Oxford Dispatch: Quasi-Koloniale Kürbisküche

Der afghanische Emir Sher Ali mit seinen "Freunden" Russland und Großbritannien (1878)  – (Wikimedia Commons)

Eine weitere köstliche Art, Kürbis zuzubereiten, ist Kaddo Bowrani. Diese afghanische Spezialität ist insofern auch für einen Oxford Dispatch geeignet, als Afghanistan einst unter britischem Einfluss stand (s. Abb.), und man auch heute wieder, leider auf unschöne Weise, mit diesem Land in Kontakt tritt. Afghanistan hat aber beileibe auch anderes zu bieten als Taliban und Tote-Ziegen-Polo.

Der Kürbis (ich habe einen Butternut verwendet, Hokkaido wäre aber vermutlich sogar noch besser) wird geschält und in große Würfel geschnitten und in einer Pfanne in Öl sehr heiß von allen Seiten angebraten und gebräunt (ca. 5 Minuten). Dann gibt man ihn mit einer sehr großzügigen Menge Zimtzucker in eine Flache Metallform in den Ofen, wo er für ca. 30 Minuten gebacken wird (im Originalrezept steht, man soll ihn dazu zudecken, fand ich aber doof und habe ihn offen backen lassen…eine Temperatur wird nicht angegeben, ich habe es bei 170° gemacht). Währenddessen macht man eine einfache Hackfleischsoße,  die ich – wiederum entgegen Rezeptangaben – nicht nur mit Pfeffer und Salz, sondern auch mit Thymian gewürzt habe, und eine Joghurtsauce (möglichst ein dicker griechischer oder türkischer Joghurt, Knoblauch, Pfeffer und wenig Salz). Man gibt auf den Teller Joghurtsauce, dann ein paar Kürbisstücke und schließlich die Fleischsauce. Als Beilage eignen sich Reis, Bulgur oder Brot. Das Rezept klingt zugegebenermaßen etwas frugal, ist aber – durch die unterschiedlichen Konsistenzen und harmonisierende Säure und Süße der verwendeten Zutaten – ein geschmacklich erfrischendes und gleichzeitig von innen wärmendes Herbstgericht, das jeder Kürbisfreund einmal ausprobieren sollte.

Für die Nichtköche bzw. Kürbishasser unter meinen Lesern hier zumindest noch ein Video vom afghanischen Elvis Ahmad Zahir mit einer extravaganten Version von "Now or Never". 

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