Decline of a Nation: Abschied in Pastell

Die dem britischen Innenministerium unterstellten "Immigration Officers"  haben unter anderem die Aufgabe, Familien, deren Aufenthalt in Großbritannien nicht erwünscht ist, zB. abgelehnte Asylbewerber, zwangsweise abzuschieben, d.h. zu deportieren. Unschön, insbesondere, wenn Kinder involviert sind. Um deren psychologische Traumatisierung zu minimieren, wird nun im "Family Removals Review" (schöner, euphemismusfreier Name!) der Immigrationsbehörde nun unter anderem eine Anpassung der – bis jetzt unfreundlich dunkelblauen –  Uniformen an die noch zarten Sehgewohnheiten junger Seelen vorgeschlagen:

Consideration should be given to providing standard issued clothing in softer colours (currently issued in navy) for enforcement officers involved in family work to reduce the appearance of a ‘uniform’ and be less intimidating to children (.pdf, siehe Punkt 11)

Die BBC hat sich die Mühe gemacht, eine Uniformdesignerin nach Vorschlägen zu fragen. Die sagt allen Ernstes:

"I equate deportation officers with traffic wardens, who have gone for a softer image now and look more like post office men or delivery men, particularly in Kensington and Chelsea, where they’ve gone from navy and black to a soft khaki colour and Italian blouson. They look more approachable."
"I can’t imagine many deportation officers wearing pink, with the training they’ve had. A soft grey, a khaki, a sand colour, a washed out French navy or a steely blue would be nice. Perhaps smiley badges too."  (BBC News)

Smiley Badges? Liebe Frau Designerin, liebes Großbritannien, ich hab hier im Rahmen der Freundlichkeitsoffensive für Gewaltmonopolisten auch schon mal eine schöne Uniform für die britischen Streitkräfte rausgesucht. So macht Angriffskrieg Spaß!

Decline of a Nation: Happiness is egg-shaped

In Großbritannien wurde gerade noch die Ausstrahlung von Werbespots gestoppt, die mit absurden Behauptungen vielleicht Tausende von Menschen das Leben gekostet oder sie zumindest gesundheitlich beeinträchtigt hätte.  Da wurde der Verbraucher tatsächlich dazu aufgefordert,  vor der Arbeit ein Ei zu essen.  Jeden Tag!  Einseitige Ernährung! Cholesterin!
Da schwör ich doch auf das übliche Britische Frühstück, das wesentlich abwechslungsreicher ist: während der Woche Potato Crisps in immer wieder anderen Geschmacksrichtungen, dazu ein Cola, am Wochenende 4 Eier, Speck, Würstchen, Baked Beans und Bratkartoffeln. Und ein schönes lauwarmes Ale dazu.
Wie absurd das Verbot tatsächlich ist, merkt man vielleicht, wenn man sich die Spots (die in den 60ern gedreht und jetzt zum Geburtstag der "Go to Work on an Egg"-Kampagne des Egg Information Service wiederholt werden sollten), einmal ansieht:

Decline of a Nation: Octopus’s Lego

Ein in einem britischen Aquarium ansässiger Oktopus hat sich dermaßen gelangweilt in seinem Becken, dass man ihm jetzt Legosteine zur Verfügung stellt:

"He seems to be having lots of fun with his new Duplo. As well as the large bricks, we also design puzzles for him involving Tupperware boxes full of food, jam jars and plastic balls. Staff here are enjoying watching him – he’s a real character." (Lancashire Evening Post)

Cohu ist beruhigt, dass man dem armen Achtarmer harmloses Lego und, nicht etwa wie Atlantas Affen, Killerspiele zur Ablenkung präsentiert. Wer möchte schon einem fünf Meter langen Kraken begegnen, der die letzten zwei Wochen ohne Schlaf in einem abgedunkelten Aquarium mit gelegentlicher Zufuhr von Red Bull und Aldi-Pizza verbracht hat, beim ununterbrochenen Ego-Shooter-Spielen? Ich jedenfalls nicht.
Eine Frage bleibt jedoch noch. Woran erkennt man, dass sich ein Oktopus langweilt?

