, siehe dazu ein Foto meines reizenden,stilsicheren Kiefer-Massiv-Ensembles "NORDEN" und "Stefan", gepolstert mit "Blenda Platt".

Aufgrund meines langen Marsches durch die Elite-Institutionen und meiner hart erkämpften Ankunft im mittelständischen Establishment mussten auch meine zahlreichen Ché-Poster dran glauben, jetzt zieren nur noch Kunstdrucke und eine Weltkarte meine raufasertapezierten Wände- geschmackvoll!
Das findet auch meine – eher konservative – Mitbewohnerin Madame, die sich in einem schmucken Stall auf dem Balkon eingerichtet hat.
Dazu bald mehr, und: ich hoffe, Ihr kommt mich mal besuchen!
Juhu! Wieder Zuhause! Leider hat sich immer noch keine eigene Wohnung gefunden, deshalb gibt’s jetzt erstmal keine großartigen Postings…Ihr findet mich im Café Puck, wo ich verzweifelt versuche, eine schwache WLAN-Verbindung am Leben zu halten, um zumindest meine Mails abzurufen. Wetten, dass ab Donnerstag das Wetter super wird? Da fängt nämlich mein Praktikum an…
Angesichts der allgemeinen Hysterie darf ich es Euch nicht verschweigen – ein gerade (wieder-)entdecktes Foto aus dem Sommer 2003, auf dem ich unbeabsichtigt genauso aussehe wie Benjamin v. S-B.
Ich höre keinen Britpop und ich bin nicht auf Koks, trotzdem: BvSB wie aus dem Gesicht geschnitten! Urteilt selbst:
(Naja, eigentlich bin ich cooler. Weiß irgendjemand, worauf seine Hand liegt? Ist das eine weiße Eule? Ist das jetzt ein Weisheits- oder ein Phallussymbol?Meine Kopfhörer wirken professioneller.)
Habe endlich das richtige T-Shirt für mich gefunden
(www.vintagevantage.com)…
Leider sind nun alle Besucher abgereist, aber hier finden sich wieder einige erfrischende Fotos. Statt Cooler Colleges lag der Schwerpunkt diesmal auf dem Outdoor-Spaß – Flüsse, Gärten und Schankstätten Oxfords wurden ausgiebig erkundet.
War allerdings ein wenig außer Gefecht gesetzt, da aufgrund der intellektuellen Stimulation an der hiesigen Elite-Uni mein Weisheitszahn plötzlich zum Vorschein kam und meine gesamte Kieferregion in ein Krisengebiet verwandelte.
Ja, ich musste in meiner Verzweiflung sogar den berüchtigten "National Health Service" in Kauf nehmen, eine Einrichtung, die – wenn man den Gerüchten Glauben schenkt – Deutsche Bahn, GEZ und Arbeitsagentur wie reibungslos und effizient organisierte Spitzen-Serviceleister aussehen lässt. Mein Penicillin hab ich trotzdem bekommen.
Nun sind es noch gut drei Wochen, bis ich wieder nach Hause komme. Ahem, nochmal ein Aufruf: wer eine freie Wohnung in Maxvorstadt/Schwabing weiß, möge sich bei mir melden. Ansonsten heißts halt wieder: SZ Mietmarkt.
Mein letztes Essay ist abgegeben, und nun kann ich euch einen ausführlichen Bericht über die Ereignisse der letzten Wochen bieten: und zwar über mein Geburtstags-nach-Feier in Summertown, über das triumphale Christmas Dinner der German Society.
Da ich ja schon in 5 Tagen wieder in München bin, habe ich hauptsächlich (interne) Fotos zu bieten, mit kleinen Kommentaren (ach ja: natürlich habe ich streng zensiert!)…alle Details könnt ihr ja dann hoffentlich bald in der Analogie/ auf dem Christkindlmarkt/beim Weißbier im Alten Simpl direkt von mir erfahren!
Nur soviel: es wurden Mengen von Spezereien aus aller Herren Länder eingekauft, provokante Themen wie "weiblicher Orgasmus: muss das sein?", "Metrosexualität: Wie nähere ich mich diesem Ideal an?" oder "Sind Katholiken wirklich Nazis?" kontrovers diskutiert, außerdem fleißig Fliegen gebunden, Schuhe gewienert, das eine oder andere Glas Sherry, Portwein oder eben Export-Bier, ja sogar "Erdinger" geleert, britisches Rindfleisch in rauen Mengen verputzt und unglaublich, aber wahr: das Lied "Drunt in da greana Au" vor einem rein britischen Publikum vorgetragen! Gut, dass ihr nicht dabei wart…
Ja, ich bin unter die Computer-Nerds gegangen… Stolz präsentiere ich meine erste (selbstgebastelte) Flash-Animation.
Außerdem: großangelegte Aufräum-Aktion auf cohu.de, deshalb kann es sein, dass einige Sachen nicht funktionieren. Sagt mir bitte Bescheid, wenn ihr tote Links etc. findet!
P.S.: Mit T’s Panorama-Bildern kann ich natürlich nicht mithalten. Aber wir stehen ja auch nicht in Konkurrenz, zueinander…nein, wirklich nicht!
Ach ja, Nazivergleiche…da hat ja wohl einer den Vogel abgeschossen… kommt bald in meine Liste!
