Vater, Mutter, Hund

Ob im System Blondie-Adolf alles in Ordnung war?

Hundepsychologen sind ja nichts mehr, was einen aufgeklärten Großstadtbewohner in Erstaunen versetzt. Auch das Verfahren der "Familienaufstellung" ist – insbesondere durch den unseligen Herrn Hellinger – in unseren psychologisierten Breiten inzwischen ein geläufiger Begriff: meist im Rahmen von Wochenendseminaren wählt jeweils der Aufstellende andere Gruppenmitglieder und weist ihnen – stellvertretend für die Mitglieder seiner Familie – einen räumlichen Platz zu. Der Gestellte soll dann, nach einigem Brimborium, genau die Gefühle empfinden wie das Familienmitglied, das er darstellt ("repräsentierende Wahrnehmung"). So werden Verstrickungen im Familiensystem zumindest erkannt – wenn man gleich an einen Guru wie Hellinger gerät, auch sogleich geheilt.
Da auch geniale Kreativität manchmal auf schlichter Rekombination von Altem beruht, ist die Idee der Familienaufstellung für Hunde zwar naheliegend, aber doch von sozialer Sprengkraft: durch die systemische Aufstellung der Familie unter Einbeziehung des Hundes wird nicht der verhaltensauffällige Hund zur, äh, Sau gemacht, sondern vielmehr der Grund für sein Bellen, Beißen und Sch…rankwandankratzen im "System Mensch-Hund" gesucht. Noch einen entscheidenden Vorteil für den ungezogenen Köter hat die Methode:

"Der Hund ist bei der Aufstellung nicht dabei. Stellvertretend für ihn stellen sie eine Person aus dem Teilnehmerkreis auf. Dieser Stellvertreter nimmt das Befinden ihres Hundes mit seinen Gedanken wahr und kann sie auch aussprechen."

Und wenn Herrchen und Frauchen dann nach einigen Stunden von der Familienaufstellung wiederkommen, wissen sie wenigstens, warum du währenddessen drei Paar rahmengenähte Schuhe zerkaut, auf den Perserteppich gekackt, die Yuccapalme auf dem Wohnzimmerteppich verteilt, eine Packung Kekse (mit Teilen der Schachtel) gefressen, aus der Kloschüssel getrunken und auf die Türmatte gekotzt hast. Ach, Hund müsste man sein!

(Bild: Wikimedia Commons)

3 Responses to “Vater, Mutter, Hund”

  1. Wolf Says:

    Ich glaub, mein Schwein pfeift… Ein Grund mehr für einen allgemeinen Hundeführerschein. Obwohl ich ja eigentlich dagegen bin, dass man für alles und jedes ein Papier braucht, aber dass jeder Irre Kinder und Tiere misshandeln und esoterisieren kann, wenn es bloß seine eigenen sind, ist doch auch kein Zustand…

  2. cohu Says:

    Diese Aufstellungssachen sind in der Tat ziemlich obskur, wenn man sich allerdings die hier (Achtung pdf) beschriebenen Fälle anschaut, kommt mir das gar nicht sooo absurd vor, abgesehen von dem Psycho- und Eso-geschwafel drumrum. Also, jedenfalls besser als den schwierigen Hund einfach ins Tierheim abzuschieben…

  3. Volker.Hepp@Web.de Says:

    Oder man vertraut sich (=auch Herrchen oder Frauchen, aber mit Hund) einem Hundetrainer/in an. Hilf manchmal ungeahnt weiter. Aufstellungen können gut sein, Pragmatismus ist aber sicherlich die erste Wahl…


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