Vorbereitungen für den Sommer

1. Gestern E-Garten-Saison eröffnet mit einem phänomenalen Thunfischsandwichpicknick an meinem neuen Lieblingsplatz, wo man sogar an einem Sonntag wie gestern ganz in Ruhe und idyllisch im Gras liegen und sich einen Sonnenbrand holen kann, ohne von halbnackten VolleyballidiotInnen genervt oder von rasiermesserscharfen Frisbees getroffen zu werden. Und dann beim Pavillion gesehen: es gibt wieder "Nogger Choc", das legendäre Nogger Choc! Trotz hartnäckiger Rassismusvorwürfe ist es wieder da, das Traumeis, mit altbewährtem Namen. Konnte es leider nicht probieren, da ich schon ein Cornetto gekauft hatte. Hat’s schon jemand versucht?

2. Herr Bajwa aus Berlin hat mir wunderschöne Hausschuhe geschickt – besser gesagt indische Khussa. Trotz meiner abendländischen Breitfüßigkeit passen mir die Dinger und komme mir vor wie Hebbels Odaliske. Vollständig über den Rassismus-Verdacht erhaben ist übrigens auch dieses Gedicht nicht: Nun weist er stumm den Mohren fort / Dem wild das Auge glüht vor Lust – Fürstin Gloria steht in Hebbelscher Tradition! Und dann, es musste ja so kommen – , plötzlich dringt ein jäher Schrei/Von außen ihr ins bange Ohr/Sie ruft verstört, was das denn sei? Und er versetzt: es starb der Mohr! – ein Spruch, der die Odaliske vermutlich vollständig aus den Socken gehauen hätte, hätte sie nicht so toll sitzende Lederpantoletten getragen. Abgesehen von solchen kulturhistorischen Überlegungen sind die orientalischen Schuhe sehr hitzetauglich. Der Sommer kann also kommen.

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Dringender Rat an alle Kulturredaktionen zum “Welttag der Poesie” am 21. März

Weil man das Dichten gerne mag,
widmet man ihm einen Tag.
Man lüftet Lyrikbände aus;
wenns hoch kommt, liest man gar daraus,
und befragt dann auch Experten,
die ihre Nützlichkeit bewerten.

Im Deutschlandfunk spricht eine Frau,
die kennt des Dichtens Nutz genau.
Gedichte: "Wellness fürs Gehirn" –
und hinter jeder Leserstirn,
an diesen gut versteckten Stellen,
"massierten sie die Grauen Zellen"!

Ein Poem wird nie "massieren",
doch wohl des Lesers Seele rühren!
An ihren Saiten leise zupfen
Und ihre Kanten ruckhaft lupfen.
Wer diesen Unterschied verkennt
hat in Poetik wohl gepennt.

Mein Rat vorm großen Dichtungstag,
an den sich halten kann, wer mag:
Dein Ansatz sei elementar.
Erspar Dir jeden Kommentar.
Lass schlicht das Sprechen über’s Dichten.
Denn Kultur heißt auch: Verzichten.

Eeper Weeper

Eigentlich würd ich mich ja über den Kaminkehrer(*) vom Haus gegenüber freuen (der hässliche Block im Hintergrund ist im Übrigen kein Münchner Hochhaus, sondern unser Heizkraftwerk).
Ja, ich hätte mich gefreut, hätte mir nicht Mr. Ford gestern einen Link zugeschickt: zum "Christival 2008". Da wird unter anderem ein Seminar angeboten zum Thema Aberglauben.

570 Mein Maskottchen bringt mir Glück
Seminarbeschreibung:
Aberglaube – harmloses Placebo oder Einstiegsdroge mit Risiken und Nebenwirkungen? Was glaubt, wer aberglaubt?
Markus Baum, Redakteur bei ERF Radio (Freitag 90 min)

Einstiegsdroge! Na, damit wollen wir doch gar nicht erst anfangen, sonst heißt es am Schluss noch

324 "Bewahre uns vor dem Bösen" – der Teufel mischt mit!
Seminarbeschreibung:
Evangelistisch, gemeindlich, persönlich … der Gegenspieler Gottes will mitmischen. Was kann ich dagegen tun? (inkl. Ausstellungsbesuch im Übersee-Museum)
Hermann Fürstenberger, Jugendreferent (Evangelistische Jugendarbeit), Schwäbisch Hall (Samstag, 1.+ 2. Block)

In den Seminarbeschreibungen finden sich noch viele Juwelen. Viel Spaß beim Stöbern!