Decline of a Nation: Und ich sag noch…

Vorgestern hatte sich Cohu in gewohnter Boshaftigkeit lustig gemacht, das neue Olympia-Logo für London 2012, in dem manche einen Affen auf dem Klo, andere ein zerbrochenes Hakenkreuz sehen, sei, ich zitiere mich selbst, "die expressiv-mitreißende visuelle Umsetzung eines tonisch-klonischen Grand-Mal. Krzgrmpff!"
Heute – und das ist kein Witz – musste das das neue Logo vermarktende Promovideo aus dem Netz genommen werden, weil es – Taa Daa! – tatsächlich epileptische Anfälle ausgelöst hatte:

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Decline of a Nation: Krampfhaft

Das neue Logo für die Olympischen Spiele 2012 in London, das ich hier aus bestimmten Gründen lieber nicht abbilde, wurde heute vorgestellt. Für die einen ist es "dynamic, modern and flexible", für die anderen (nämlich Cohu) die expressiv-mitreißende visuelle Umsetzung eines tonisch-klonischen Grand-Mal. Krzgrmpff!

Decline of a Nation: No Use Eating A Dead Dog

Ein britischer Performancekünstler (über den ich hier schon mal ausführlich berichtete, Stichwort: Schwanenbraten) hat in einer Live-Radiosendung auf offener Straße Hund gegessen, um gegen die Jagd-Gewohnheiten der Monarchen, insbesondere die inhumane Fuchsjagd von Prinz Phillip, zu protestieren. To add insult to injury, wie man im Englischen so schön zu sagen in der Lage ist, hat auch noch Yoko Ono mitgespachtelt.
Verspeist wurde (teilweise) ein "Welsh Corgi", eine Hunderasse, die, soweit ich weiß, durch eine Kreuzung zwischen Dackel, Schäferhund und Fledermaus erzeugt wird, wobei bei den Welpen die komplizierte Praxis des Beinchen-Kupierens angewandt wird (s. Abb.). Ein Rudel dieser Zeckenteppiche umschwärmt bekanntermaßen stetig Queen Elisabeth.
Corgi also, gedünstet mit Äpfeln und Zwiebeln. Jedoch:

"It was pretty disgusting. I’ve never tasted anything like it — it was gray and had a very funny smell. It was horrible." (MSNBC)

Hm. Vielleicht, lieber Herr Gowan, lag das daran, dass ihr einen Hund verwendet habt, der "eines natürlichen Todes" gestorben ist – so wird das natürlich nichts. Hundegreisenfleisch. Und warum denn Äpfel, um alles in der Welt? Warum nicht eine schön scharfe Bosintang-Suppe? Ach Großbritannien, wann lernst Du endlich kochen…

(Bild: Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Chocing!

Schon etwas älter ist die Urban Legend, dass Kakao Rinderblut enthält. Während sich der Massai (zurecht) über eine nahrhafte Mahlzeit aus Milch und Blut freut, ist das beim Mitteleuropäer wohl anders. Na, schon gefrühstückt?
Aber es geht – wenn man der "Welt" Glauben schenken will – sogar noch schlimmer. Ein Lebensmittelkonzern hätte in Großbritannien  geplant, "Schlachtabfälle" in Schokoriegel zu mischen und dann Vegetarier darauf hingewiesen, dass die Riegel von nun an für sie ungeeignet sind – nach größeren Publicityproblemen wurde dann aber doch von der Änderung der Rezeptur abgesehen. Tatsächlich, in Großbritannien wird die Vegetarier-Auszeichnung  sehr ernst genommen. Ganz im Gegensatz zu Deutschland, wo man ja zumindest außerhalb der großen Städte auch noch davon überzeugt ist, dass Geflügel, Fisch und Wild kein Fleisch sind und damit für Vegetarier akzeptabel. Manch ein gutmeinender Wirtshauswirt dehnt das bis zum Kalbfleisch aus!
Aber das mit den "Schlachtabfällen". Naja. Das hätte jetzt gut zu "Decline of a Nation" gepasst, Engländer fressen alles, höhöhö, usw. Bei den verwendeten "Schlachtabfällen" handelt es sich jedoch um Lab, ein Enzym aus dem vierten Kälbermagen. Dieser Stoff wird seit Urzeiten zur Käsegerinnung gebraucht. Es handelt sich nicht um einen "Abfall", sondern vielmehr um ein Nebenprodukt der Fleischproduktion – meine Schuhe sind ja auch nicht aus "Schlachtabfällen". Schockiert sollte die "Welt" vielleicht auch noch titeln: "Käse: es werden Schlachtabfälle beigemischt!".
Als Lehre kann man aus diesem Vorkommnis jedoch ziehen: wer es mit dem Vegetarismus ernst meint, sollte sich das mit dem Käse noch mal überlegen. In Deutschland ist die Verwendung von Kälberlab auf dem Käse fast nie ausgezeichnet. Gottseidank kann dank moderner Technik Lab inzwischen auch künstlich (mit Hilfe genveränderter Mikroorganismen) hergestellt werden ("vegetarischer Käse" steht dann drauf). Ob der allerdings wirklich vegetarisch ist, ist auch wieder so ne Frage, denn Kühe geben bekanntermaßen nur Milch, wenn sie in regelmäßigen Abständen Kälber bekommen. Und wohin mit den ganzen Kälbern, insbesondere den männlichen? Na, Wiener Schnitzel. Is ja vegetarisch!

