Arm, und nicht mehr so sexy.

Das Deutsche Museum, einst Stolz der Münchner und Quelle unvergesslicher Kindheitserinnerungen (zumindest bei Cohu), übrigens sogar das größte Naturwissenschafts-Museum der Welt, ist inzwischen anscheinend derart unterfinanziert, dass z.B. in der Physikabteilung  (die Cohu heute besuchte) fast schon ein Viertel der Exponate "vorrübergehend außer Betrieb", der Rest in sichtbar schlechten Zustand ist. Für die Kultur ist anscheinend wesentlich mehr da, wenn man sich den anhaltenden Bauwahn im Kunstareal so anschaut. Ja, und da wundert man sich dann, wenn die Söhne (und vor allem auch Töchter) am Schluss halt lieber Kunstgeschichte, Germanistik oder Altphilologie studieren, als sich den Naturwissenschaften zuzuwenden…

(Bild: Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Wahre Fettheit kommt von innen

Die Britische Wissenschaft hat festgestellt: auch dünne Leute können dick sein. So kann sich im Innenraum äußerlich hagerer Gestalten eine Fettmasse um die Organe legen, was zu gesteigerten Krankheitsrisiken führt, die man eigentlich nur bei Übergewichtigen annehmen würde. Die Betroffenen heißen "TOFIs" (Thin outside, fat inside) – und es gibt sie sogar in den Reihen professioneller Models. Nimm das, Haas, es gibt Buttermutter und Rippenmädchen also sogar in einer Person! Das Gegenstück dazu sind dann wohl die Sumoringer: äußerlich fett, aber ohne größeres Gesundheitsrisiko, da der Schwabbel unter der Haut, nicht um die Organe herum gelagert wird. Der Normal-Dicke ist das leider sowohl innen als auch außen, somit auch hier keine Entwarnung für die Obesity Epidemic.
Cohu wartet jetzt eigentlich nur noch auf eine Diät oder ein Trainingsprogramm, das dazu führt, dass man gezielt innerlich abnimmt, ohne angenehme Rundungen einbüßen zu müssen – Milz, Leber, Herz statt Bauch, Beine, Po sozusagen.

Kunstrasen

 Alles von selbst gewachsen, ich schwör!
(Bild: Wikimedia Commons)

Danke, Weltenweiser, für den Link zum INSM-Watchblog. Die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" ist mir auch schon – aufgrund ihrer Undurchschaubarkeit und seltsamen Werbekampagnen – aufgefallen. Im Englischen gibt es für die Praxis des Einrichtens von  PR- bzw. Lobby-Organisationen, die versuchen, nach spontanen "Bewegungen von unten" auszusehen, den schönen Namen "Astroturfing" (von "Grassroots"=Graswurzeln und Astroturf = Kunstrasen). Da haben also der Arbeitgeberverband Gesamtmetall und einige andere Interessenvertreter der "deutschen Eliten" eine große PR-Kampagne inszeniert, einen feinen Kunstrasen ausgerollt – und Zeitungen entblöden sich nicht, mit diesem Verein "Medienpartnerschaften" einzugehen, das Fernsehen lässt sich von ihnen Experten zur Verfügung stellen, und die Kleinen werden durch Veranstaltungen der "Kinderuniversität" indoktriniert.

