Herr B. sucht ein Zuhause

Liebe
Leser,
aus dem fernen Bremen wendet sich heute an mich  als “Kennerin der Münchner
Szene” (Zitat!) ein ehemaliger Kommilitone, der “ab dem 1. Oktober, dem 15.
Oktober oder dem 1. November” ein Zimmer sucht. Lest selbst:

“Idealerweise stelle ich mir Folgendes vor:
Wir, zwei Schönheitsköniginnen (Miss-Bayern 2004 und Miss-Oktoberfest 2005),
24 und 25 Jahre, suchen einen netten, unkomplizierten und nichtrauchenden
Mitbewohner (25+). Intellektueller bevorzugt! Miete: 100 Euro warm, Nähe
Marienplatz Universität.
Also, wenn Sie ein solches oder ähnliches (bei allen Kriterien bin ich zu
Kompromissen bereit) Angebot finden sollten oder kennen sollten, wäre ich
Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich darauf aufmerksam machen könnten.
In diesem Sinne verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Ihr alter Kommilitone, …”

Für alle von Euch, die vielleicht einen Nach-, Mit-, Unter- oder (für die
Immobilienhaie unter Euch) Mieter suchen, möchte ich betonen: Der Applikant,
nennen wir ihn Herrn B., ist ausdrücklich cohu-prämiert! Er ist – ganz abgesehen
von seinen höflichen, äußerst zuvorkommenden Umgangsformen – WG-erfahren
(Studentenwohnheim, College), unkompliziert, hilfsbereit und zudem ein künftiger
Kollege von mir, da er ebenfalls an der LMU promovieren wird.
Ich möchte jeden, der ein Angebot oder eine Idee für Herrn B’s Unterbringung
hat, bitten, mir unter cohu”at”gmx.de, Kennwort “Herr B.”, zu schreiben, ich
werde dann alles weiterleiten.

Kimmt er oder kimmt er ned?

Ob sich die sieche Speerspitze der deutschen Sozialdemokratie diesen Samstag echt in die Heßstraße schleppen wird? Wenn es nicht regnet, schau ich auf jeden Fall vorbei, notgedrungen, denn die Reithalle liegt auf meiner Jogging-Route. Mal sehen, wie ich als (verschwitzte) Linkspartei-Satanistin in Pro-Globalisierungs-Nike-Outfit dort ein paar Kugelschreiber abstauben kann…

Losers Manage Us

Knapp zwei Monate nach meinem Studienabschluss erreicht mich von der Alma Mater folgende Nachricht:

"Bei Überprüfung Ihres Studienganges, [sic] wurde festgestellt, dass Ihre Magisterkombination nicht die vorgeschriebenen Fächer (ein Hauptfach und zwei Nebenfächer) aufweist. (…) Sie werden hiermit gebeten Ihre Fächerverbindung in der Studentenkanzlei (…) innerhalb von zwei Wochen eintragen zu lassen."

Ich hatte ja schon ersten Verdacht geschöpft, als ich vor vier Jahren (nach überstandenem Bewerbungsverfahren) mit dem Zulassungsbrief des M.Phil. in der Studentenkanzlei stand und mir hartnäckig versichert wurde, diesen Studiengang gäbe es definitiv nicht (O-Ton "Naa, des hamma ned, des gibts ned, wos isn des, gems des amal her, eanan Schrieb!). Erst nach einem Anruf im Department gelang der Studienfachwechsel.
Aber anscheinend kennen sie trotz "Überprüfung" den noch im letzten Jahrtausend eingerichteten M.Phil. immer noch nicht so richtig. Wie man auf der (LMU-eigenen) Website nachlesen kann: "Der Studiengang umfaßt keine Nebenfächer."
Äh ja, ich habe mir jetzt doch nachträglich mal überlegt, welche Nebenfächer ich gerne hätte: meiner persönlichen Weltanschauung entsprechend katholische Theologie (auch sicher phänomenale Männerquote), und zwecks Parties: Amerikanistik!

Raindrops keep falling on my head

Während andere immer noch Urlaub machen, bin ich vorgestern in unsere wahlkampfumtobte Heimat zurückgekehrt. Am Lago wird man ja nur durch regelmäßig an Brücken und Mauern angebrachte "Lega Nord"-Aufschriften und überall prangende Hakenkreuze an die hohe Politik erinnert (viele davon sind allerdings linksdrehend – wenn das der Duce wüsste…)

München hingegen leuchtet: FDP-Granden strahlen an jedem zweiten Laternenmast Kompetenz und kurz zurückliegende Friseurbesuche aus. Obwohl, was da aus dem Münchner Süden gefordert wird, lässt einem schon vor der übertriebenen Eigenverantwortungsanbetung dieser Gottlosen erschrecken:

MÜNCHEN – Volltrunkene Oktoberfest-Besucher sollten ihre medizinische Versorgung aus eigener Tasche zahlen. Das fordert Julika Sandt, Bundestagskandidatin der FDP im Wahlkreis München Süd. „Ich freue mich auf die Wiesn. Natürlich gehört die Maß Bier dazu. Aber wer zecht bis er ins Delirium fällt, kann den Arzt auch selber zahlen", bezieht die Gesundheitspolitikerin Stellung.
„Ein akuter Vollrausch ist selbst verschuldet. Wer sich so viele Maß Wiesn-Bier leistet, dass er in die Ausnüchterungszelle muss, kann nicht erwarten, dass ein ehrenamtlicher Rotkreuz-Sanitäter ohne Bezahlung sein Erbrochenes aufwischt und die Solidargemeinschaft den Notarzt oder den Rettungswagen spendiert.“ 482 „Bierleichen" hat das Bayerische Rote Kreuz nach Angaben der Einsatzleitung im vergangenen Jahr auf dem Oktoberfest medizinisch versorgt. Davon mussten 92 in ein Krankenhaus transportiert werden. Sandt findet, Betrunkene haben die Konsequenzen zu tragen: „Jede Bierleiche sollte nach ihrer Wiederbelebung mindestens 100 Euro ans Rote Kreuz spenden."