(*) Zum Kaminkehrer fällt mir immer folgendes schöne Gedicht (Erklärung bei Wikipedia) ein, dessen Eignung für Kinder heutzutage vielleicht etwas in Frage zu stellen ist (auch in diesem Fall brachte der Schornsteinfeger kein Glück):

Eeper Weeper, chimbly sweeper,
Had a wife but couldn’t keep her.
Had another, didn’t love her,
Up the chimbly he did shove her
.

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Decline of a Nation: They cheer you up, your mum and dad

Schon super, so eine Familie!

Familien: 1971 war es ein Brite, der der Weisheit letzten Schluss zum Thema aussprach. Mehr hätte man dazu ja eigentlich nicht sagen müssen – abgehakt.
Nicht so schnell, sagen nun Larkin’s Landsleute. In einer gerade veröffentlichten, von der BBC in Auftrag gegeben Studie kommt nämlich überraschenderweise folgendes raus:

"Compared with historical polling, people are more optimistic about their family’s future, more people describe their family as close and they are more likely to say their parents did their best for them.
Despite all the changes, we remain remarkable happy with family life – 93% of us describing it as fairly or very happy." (BBC News)

Die Frage "Who are you happiest with?" beantworten dann gleich 73% mit "Family".
Soso. Die Herrschaften bevorzugen also den Kontakt mit Menschen, die sie sich nicht ausgesucht haben (seit jeher das Grundproblem der sog. Herkunftsfamilien), gegenüber dem mit Freunden, dem mit sich selbst und (vielleicht am verständlichsten) dem mit Kollegen. Was ist denn da los? Wo bleibt der Blutsbande rücksichtslos zerschneidende moderne Individualismus? Und wo die Erinnerung an das letzte grauenhafte Familienweihnachten?
Meine einzige Erklärung: die Briten finden ihre Familie heutzutage toller, weil sie nicht mehr so viel mit ihr zu tun haben wie früher. So als abstrakte Idee. Kinder sind  toll, wenn man sie nicht selbst erziehen muss (wie immerhin 25% der britischen Väter); für Eltern gilt das sogar noch im verstärkten Maße (und wer wohnt heute schon noch bei Mama und Papa – verglichen mit vor 40 Jahren?). Vielleicht werden die Briten die Familie erst so richtig zu schätzen wissen, wenn sie gar keinen Kontakt mehr zu ihr haben. Ganz in Larkin’s Sinne also.

(Bild: Wikipedia)

Noch ein Pöt

Cohu ist nur in beschränktem Maße der Lyrik zugänglich: meistens bin ich wohl für die feinen Schwingungen, die die Dichtkunst transportieren soll, nicht empfänglich genug, oder die Themen (wahre Liebe, unausweichliche Vergänglichkeit und, äh, …schöne Schönheit) interessieren mich nicht soooo brennend, dass ich für eine Vertiefung in sie jetzt stundenlang über Verse gebeugt zubringen wollen würde. Ich bin ja eher eine fürs Narrative.
Die einzigen Ausnahmen, was Cohus lyrisches Desinteresse angeht, bilden Robert Gernhardt (der breiten Öffentlichkeit sind seine Werke unwissentlich bekannt aus den Otto-Büchern) und  Phillip Larkin ("This be the verse"). Ansonsten: ich bin sooo unpoetisch (sprich "unpötisch")!
Aber jetzt. Schon allein für dieses unglaubliche Gedicht sollte man sich vielleicht auch Kurt Bartsch mal näher ansehen: Adolf Hitler, ganz allein (1985)


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Stoibernachfolge-Limerick

Cohu hat noch die leise Hoffnung, doch nicht aus Bayern auswandern zu müssen, daher jetzt mal Werbung für

"Horst"

Horst ist ein Bursche aus Ingolstadt
Der politisch noch Ambitionen hat
Großes Wählervertrauen
Und Erfolg bei den Frauen
Setzen selbst unsern besten Mann Beckstein Huber matt!


Lackierter Limerick

So lange gab es schon keinen der köstlichen Reime mehr, also hab ich (beim Fingernägellackieren, glaubst es!) fix einen gedichtet:

There once was a girl who would faint
As soon as she smelled fresh paint
She dated an artist
Who said it the smartest:
“I think that your ailment is quaint.”

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