Traurig sind diese Vorgänge insbesondere, weil der Liberalismus (der in Deutschland eh schon am Boden liegt, eben weil er nur von Lobbyisten und als Interessenpolitik von Wohlhabenden vertreten wird!) eine solche schäbige Propaganda nicht nötig und nicht verdient hat. Warum muss man sich z.B. unter dem abgewetzten Deckmäntelchen des Begriffs "soziale Marktwirtschaft" verbergen, der schon zu Adenauers Zeiten schamhaft über den freien Markt gebreitet werden musste, auf dass der Deutsche sich nicht erschreckt vor der unsichtbaren Hand? Naja, damals hatte das seine Berechtigung: mit dem "sozial" konnte man zumindest noch die Durchsetzung von Nachkriegs-Sozialismus á la Ahlener Programm verhindern. Aber entspricht die Methode einer "Erziehung" zu Reformwillen und Eigenverantwortlichkeit dem Liberalismus? Sorry: wenn man die Leute behandelt, als wären sie kleine, dumme Kinder, denen man erstmal erklären muss, wie’s wirklich läuft (und zwar, ohne klar zu sagen, was man will, nämlich Sozialabbau, Sozialabbau, Sozialabbau), dann werden sie sich auch weiterhin verhalten wie kleine, dumme Kinder, und in jeder Lebenskrise auf Vater Staat und die warme, kuschelige "soziale" Marktwirtschaft vertrauen. Liberalismus ist nicht durch Propaganda zu verbreiten, sondern dadurch, dass die Herrschaften ihr Geld in die freie Marktwirtschaft investieren, die es eben besser versteht, Arbeitsplätze und Wohlstand zu schaffen, als der Staat.
Also, zumindest ein Trost für meine nicht-liberal gesinnten Leser, die sich jetzt diese schamlose Propaganda meinerseits durchlesen mussten: insgesamt wird die INSM dem Neoliberalismus mehr schaden als nützen. So, und jetzt ab mit Euch zum G8-Protest!

Ab jetzt nur noch Magermilch!

 Was haben wir denn da?
(Bild: Deutsche Saatveredelung)

Die Bundesregierung, allen voran der vielgeliebte Herr Seehofer (siehe Detail-Abb.), sollte sich vielleicht mal diesen Artikel durchlesen, bevor die Herrschaften meinen, mit Appellen und Aktionen dem Deutschen das "Übergewicht" austreiben zu müssen bzw. zu können. Das Gewicht ist ein Faktor, der stärker genetisch determiniert ist als fast alles andere (z.B. Brustkrebsanfälligkeit, Größe, psychische – und Herzerkrankungen). Klar, man kann das Gewicht beeinflussen – aber für jemanden, der die Veranlagung zum Dickwerden geerbt hat (wie anscheinend auch unser guter Horst) bedeutet das ein ständiges Ankämpfen gegen natürliche Veranlagung. Um den Ernährungswissenschaftler Jeffrey Friedman zu zitieren:

“Those who doubt the power of basic drives, however, might note that although one can hold one’s breath, this conscious act is soon overcome by the compulsion to breathe, (…) The feeling of hunger is intense and, if not as potent as the drive to breathe, is probably no less powerful than the drive to drink when one is thirsty. This is the feeling the obese must resist after they have lost a significant amount of weight.” (NYT)

Das ganze wird noch dadurch verstärkt, dass die Standards für "Übergewicht" ständig verändert werden. Warum sind heute angeblich 60% bis 75% (!) der Männer übergewichtig? Hauptsächlich, weil man unter "übergewichtig" inzwischen langsam alles versteht, was nicht Men’s Health (bzw. Hungerhaken-) Niveau entspricht. Und jetzt mal ganz abgesehen davon, dass ich den "Aktionsplan" für eine Anmaßung, eine unzulässige Einmischung in persönliche Angelegenheiten der Bürger und, nicht zuletzt, eine enorme Verschwendung von Steuergeldern halte, abgesehen davon, dass Diäten ungesund und auch die Fixierung von Kindern auf Nährwerte und Gewicht unverantwortlich und angesichts der schon bei neunjährigen Mädchen einsetzenden Essstörungen bis hin zur Unterernährung und psychischen Dauerschädigung lebensgefährlich sind: es ist schon interessant. Bei ganz vielen ungünstigen Verhaltensweisen hat man inzwischen eingesehen, dass Appelle an die Selbstdisziplin wenig helfen: man sagt heute dem Alkoholiker nicht mehr "Na dann trink halt einfach nix mehr!". Dem Depressiven erspart man (zumindest meistens) den Rat "Reiß dich halt zusammen"! Aber bei jemandem, der gegen eine ganz enorme Kraft zu kämpfen hat – nämlich Hunger oder Appetit, oder auch eine ganz enorme Abneigung gegen Sport – meint man, der Appell "Ernähre dich halt einfach richtig!", "Krieg doch mal den Arsch hoch!" würde irgendwas bringen, außer, dem Betroffenen Schuldgefühle einzureden, die die Lage noch schwieriger machen. Ich bin gespannt, wann man darauf kommt, dass es so einfach nicht ist. Die Idee mit dem Ernährungsunterricht finde ich allerdings eine Gute – wenn das mal nur nicht darauf rausläuft, dass man schon als Kleinkind Kalorien- und Fettpunkte zählen lernt…

Coole Sache

 Ab jetzt nur noch safer sex.