(Bild: Wikimedia Commons)

Decline of a Nation: Von vor der Wiege bis zur Bahre

7. Woche: noch schaut er harmlos aus…

(Bild: Wikimedia Commons)

Jaja, die neue Unterschicht, was machen wir mit ihr? Zahllose Kolumn-, Feuilleto- und sogar Theaterregisseuristen und -innen haben sich an dieser Frage die Zähne ausgebissen, von den Politi-, Psychologi- und Soziologikern mal ganz abgesehen. Eins ist sicher: ist der Unterschichtler erstmal ausgewachsen, ist an seinem Habit, seinen Ess- und Trink- sowie Fernseh-Gewohnheiten praktisch nix mehr zu ändern. Jetz mal ehrlich, kann man sich Dittsche mit Schlips und Kragen beim Assessment Center vorstellen? Kaum.
Daher auch eine Idee, die – aus den USA kommend – sich jetzt unser geschätzter Insel-Toni vorgenommen hat: schon ganz früh anfangen, sich diese Individuen vorzuknöpfen, damit Intervention das schlimmste (Ausscheiden aus der Arbeitsflotte oder gar Kriminalität) verhindert. Mit "ganz früh Einschreiten" ist diesmal aber nicht das gutgemeinte Gardinenpredigen vor garstigen Ghettokids gemeint, sondern die Überwachung von ungeborenen Kindern:

In an effort to intervene as early as possible in troubled families, first-time mothers identified just 16 weeks after conception will be given intensive weekly support from midwives and health visitors until the unborn child reaches two years old. (guardian)

Was mit "troubled" gemeint ist, wird nicht so ganz klar – in den USA machte sich das schlicht an einem geringen Einkommen der Mutter/Eltern fest. Herr Blair verkauft das Programm als "Fairness" – die Startchancen der Kinder sollen verbessert werden – und erinnert an die sozialen Schäden, die "manche von diesen Familien" in der Volksgemeinschaft in der Community anrichten.
Laut amerikanischen Studien hat die Methode tatsächlich messbare Vorteile – höhere IQs und bessere Sprachentwicklung bei den Kindern, weniger Vernachlässigung und besserer Gesundheitszustand bei Mutter und Kind, später auch gesunkenes Risiko, dass das Kind kriminell wird. Als Turbo-Konsequentialistin, die ich nun mal bin, müsste ich die Maßnahme eigentlich toll finden. Trotzdem hinterlässt es einen seltsamen Nachgeschmack, wenn schon bevor die Elternschaft überhaupt begonnen hat, diese staatlicherseits in Frage gestellt, überwacht und "unterstützt" wird. Was, wenn man keinen Bock auf wöchentliche Besuche von der NHS-Dame hat und sie wieder wegschickt? Wird einem dann für die zukünftige Fortpflanzung die Lizenz entzogen? Ach ne, da steht ja noch: freiwillig. Aber trotzdem: was, wenn sich herausstellt, dass es für die Kinder am allerbesten wäre, gar nicht in ärmlichen Verhältnissen aufzuwachsen: müsste man sie dann nicht eigentlich staatlicherseits an bessere Stellen verteilen – äh, katholische Kinderheime?