Nun wollte ich euch ja zunächst von der "Matriculation"-Zeremonie berichten, die schon vorletzte Woche stattfand – leider habe ich meine Fotos noch nicht bekommen. Also seht ihr mich noch nicht im "sub-fusc" – ah ja, da bin ich ja schon mitten im Bericht: so nennt man hier die akademische Uniform für undergraduates. Sie besteht aus einem "gown" – einer Art knielangem schwarzen Kittel – darunter wird schwarze Kleidung, eine schwarze Krawatte und ein weißes Hemd getragen. Abgerundet wird das Outfit durch einen dieser albernen viereckigen Hüte mit Quaste, den man aber als undergraduate nicht aufsetzen, sondern nur mit sich herumtragen darf.
Mit dem allen angetan, tritt man vor der Matriculation in seinem jeweiligen College zum "Roll Call" an, der darin besteht, dass der "Bursar", der eine noch viel albernere, rote Schabracke trägt, eine Liste aller zu matrikulierenden Studenten vorliest, wobei der Betroffene bei Nennung seines Namens kundzutun hat, dass er anwesend ist. Da die Liste üblicherweise nicht nur aus englischen, sonder auch indischen, japanischen o.ä. Namen besteht, ist hier immer Platz für ein oder zwei erfrischende Witzchen.
Bursar: "Chang, Lee"
Asiatischer Student: "Here!"
Bursar: "Chang, Yu… any relation, by the way?"
(einer der besseren Witze)
Danach marschieren dann alle Freshers im Gefolge ihres Bursars in die "Stadt" und dort zum Sheldonian Theatre (siehe Bild). Dort müssen sich alle brav erheben, wenn das Gefolge von – äh, also im Zweifel haben sie wieder irgendwelche seltsamen Namen – also jedenfalls, von Uni-Haupt-Greisen in den Raum schreitet (die Kittel werden anscheinend je nach Rangfolge immer bunter). Es wird etwas lateinisches vorgetragen, dann kommt eine kleine Rede darüber, dass man in Oxford viel arbeiten soll etc., die man aber im Sitzen anhören darf. Das ganze ist also sehr rührend und dramatisch. Zu schade, dass unsere amerikanischen visiting students gar nicht matrikuliert wurden, es wäre vermutlich nach ihrem Geschmack gewesen.
Ansonsten hatte ich das Vergnügen, Herrn Brunotte in die "Formal Hall" in St. John’s zu begleiten. Liebe Münchner Mensa-Anhänger: die Athmosphäre ist zwar sehr gediegen (gowns, Bedienung, es gibt Alkohol und zum Ausgleich ein lateinisches Tischgebet), aber das Essen in der Mensa ist normalerweise besser als hier in den Halls (solange man nicht das Spargel-Omelette oder die Chinesische Schinken-Reis-Pfanne oder die Truthahnflügelkeule als Vergleichsmaßstab nimmt). Naja, wahrscheinlich einfach nicht vergleichbar.
Für alle, die mein akademischer Fortschritt interessiert: ich höre Hacker und Schroeder zu Wittgenstein, abgerundet mit einer kleinen Prise epistemology bei Cassam (Understanding Human Knowledge). Hier sei angemerkt, dass "hören", gerade was Hacker angeht, nicht "verstehen" bedeutet.
Soviel für heute. Vergesst nicht, die neuen Fotos anzusehen.
(Bild: Toby Ord/Wikimedia Commons)
Am Dienstag kam Hr. Brunotte, mein Kommilitone aus München, nach Oxford, und wir labten uns an einem Guinness "extra cold" (also normal-warm) im King’s Arms. Am Mittwoch hatten wir unsere erste mehr-oder-weniger-formal hall, also: Candlelight-Dinner in HP-mäßigem Esssaal, "No jeans and no trainers, please". Das Essen war, trotz chronischer Unter-Würzung, genießbar, und man wurde so richtig bedient!
Am Donnerstag ging es dann in einen coolen Jazz-Club namens "The Spin" mit Live-Musik (tja, Tobi, man kann in Ox auch stilvoll ausgehen! Teppichboden ist allerdings nicht vermeidbar).
Am Freitag war in der JCR-Bar Karaoke-Abend, aber nicht genug der Stimmungs-Mache: Die jungen Briten lockerten sich zunächst mit amüsanten Trinkspielen á la Besoffene Studenten auf. Dabei versucht jeder der 2-6 Kombattanten, sein alcopop-haltiges, strohhalmbestücktes Fläschlein nach hurtiger Leerung schnellstmöglich in eine Tonne zu werfen. Der Sieger erhält ausser Rum Ruhm und Ehre auch den Inhalt des geleerten Fläschleins, falls er diesen behalten kann. So wird hierzulande Recycling populär gemacht, nicht etwa mit Lachnummern wie Dosenpfand o.ä.!
Später, im MCR, war der Alkoholpegel nicht viel niedriger, dafür waren aber auch Dozenten anwesend, die die intellektuelle Tiefe der Gespräche überwachten. Ja, ansonsten halt eine Monster-Induction-Week, jeden Tag ungefähr 5 Einführungen in irgendwas, medical registration, damit nicht eins der Chineserl an Sars daherbringt…und natürlich Potter-Lektüre, wie ihr seht, bin ich schon recht weit.
Ah, einige von euch scheinen sich ja um meine Studienfortschritt zu sorgen (Michael, Mama)…ich muss am 22.Oktober meinen ersten Essay zu Wittgensteins Tractatus Logico-Philosophicus abgeben und soll diese Woche entscheiden, welche Vorlesungen ich machen werde. Darunter auf jeden Fall die von P.M.S.Hacker zu Wittgenstein. Bis jetzt nicht viel Gutes über seinem Charakter gehört, da passen doch die Initialen!

Endlich, Vio: ich lese "HP 5"
