The Power of The Yodel

Der nächste Beleg für Cohu’s These zur Coolheit des Jodelns (Cohu berichtete): Wylie Gustafson. Dieser geborene Montanese (Montaner? Montanianer? Egal) in vierter Generation ist Jodler von Herzen, und in dieser Eigenschaft sogar Autor des Buchs How to Yodel: Lessons to Tickle Your Tonsils and Funnybone. In den ersten Sekunden dieses Videos über ihn wird dem geneigten Leser, so er denn seine Lautsprecher eingeschaltet hat, auch klar werden, warum Herr Gustafson – mit seiner zwar beeindruckenden, aber doch sicher nicht weltklassemäßigen musikalischen Begabung – auch weit über die Grenzen seines derzeitigen Wohnorts Dusty, Washington bekannt ist:

Der Yahoo!-Jodler ist sein einziger großer Hit – aber was für einer! 1996 bekam er laut NYT für seinen eleganten Falsettruf 590 Dollar vom Startup Yahoo. Zwei Jahre später fiel ihm auf, dass Yahoo inzwischen nicht mehr so klein war – und sogar einen Werbespot, mitsamt Marken-Jodler, beim SuperBowl untergebracht hatte (der begehrteste Werbeplatz der Welt, behaupten manche, auf jeden Fall eine Riesensache!). Gustafson bat, etwas erstaunt, um nachträgliche kommerzielle Beteiligung und bekam von Yahoo ein Angebot über sage und schreibe nochmal 590 Dollar – was ihn nicht gerade milde stimmte (Naja: Don’t mess with Cowboys). Er verklagte die Firma wegen Urheberrechtsverletzung auf 5 Millionen Dollar und erhielt ein Vergleichsangebot unbekannter Höhe, das ihn aber jedenfalls zufrieden stimmte.

Wen das alles nicht beeindruckt und wer immer noch daran zweifelt, dass Jodler rocken, der kann Herrn Gustafson ja mal beim Kühehüten zusehen – ohne Zügel, wohlgemerkt.

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Jodeln rockt, zum Dritten

Teil 1, Teil 2, und hier Teil 3 – Hank Williams’ Lovesick Blues, der von manchen für den besten Country-Song aller Zeiten gehalten wird:

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Soso, ahja,

…1938 konnte man also ein Lied über Marijuana singen, es dabei mit einem Kontrabass treiben – und das Ganze kam dann sogar noch ins Kino:

(Wer sich davon nicht schon beim ersten Hören einen Ohrwurm eingefangen hat, sollte jetzt mal zur Sicherheit seinen Puls kontrollieren.)

Aber, liebe Leser, Hörer und vor allem Zuseher – es kommt noch wilder, und zwar hier:

Alles mit den wunderbaren The Cats And The Fiddle (und im zweiten Video den jodelnden Dandridge Sisters).

Der erste Film entstammt übrigens dem Genre der sich ausschließlich an ein schwarzes Publikum richtenden “race movies”. Der zweite war, meinem Gefühl nach, wohl eher was für Weiße…

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Avantgarde der Frühgeschichte

Hatten die Neanderthaler Musik? Und wenn ja, wie hörte sie sich an? Der Jazzkomponist Simon Thorne (Obacht, Audio) hat im Auftrag des Walisischen Nationalmuseums eine Komposition geschaffen, die dieser Frage nachspüren soll. Hier ein Artikel darüber und hier ein kurzer Ausschnitt.

Jetzt muss ich freilich dazusagen, Cohu ist ja selbst eine große Freundin der Neuen Musik. Unter der Dusche trällere ich Zwölfton-Greatest-Hits (siehe) und wenn ich mal richtig relaxen will, kommt mein Lieblingssong in den CD-Spieler – zum Mitschunkeln:

Aber trotzdem, Herr Thorne: Dass die Neanderthaler eine solch greislige Musik gemacht haben sollen, wie Sie sie da abgeliefert haben, glauben Sie doch selber nicht. Nur, weil die Damen und Herren homo neanderthalensis keine schwarzen Rollkragenpullis, Apple-Computer und Saxophone ihr eigen nannten, können sie ja trotzdem Geschmack, Virtuosität und Groove gehabt haben. So wie z.B. die Baka-Pygmäen – ein heute noch jägerisch und sammlerisch tätiges Volk der Schwesternspezies homo sapiens -, die mir musikalisch viel besser gefallen als das von Ihnen pseudoprimitiv nachempfundene Gewummer, Gedröhne und Gegröhle.

[P.S.: Jodeln rockt! Cohu berichtete.]

Cohus Weg zurück zum Glauben

*Akustisch und ästhetisch Schmerzempfindlichen, Schwangeren, Personen mit Herzschrittmachern und Kindern unter 12 Jahren wird dringend davon abgeraten, die in diesem Eintrag eingebetteten Videos abzuspielen*

Cohu war auf der Suche nach einem kleinen Tubenstück, um ihre bevorstehende Abreise in ein Land zu illustrieren, das der aufmerksame Seher bzw. Hörer bald identifizieren können wird. Zunächst mal stieß ich auf dies hier. Die typische Schreckens-Lähmung setzte ein, ich musste mir das Desaster bis zum bitteren Ende ansehen.

“Zweifellos” – so dachte Eure tapfere Cohu – “zweifellos wird dies das schlechteste sein, was die Tube beim gewählten Stichwort zu bieten hat, denn die Welt ist gut und behütet von einem allwissenden, allmächtigen, barmherzigen Gott, der alles Unrecht durch Schönes und Gutes wieder ausgleicht, weil wir gottesebenbildliche Menschlein ihm am Herzen liegen.” – ich klickte weiter und wurde eines Besseren belehrt:

Danach war ich, wie jeder, der den Clip auch nur angespielt hat, kurz davor, mir mit einer rostigen Gabel die Augen und vor allem Ohren auszukratzen. Was ist das für ein Gott, der sowas erlaubt? Warum fährt kein Blitz vom Himmel, warum tut die Erde sich nicht auf, warum zersplittert nicht das Raum-Zeit-Kontinuum? Darf Satan nun ungestraft auf Erden wandeln und dann auch noch ein Akkordeon bedienen? Warum ich???

Doch worauf stieß ich dann? Wie hielt das Universum in seiner unerforschlichen Synchronizität mich doch noch davon ab, an der Verkommenheit und Hässlichkeit der Welt zu verzweifeln und zur gottlosen Teufelsanbeterin zu werden? Wie fand ich meinen Glauben wieder?

So, meine Damen und Herren:

Apelsin. Eine 1974 gegründete estnische Rockband. Ich weiß nicht, was am coolsten ist. Die Schnauzer? Das Banjo? Das Käppi? Die Fiedel? Die Pullover? Die Fototapete? Ich weiß nur: Apelsin ist definitiv die rockingeste estnische Band die ich überhaupt jemals gehört habe!!! Achja, das Lied heißt “Tirooli Lauluke / Tirol Song”. Damit wissen jetzt sogar die Feigsten unter meinen Lesern, wo es hingeht. Cohu jedenfalls hat den festgefassten Plan, von diesen sagenhaften Kerlen heute Nacht zu träumen, denn: Jodeln kann sexy sein. Solang’s kein Tiroler ist.