…also, irgendwie zickt hier die Kommentarfunktion ganz schön rum. Ich werd
mal versuchen, das zu beheben! IT, hilf!
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Erstaunlich, was es für
Stipendien an der LMU gibt:
Franz von Holtzendorff’sche Stiftung Unterstützung würdiger, armer
deutscher Studenten in den Hauptfächern Völkerrecht, Strafprozeßrecht und
GefängniswesenOberregierungsrat Dr. Hermann Köstlbacher Stipendienfonds
Gewährung von Stipendien zugunsten von ein bis zwei Studierenden der
Tierärztlichen Fakultät unter Bevorzugung von Mitgliedern der Burschenschaft
AllemaniaNachlass Eugenie Przemysler-Przemyslav Förderung bedürftiger und
würdiger, ordentlicher Studierender, Doktoranden oder Habilitanden der
Naturwissenschaftlichen Fakultät, Fachrichtung Physik
Besonders gut gefallen mir:
Nachlass Eva Maria Schleip Die Erträgnisse sind für
Studienbeihilfen an christlich erzogene und bedürftige evangelische und
katholische Studenten, die gutbürgerlichen Familien entstammen, zu
verwenden.
Rosa-Schneider-Stiftung selbstlose finanzielle Unterstützung
bedürftiger und würdiger Söhne oder Töchter bayerischer Ärzte, die an einer
Fakultät der LMU eingeschrieben sindhilfsweise können auch andere bedürftige
und würdige Studierende der medizinischen Fakultät aus Bayern mit
Studienhilfen bedacht werden
Wer braucht am dringendsten finanzielle Unterstützung? Klar: Kinder aus
gutbürgerlichen- und Arztfamilien ("Dass da nicht noch am Schluss so ein
Arbeiterkind auf meine Kosten die Klassenschranken sprengt, gell! Sonst spend
ich's doch der Katzenhilfe!")
In ihrer ansonsten schönen Serie "Die Zukunft des Kapitalismus" druckt die ZEIT diese Woche einen Artikel ab, bei dessen Lektüre ich nicht weiß, ob ich lachen, weinen, laut kreischend mit dem Kopf gegen die Wand rennen oder erstmal einen Schnaps trinken soll. Ich glaube fast, Ludger Lütkehaus wird mein neuer Liebling, gleich nach Peter Hahne! Zur Annäherung empfehle auch die Lektüre dieses Buches.
Der Artikel ist natürlich stilistisch brillant (Schluss bezieht sich auf Einleitung! Grandiose Metaphern! Ein Sprachfluss wie im kontinentalphilosophischen Hauptseminar!) und eingebettet in Sartre-Referenzen. Da kennt die Originalität der Feuilletonisten zur Zeit keine Grenzen. Gibt es eigentlich eine Sartre-Textbausteine-Extension für Word? Oder schreibt der moderne Antikapitalist eher in LaTex?
Inhaltlich ist Lütkehaus’ zentrale Aussage, dass der Kapitalismus notwendigerweise zu Überproduktion führt (?!), die dann wiederum Ekel Sartre’scher Dimensionen beim Menschen auslöst, Zitat:
"Die Überflussgesellschaften der global kommerzialisierten Welt sind das Endprodukt jener zwanghaften Logik der Steigerung, der die kapitalistische Ökonomie unter allen Umständen folgt. Ihre Produktion terminiert stets in Überproduktion, der warenförmigen Überbevölkerung der Welt."
Wer jetzt die typischen Anzeichen für innere Blutungen an sich feststellen kann, die manchmal bei Über- und Fehlstrapazierung des kognitiven Systems auftreten, sollte nicht weiterlesen! Lütkehaus verweist – wohlgemerkt, um seine These vom bösen bösen Kapitalismus zu stützen, auf die EU-Agrar-Überproduktion und Vernichtungsaktionen.
"Gründlichere Formen der Entsorgung des Zuviel sind unter diesen Umständen gefragt. Die EU-subventionierte Agrarindustrie ist ihre Avantgarde. Mit der unmittelbaren Produktvernichtung überspringt sie gleich das prinzipiell überflüssige Stadium des Konsums von Überflüssigem. Ohne das Ritardando irgendeines Gebrauchs und Nutzens wandert die Ware unverzüglich auf jene Müllhalden, die die Friedhöfe des Zuviel sind."
Ich rekapituliere: Kapitalismus (damit meint er wohl freie Marktwirtschaft im Gegensatz zur Planwirtschaft) führt notwendigerweise zu Überproduktion! Diese Überproduktion ist irgendwie schlimm und stürzt die Gesellschaft/den Markt/den Autor in eine tiefe persönliche/spirituelle/ökonomische Krise! Beweis für Thesen: planwirtschaftliche, protektionistische Systeme wie die EU-Argrar-Steuerung bringen Überproduktion hervor, nicht nachgefragte Produkte müssen perverserweise weggeworfen werden. Hm. An diesem Punkt merkt Lütkehaus anscheinend, dass das irgendwie, also jetzt so als Argument gegen den freien Markt, nicht funktioniert, und stürzt sich auf die Übel des technischen Fortschritts als "ökonomisch ergiebigere Form der Entsorgung des Zuviel", und schließlich auf die "allgegenwärtige Reklame", die ja bekanntlich den armen Konsumenten dazu bringt, Dinge zu kaufen, die er gar nicht will und gar nicht braucht und die ihn ach so unglücklich machen, an denen er sich überfrisst und übersäuft und die ihn schließlich dazu bringen, sich vor sich selbst zu ekeln. Puh! Menschen, die nicht in unserer kommerzialisierten Überflussgesellschaft leben, sollten froh sein, dass sie nicht zu so ekligem Konsum gezwungen werden, dass sie jeden Tag 12 Stunden arbeiten müssen, um ihre (vollkommen ausreichende!) Hand voll Reis zu ergattern, und dass sie vor technischem Fortschritt, Reklame, und letztlich auch vor der Lektüre schwafeliger Autoren wie Lütkehaus bewahrt bleiben. Gäbe es sie noch, würde man dem Autor gerne zurufen: "Geh doch in die Zone!", so bleibt aber nur die Aufforderung an ihn, in einen Plattenbau zu ziehen, sich ‘nen Tisch zu kaufen etc. (Leser des SZ-Magazins werden sich erinnern).