…also äh, es sei denn, man ist eine Maus: spezielle Mäuse können jetzt mit HIV angesteckt werden, was die Erforschung der Ansteckungswege erleichtert und auch bei der Suche nach einem HIV-Impfstoff ziemlich hilfreich sein könnte. Bis jetzt ging das Infizieren nämlich nur bei Primaten, und die fallen für Tests entweder aus ethischen Gründen aus (Homo sapiens) oder sind sehr teuer und kompliziert zu halten bzw. zu reproduzieren (Makaken), letztere bekommen außerdem nur einen Virus namens SIV, der sich von HIV unterscheidet.
 Texanische Wissenschaftler haben also jetzt Mäuse mit einem menschlichen Immunsystem ausgestattet, indem sie Leber- und Thymusdrüsenzellen aus menschlichen Föten, Rückenmarkszellen sowie menschliche Stammzellen in Mäuse eingepflanzt haben, die ohne Immunsystem geboren wurden (das kriegt man wohl mit Genmanipulation hin). Die Viecher waren also Maus-Mensch-Chimären. Und haben dann, nach gelungener Ansteckung, sogar menschliche HIV-Antikörper entwickelt!
(In Deutschland wär das vermutlich alles illegal, also don’t try this at home, liebe Kinder!).
Was die weitere Forschungstätigkeit betrifft: ein Fokus liegt natürlich auf der Frage, wie Ansteckung vermieden werden kann. In diesem Zusammenhang darf ich darauf hinweisen, dass Mäusen-Gummis-Anziehen vielleicht noch ein wenig schwieriger ist als Mäuse-Melken (letzteres hat die Wissenschaft im Rahmen der Malariaforschung schon in den Griff gekriegt!)

(Bild: Wikimedia Commons)

Beförderung

Der gute alte Uncle Ben von "Uncle Ben’s", bekannt für einen relativ geschmacksarmen und schneeweißen amerikanischen "Parboiled"-Reis, ist jetzt aus Marketinggründen plötzlich kein "Onkel" mehr, sondern CEO. Sein Büro, das unter dem Motto "Ben knows best" steht, kann man hier besichtigen. Der "wirkliche" Uncle Ben war angeblich ein "afroamerikanischer Reisbauer, der seinen Reis mit so großer Sorgfalt erntete, dass er immer wieder für die hohe Qualität seiner Reiskörner ausgezeichnet wurde. Mit der Zeit wurde er in und rund um Houston berühmt dafür, jedes Jahr den Reis mit der höchsten Qualität zu produzieren."  (Deutsche Seite von "Uncle Ben’s")
Die Darstellung auf der Reispackung – mit gestärktem Hemd und Fliege – erinnerte allerdings eher an einen Plantagendiener bzw. -butler. Und das "Uncle" hört sich zwar nett an, war aber wohl ehemals deshalb als Anrede für Schwarze verbreitet, weil man sich weigerte, sie als Mr. oder Mrs. anszureden…auch keine so schöne Geschichte.
Naja, aber jetzt ist der gute Ben (wenn auch immer noch ohne Nachnamen!) zum Boss aufgestiegen. Allerdings nur in den USA – bei uns bleibt er "Reisbauer", und zwar mit dem Zusatz "afroamerikanisch", damit es nicht zu Verwechslungen kommt. Markenbildung. Und die funktioniert, wie der Shopblogger zu berichten weiß…

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Neutral und zufällig

Lobenswert und zeitgemäß ist, dass die NZZ bei ihrem Probeabo-Formular auch die Möglichkeit "Neutral" einräumt (wenn es auch sicher Menschen gibt, die weder Mann, noch Frau, noch "Neutral" sind).
Weniger schön ist, dass die NZZler auf die Angabe einer Telefonnummer bestehen. Tröstlich in diesem Zusammenhang, dass selbst ein mathematisch unbegabte Mensch zufällige Zahlenfolgen in Sekundenbruchteilen generieren kann, was ja gar nicht so einfach ist!