Aber keine Angst. Spätestens, wenn Gerds Helikopter im überschwemmten Garmisch landet, ist die Wahl doch für die Sozialdemokratie entschieden!

Würdig, arm, deutsch

Erstaunlich, was es für

Stipendien an der LMU
gibt:

Franz von Holtzendorff’sche Stiftung Unterstützung würdiger, armer
deutscher Studenten in den Hauptfächern Völkerrecht, Strafprozeßrecht und
Gefängniswesen

Oberregierungsrat Dr. Hermann Köstlbacher Stipendienfonds
Gewährung von Stipendien zugunsten von ein bis zwei Studierenden der
Tierärztlichen Fakultät unter Bevorzugung von Mitgliedern der Burschenschaft
Allemania

Nachlass Eugenie Przemysler-Przemyslav Förderung bedürftiger und
würdiger, ordentlicher Studierender, Doktoranden oder Habilitanden der
Naturwissenschaftlichen Fakultät, Fachrichtung Physik

Besonders gut gefallen mir:

Nachlass Eva Maria Schleip Die Erträgnisse sind für
Studienbeihilfen an christlich erzogene und bedürftige evangelische und
katholische Studenten, die gutbürgerlichen Familien entstammen, zu
verwenden.

Rosa-Schneider-Stiftung selbstlose finanzielle Unterstützung
bedürftiger und würdiger Söhne oder Töchter bayerischer Ärzte, die an einer
Fakultät der LMU eingeschrieben sindhilfsweise können auch andere bedürftige
und würdige Studierende der medizinischen Fakultät aus Bayern mit
Studienhilfen bedacht werden

Wer braucht am dringendsten finanzielle Unterstützung? Klar: Kinder aus
gutbürgerlichen- und Arztfamilien ("Dass da nicht noch am Schluss so ein
Arbeiterkind auf meine Kosten die Klassenschranken sprengt, gell! Sonst spend
ich's doch der Katzenhilfe!")

Netter Polizeistaat

Als ich gerade in die Winzererstraße einbog, stand vor unserem Hauseingang ein Sixpack voller Polizisten. HUCH! Hat mich jemand wegen meiner Balkonbepflanzung angezeigt? (Ja, Rizinusbäumchen sehen genauso aus!)
Doch die Gewaltmonopolisten saßen alle brav angeschnallt auf ihren Plätzen und – löffelten Eis. Ich glaub, ich werd mir jetzt auch eins holen.

Zitat Chief Wiggum: "Can’t you people take the law into your own hands? I mean, we can’t be policing the entire city!"

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Kopfeck-Küche

Wie ich dem Lokalteil der SZ entnehme, hat heute in der Stadt ein neues
(vegetarisch/veganes) Lokal namens "Kopfeck" aufgemacht (anscheinend Nähe
Viktualienmarkt).

 Einsatz Kopfeck Manni:

"Was stinkt denn da aso, im ganzn Hausgang stinkts!"
"Ja sag amal, was is denn des, des is ja alles obrennt?"

Franze: "Des sann Krautwickerln neapolitanische Art, die g'hern so!"

"So, die g'hern so, schwarz und g'schtinkert?"
[…]
"Franze, sei ma ned bös, aber es is einfach so greislig, I kann des ned essn.
Des is ja… schlimmer wia bei uns in der Kantine!"
[…]

Franze: "Meinst ned, dass mas vielleicht runterkriegen täten, wemma immer
einen Schluck Limo dazwischen trinken täten!"

"Limo! Naaa…Franze, jetz schütt ma des ganze Zeig weg, weil sonst werd ma
vom Oschaun schlecht."

Hoffen wir, dass es im neuen "Kopfeck" nicht so kommt. Ich bezweifle, dass
vegane Krautwickerl wesentlich besser schmecken als "neapolitanische"…

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Im 19. Jahrhundert konnte man noch was werden:

Wenn schon nicht alt, dann zumindest "Staatsbahn-Lokomotivführersgattin", wie dieser Grabstein am alten Nordfriedhof verrät. Und heutzutag macht man sich Stress wegen einem erbärmlichen "Magister"…

Der Geist, der stets verneint…

Heute in der Bibliothek:

"Entschuldigung, könnten Sie…"

"Nein."

"…mir diesen Zehner wechseln?"

"Nein!"

"Gibt es vielleicht noch einen…"

"Nein."

"…einen Wechselautom…"

"Nein!"

"….maten? Nicht? Oder vielleicht…"

"Nein!"

"…einen Kopierer, wo man…."

"Nein! Gibt es nicht!"

"…mit Münzen zahlen…. ok…"

Hätt ich meinen Faust besser gekannt, hätt ich der Höllenbibliothekarin
natürlich erwidert:

"Nun kenn ich deine würd'gen Pflichten!
Du kannst im Großen nichts vernichten
Und fängst es nun im Kleinen an."

Pressepause

…In der Infanteriestraße