Na, wer hätte das gedacht. Kaum wird der Heilige-in-spe JP II vor seinen Schöpfer gerufen, schon bricht in der katholischen Kirche eine Revolution los, und zwar im wortwörtlichen Sinne der Rückentwicklung. Ja, jetzt ist es nämlich am Ende so, dass die Evolutionstheorie mit dem katholischen Glauben gar nicht in Einklang steht! Wojtyla wurde diesbezüglich immer falsch verstanden, meint Kardinal Christoph Schönborn in der NY Times. Hier könnt ihr euch von diesem Ösi ausführlich die Welt erklären lassen, wenn euch danach ist. Auch Benedikt hält nichts von der Evolution (also der Papst jetzt, beim Schmalzgruber weiß ichs nicht, da frag ich lieber nicht nach). Elegant und überzeugend finde ich, wie die Internationale Theologische Kommission, der Ratze vorsaß, argumentiert:
"An unguided evolutionary process – one that falls outside the bounds of divine providence – simply cannot exist."
Ah so! Also jetzt halt unter der Prämisse, dass es Gott gibt – eh klar. Nun gibt es für den aufrechten Katholiken keine andere Möglichkeit, als Kreationist zu werden und sich damit vollends der Lächerlichkeit preis zu geben (oder das hier).
(Bild: Wikipedia Commons, Karikatur aus dem Hornet Magazine von 1871)
Seit unserem Besuch bei der “Landshuter Hochzeit”, einer in meiner “Heimatstadt” höchst angesehenen und über alle Kritik erhabenen Veranstaltung, stelle ich mir ständig die Frage: gab’s das auch unter den Nazis? Meine historische Neugier (Altgier?) wurde noch weiter entflammt, als ich in der SZ las, der Gruß “Halloooo!”, der beim Umzug so gerne gerufen wird, habe sich erst in den 60er Jahren, von den Armbrustschützen ausgehend, auf der Hochzeit verbreitet. Hmmmm, was man wohl so in den späten 30ern gerufen hat? Zeitzeugen – die sich unter den Lesern meines Blogs sicher zahlreich finden werden – bitte vortreten: ich habe im Internetz (auf dessen Wellen ich ja sonst surfe wie eine hawaiianische Amazone!) keine Antwort auf diese Fragen finden können.
Schon 1903 wurde das Fest erstmals veranstaltet und bis weit in die 30er Jahre nicht ausgesetzt (siehe Plakat). Die offizielle Website lobt nun beispielsweise, wie sehr die Hochzeit die “Integration der Bürgerschaft” vorantrieb. Na, da fragt man sich doch, wer da so alles integriert wurde und wer nicht?
Unglücklicherweise hatte die integrationsfreudige Landshuter Gesellschaft wohl gar nicht die Möglichkeit, etwa Menschen jüdischen Glaubens zu integrieren, da die Jüdische Gemeinde Landshuts bereits vor einigen Jahrhunderten…äh…verschwunden war. Hier habe ich nun zumindest mal einen Zusammenhang zwischen Antisemitismus und “Landshuter Hochzeit” feststellen können, denn wenn mein ehem. Religionslehrer (!) Rupert Pfeiffer Recht hat, war es so:
“1450 wurden wie gesagt die Juden aus Landshut vertrieben. Ihr Geld bzw. Vermögen hat wahrscheinlich die Schatztruhen von Herzog Ludwig dem Reichen gefüllt (1450 bestieg er den Thron des Herzogstums). 1475 konnte er somit für seinen Sohn Georg die Landshuter Hochzeit für umgerechnet 25 Millionen Mark ausrichten.”
(manche haben ja
Zeitverschiebung): Tom
Cruise bei Oprah.
..über die Geschichte des Vibrators (!) wissen wolltet, aber nie zu fragen wagtet, findet ihr bei Slate (sfw).
“Zeit ist Zeit. Ist Einheit für Gemütlichkeit. Wäre Gemütlichkeit dreitausendsechshundert Sekunden in Zeit, für wieviel Gemütlichkeit bliebe dann Zeit? Zeit plus Zeit ist mehr Zeit. Brot plus Zeit ist Brotzeit. Zeit mal Zeit ist Mahlzeit. Der Maikäfer dreht um den Tisch eine Runde, Du weist nicht das Jahr, Du kennst nicht die Stunde. Die Kastanie im Biergarten blüht, freue dich, Du bist auf erdbebensicherem Gebiet. Das ist die Wurzel aus Zeit. Das ist per Saldo – Gemütlichkeit.”
Ja, und wer steht mal wieder im krassesten Kontrast zu unserer Alkohol-Hochkultur? Der Engländer hat doch jetzt tatsächlich ein Bier entwickelt, das Koffein enthält – eine flüssige contradictio in adjecto! Da kann sich doch die angestrebte Tranquilität gar nicht entwickeln. Ts.