Radler, wollt ihr ewig leben?

 Teufelswerk!
(Bild: Wikimedia Commons)

Cohu scheut das Fahrradfahren (insbesondere in der Stadt), weil es bekanntermaßen eine der gefährlichsten Beschäftigungen ist, der man als gesetzestreuer Bürger eines sicheren (Frei)staates wie dem unseren überhaupt nachgehen kann. Natürlich direkt nach dem Besuch einer G8-Demo, oder dem Spielen von Killerspielen, die einen innert weniger Minuten zum Amokläufer degenerieren lassen. Ja, und Handytelefonieren. Aber wir waren beim Radl.
"Moment!" – werden jetzt einige von Euch entrüstet einwerfen – "Gibt es nicht supertolle wunderschöne modische Fahrradhelme, mit denen man das Risiko minimieren kann?". Bis jetzt musste ich bei diesem Hinweis verschämt zugeben, dass ich hauptsächlich deshalb nicht Radl fahre, weil ich es einfach superschlecht kann (insbesondere Abbiegen) und es mir zu anstrengend ist – insbesondere bei letzterem Problem hilft auch der tollste Helm nix.
Aber das Ausredensuchen wird in Zukunft nicht mehr nötig sein: denn die Wissenschaft hat herausgefunden, dass Radeln mit Fahrradhelm eventuell sogar noch gefährlicher ist als ohne! Das liegt daran, dass Autofahrer behelmte Biker mit weniger Abstand überholen als ihre vorsichtigeren Vettern, wodurch das Unfallrisiko enorm steigt. Das könnte – so eine Hypothese – daran liegen, dass Autofahrer Helmträger für besonders erfahren und gewandt im Straßenverkehr halten. Cohus Theorie: Autofahrer billigen durch tumorartig wuchernde Gebilde hässlich-entstellten Menschenein geringeres Lebensrecht zu als hübschen Helmlosen und lassen Helmköpfe deshalb gern mal unter die Räder kommen. Egal, jedenfalls Obacht!
Ein wenig beruhigen kann ich allerdings die den langhaarigen Extrembiker unter Euch: für die nimmt das Risiko, gerammt zu werden, wieder ab, weil die sexistischen Autofahrer sie für fahrunfähige Frauen halten und ihnen durchschnittlich 14cm mehr Platz lassen als den kurzhaarigen Konkurrenten. Herausgefunden hat das übrigens alles ein waagemutiger und – wie könnte es anders sein – britischer Verkehrspsychologe der Uni Bath, der im Laufe der Experimente nicht nur von einem Lastwagen und einem Bus angefahren wurde, sondern auch noch mit einer Perücke durch die Stadt radeln musste. Siehe BBC – Artikel.

Decline of a Nation: Wahre Fettheit kommt von innen

Die Britische Wissenschaft hat festgestellt: auch dünne Leute können dick sein. So kann sich im Innenraum äußerlich hagerer Gestalten eine Fettmasse um die Organe legen, was zu gesteigerten Krankheitsrisiken führt, die man eigentlich nur bei Übergewichtigen annehmen würde. Die Betroffenen heißen "TOFIs" (Thin outside, fat inside) – und es gibt sie sogar in den Reihen professioneller Models. Nimm das, Haas, es gibt Buttermutter und Rippenmädchen also sogar in einer Person! Das Gegenstück dazu sind dann wohl die Sumoringer: äußerlich fett, aber ohne größeres Gesundheitsrisiko, da der Schwabbel unter der Haut, nicht um die Organe herum gelagert wird. Der Normal-Dicke ist das leider sowohl innen als auch außen, somit auch hier keine Entwarnung für die Obesity Epidemic.
Cohu wartet jetzt eigentlich nur noch auf eine Diät oder ein Trainingsprogramm, das dazu führt, dass man gezielt innerlich abnimmt, ohne angenehme Rundungen einbüßen zu müssen – Milz, Leber, Herz statt Bauch, Beine, Po sozusagen.