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Glücklich ist, wer vergisst, dass Statistik schwierig ist

Gestern hatte Cohu die Ehre und das Vergnügen, im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Siemens-Stiftung einem Vortrag des sehr sympathischen und (hörbar) schweizer Ökonomen Bruno S. Frey zum Thema "Glück – was sagt der Ökonom dazu?" beizuwohnen. Damit Ihr, die Ihr von den atemberaubenden Ergebnissen der ökonomischen Glückswissenschaft bis jetzt nix mitgekriegt habt, eine Vorstellung davon bekommt, welch bahnbrechende Arbeit auf diesem Gebiet geleistet wird, hier mal einige interessante Zusammenhänge:
– Leute, die in Ländern mit höherem GDP und freiheitlichen politischen Systemen leben, sind durchschnittlich gesehen glücklicher als Menschen aus hungergebeutelten Terrorregimes
– Gesunde Leute sind glücklicher als Kranke
– Mehr Geld macht erstmal glücklicher (wenn ein sehr niedriges Einkommen sich erhöht), dann aber (nach Gewöhnung oder bei schon sehr hohem Standard) keinen großen Unterschied mehr
Und, für mich die größte und tiefgreifendste Erkenntnis des Abends:

Glückliche Leute begehen weniger Selbstmorde.

P.S. Weniger snarky gehts jetzt leider nicht, wenn dieser Herr Ökonom schon der Meinung ist, sich über die Philosophie lustig machen zu müssen, weil sie in 5000 Jahren "doch zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen gekommen ist", was die Frage nach dem Glück angeht. Genuin komplexe Fragen mit der Brechstange einfach zu beantworten (etwa, indem man jeden Zweifel an der Messbarkeit des Glücks mit empiristischer Überheblichkeit wegwischt)  ist halt  – das muss man sich von den Philosophen leider sagen lassen – auch keine Lösung.
P.P.S.: Irgendwie schwebte bei jeder dieser Studien das cum hoc ergo propter hoc störend im Raum. Eine Ausführung darüber, wie und mit welcher Autorität man von Korrelationen (z.B. bei Menschen, bei denen man viele soziale Kontakte feststellt, stellt man durchschnittlich eine hohe Lebenszufriedenheit fest) auf Kausalitäten (machen Freunde glücklich oder ziehen Glückliche Freunde an, oder beides, oder keins von beiden?) schließen kann, hätte Cohu sehr glücklich gemacht. Wo wird die Regressionsanalyse so erklärt, dass Cohu sie versteht?

(Bild: Wikimedia Commons, Eduard von Grützner: Fallstaff, 1921)

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Kruzinesn!

Jetzt hab ich schon wieder die Auer Dult verpasst. Da war ich überhaupt noch nie, obwohl ich mir ganz sicher bin, dass ich sie super fände. Erst im Juli gibts wieder eine. Wenigstens hab ich neulich noch die Landshuter Frühjahrsdult (auch bekannt als Gschwerlfest) überquert, das muss jetzt an Volkstümlichkeit halt erstmal genügen.

(Für norddeutsche Leser:
Kruzinesn = Beim Gekreuzigten!
Dult = Kirmes, Jahrmarkt
Gschwerl = Sozial Schwache, siehe auch Begriffserklärung des Tagesspiegels)

Kostbares Nass

Im Lokal "Kranz" (Qype) in der Klenzestraße Hans-Sachs-Straße (fragt mich nicht, wie es mich dahin verschlagen hat, eigenlich ist mir das viel zu ‘gschleckt) gibt es einen sehr guten Orangenkuchen. Und "Lebendiges Wasser." Jetzt mal ehrlich: ich mag mein Wasser ganz, ganz tot. Aber lebendig reicht nicht, für die … ja für wen eigentlich, für die synodisch-periodisch Fixierten? Werwölfe?… also vermutlich einfach für die, die zuviel Geld haben, gibt’s das untote H2O auch aus  "Vollmondabfüllung," für 8 €/Liter. Wer gibt sich schon mit M-Wasser zufrieden, wenn er sowas haben kann?

P.S. Geschäftsidee nach kurzem Googeln: wenn man das Vollmond-Wasser auch noch aus Fatima bezöge, könnte man (moment, da muss mir die IT mal kurz was ausrechnen) 1780 € pro Flasche verlangen.

(Bild: Wikimedia Commons)