Die zukünftige Geistige Spitze der Gesellschaft

Ich persönlich freue mich ja immer, wenn ich von meiner Alma Mater zugespammt werde  interessante Informationen zugesandt bekomme. Ihr kennt das vielleicht, wenn ihr euch in einem Anfall geistiger Umnachtung auch mal so ne "Campus-LMU"-Adresse zugelegt hab: da sind so nützliche und vor allem zielgruppenpräzise Sachen dabei wie

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Ich für meinen Teil, liebe Leser,wüsste nicht, wie ich ohne diese Informationen meinen straff organisierten Uni-Alltag gestalten sollte. Heute kam der Hinweis, dass morgen der "Konvent der Fachschaften" – anscheinend eine neue Organisation zur Studentenvertretung – tagt. Neugierig wie ich bin, hab ich natürlich sofort auf den angehängten Link (pdf) geklickt. Schließlich geht es um die Vertretung meiner Interessen!
Als erster Punkt wird verzeichnet, dass die Studierendenvertreter 20 Laptops bekommen, inklusive UMTS-Karten. Eine Homepage wird geplant, eine Sekretärin eingestellt. Alles in meinem Sinne, schließlich kümmern die Herrschaften sich ja um den reibungslosen und interessengemäßen Ablauf der Lehre! Ich bin gespannt auf die in diese Richtung geplanten Initiativen. Schließlich gäbe es da so manches zu verbessern. Nun kommen aber erstmal zwei Antifa-Anträge (Teilnahme an Demonstrationen, eine für Grundrechte, eine gegen Gebirgsjäger) dran. Dann kommen einige Seiten mit sage und schreibe 27 Logo-Vorschlägen. Kreative Menschen, das ist gut (vermutlich waren die alle beim IdeenJam!). Jetzt aber kommt das Inhaltliche, die Spannung steigt: Vorschläge zur Gleichstellung, inklusive einem "Knappen Überblick über den Feminismus". Äh, kommen wir etwas vom Thema ab? Geschlechtergerechtes Formulieren. Meinetwegen. Über Mag.a als weibliche Form des Magisters müssen wir nochmal reden, aber gut. Jetzt kommt aber was Relevantes: Verwendung von Studiengebühren. Im Gegensatz zum Genderthema ist da noch nicht so viel Ihnaltliches da, ist aber auch schwierig. Halbe Seite reicht. Außerdem sind Studiengebühren doof. Drangehängt ist dann die alte Forderung nach einer "verfassten Studentenschaft" (mehr Kompetenzen, mehr Geld). Als letzter Punkt kommt dieser Satz:

Studierendenvertretungen sind traditionell ein wichtiges Element der außerparlamentarischen politischen Landschaft. Sie vertreten die zukünftige Geistige Spitze der Gesellschaft. Aus diesem Grund darf und muss die Studierendenvertretung sich auch zu allgemeinpolitischen Themen äußern dürfen.

Moment mal. Antifa: Gerne. Genderzeug: her damit. Feminismus: geil. Meinetwegen könnt ihr mit Euren UMTS-Karten rumsurfen, was das Zeug hält, und jede Woche eine Erklärung zur Lage der Welt veröffentlichen. Aber wenn jemand die Gruppe, die er selbst vertritt (und der ich zufällig auch noch angehöre), allen Ernstes als zukünftige Geistige Spitze der Gesellschaft bezeichnet, ist bei Cohu Schluss, aus, Nikolaus. Sowas gehört doch Exmatrikuliert. Gibt es keinen Anstand mehr?

Da auf mich erfahrungsgemäß aber eh niemand hört, hab ich sicherheitshalber auch noch ein dementsprechendes Logo für die StudierendenvertreterInnen gebastelt. So nen Spruch soll man schließlich nicht irgendwo in Grundsatzpapieren verstecken, sondern gleich ins Zentrum des Brandings stellen ("Die Linke" hat das ja beispielhaft vorgemacht). Also Bitteschön:


P.S. Ach ja, ein ganz zentraler Tagesordnungspunkt dieser ersten Sitzung scheint auch noch zu sein: "Diskussion zur Befreiung von StudierendenvertreterInnen von Studiengebühren". Damit dürfte sich dann, in bester demokratischer Tradition, die Studentenvertretung wenigstens für eine Gruppe ganz deutlich lohnen: die Studentenvertreter.

2 Responses to “Die zukünftige Geistige Spitze der Gesellschaft”

  1. mars Says:

    und das ist nur die, äh, spitze des, äh, eisberges! äh!

  2. mars Says:

    achja: oh, lecker, weißwurst! wieso nicht?


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