Unterirdisch

Die Münchner U-Bahn-Stationen sind ja schon mal nicht schlecht (zu bewundern sind sie auf FloSchs feiner U-Bahn-Seite). Cohus Lieblingsstation ist "Josephsburg," auch, wenn es außer dem U-Station leider nicht viele Gründe gibt, in Berg-am-Laim auszusteigen. Aber: noch viel coolere U-Bahnhöfe (bzw. Tunnelbana-Höfe) gibts in Stockholm. Müsste eigentlich auch noch viel Geld sparen, so zu bauen, oder?
Überhaupt, was moderne Gestaltung angeht: der Lokal-Kulturteil der SZ war heute überschrieben mit "MÜNCHNR KULTUR". Ich schwanke noch zwischen der Interpretation "gewohnheitsmäßige Schlamperei" und der Auslegung, dass die SZ-Redakteure jetzt auch versuchen, auf den Web 2.0-Zug aufzuspringen.

Ausgerechnet…

Posted in Fröhliche Wissenschaft, Internetz. Comments Off on Ausgerechnet…

Traditionsverwurzelt Revolution vermarkten.

Schon erstaunlich, wie man in Buchhandlungen bzw. von Verlagsseite her eine Idee, die einem uralt vorkommt (weil sie halt schon vor 3 Jahren im Internetz breitgetreten wurde) als den revolutionären Wirtschafts- Bestseller schlechthin verkauft. Natürlich erstmal ausschließlich in Hardcover-Version für preisgebundene 19,90€ . Willkommen im Mittelalter.

Aus dem Vorschautext der Verlagsseite zitiert, ergeben sich interessante Kontraste:

"Verlage starren wie gebannt auf den nächsten Weltbestseller, Film-Verleiher auf den nächsten Blockbuster, die Musikindustrie auf den Superhit, der alles herausreißt. Sie alle sind schief gewickelt. Die Zukunft liegt ganz woanders." (…)
"Wie sie die [Chancen] nutzen können und was diese neue Wirtschaft für uns alle bedeutet, zeigt Anderson in seinem revolutionären Bestseller."

Hm. Äh. Kognitive — Dissonanzen— lähmen — mein — Hirn…

P.S.: Dem Schweinischen ist, zugegeben, alles schweinisch. Aber war es wirklich nötig, "The Long Tail" in seiner deutschen Übersetzung den Untertitel "Der Lange Schwanz" zu geben?

(Bild: Wikimedia Commons)

Posted in Freier Markt, Gedrucktes, Internetz. Comments Off on Traditionsverwurzelt Revolution vermarkten.

Preisfrage

Was würden südamerikanische Anti-Bush-Demonstranten machen, wenn es die Nazis nie gegeben hätte?

Posted in Aus Aller Welt, Nazivergleich. Comments Off on Preisfrage

Decline of a Nation: Gaias Rache

James Lovelock, berühmt-berüchtigter "Futurologe", und Erfinder der Gaia-Hypothese, ist fest davon überzeugt, dass aufgrund des Klimawandels ganz Europa zur Wüste werden wird.
Ganz Europa? Nein! – Eine Insel wird verschont bleiben (Ihr ahnt vielleicht, welche), mit ganz erstaunlichen Auswirkungen:

"We’ll be a bloody lifeboat for Europe.(…)

Lovelock reckons that the British Isles will be among the few island oases in a world given over to desert, scrub and oceans devoid of life: "Everybody in Europe will be wanting to come here." Even people who live in currently delightful spots such as Cap d’"Antibes and Siena. They aren’t going to like Milton Keynes or Cumbernauld one bit." (Guardian)

Oi oi, ob die aber Cohu, die sich ja immerhin schon in mehr als 70 Einträgen über das Vereinigte Königreich lustig gemacht hat, überhaupt aufnehmen werden? Vielleicht sollte ich die Kategorie umbenennen in "What’s so great about Britain?".
Jedenfalls – vielleicht weil Mutter Erde Gaia es gut mit Cohu meint – hat Herr Lovelock auch noch einen schönen Hitlervergleich ins Interview eingebracht:

"He suggests that the current population of six billion humans will be cut to a more ecologically sustainable half-to-one billion people. "How will this mass cull happen? "It’ll be worse than Hitler – Gaia’s going to do it," says Lovelock. He writes about this chillingly at the outset of the Revenge of Gaia, where he considers the December 2004 tsunami. "That awful event starkly revealed the power of the earth to kill. The planet we live on has merely to shrug to take some fraction of a million people to their deaths. But that is nothing compared with what may soon may happen; we are now so abusing the Earth that it may rise and move back to the hot state it was in 55 million years ago, and if it does, most of us, and our descendants, will die."

Ach, ich mache mir da keine Sorgen. Mag sein: Klimawandel, das Öl geht aus, das Wasser wird knapp, und der eine oder andere Hurrikan pfeift daher. Aber eine Resource gibt es auf der Welt, die ist so nachhaltig, und in solchen Mengen vorhanden – und zwar in wirklich jeder Weltregion außer der Antarktis – , also eine Ressource, dass es sustainabler nicht mehr geht, da kann sich die Gaia auf den Kopf stellen – nein, ich meine nicht Sonnenenergie (und auch nicht, wie Lovelock vorschlägt: Atomenergie). Sondern: Menschliche Dummheit. Wenn wir rausfinden, wie man Mentalfürze wie die Lovelocks in Strom umwandeln können, sind sämtliche Krisen der Welt lösbar. Hoffen wir also auch weiter auf den technischen Fortschritt.

Posted in Decline of a Nation, Nazivergleich. Comments Off on Decline of a Nation: Gaias Rache

Decline of a Nation: Baby, baby

Großbritannien ist uns einige Jahre voraus, was die frühkindliche Förderung angeht. Nun gibt es einen "Lehrplan" für 1-5-Jährige in Betreuungseinrichtungen, der  vorschreibt, dass der kleine Brite z.B. bis zum 11. Monat mit seinen Zehen gespielt haben, sowie Weinen, Plappern und Kreischen beherrschen soll. Spätestens im 26. Monat soll er "Gefühle ausdrücken" können, bis zum 50. Freundschaften haben, etc. Und:

At five, each child will be assessed against 13 scales based on the learning goals and their score, called an early years profile, must be passed to the Department for Education and Skills. (Guardian)

Das kann man dann später auch in die Bewerbungsmappe legen, á la: "Ich habe schon kurz nach der Geburt Führungsverantwortung übernommen. Meine Eltern waren mir von meiner Geburt im Januar 2007 bis Dezember 2008 vierundzwanzig Stunden am Tag unterstellt. Natürliche Autorität hat dies trotz geringer Körpergröße ermöglicht. Im early years profile erreichte ich dann auch Top-Punktzahlen." Vielleicht könnte man zu diesem Zeitpunkt auch gleich noch die Fingerabdrücke der Kleinen staatlich registrieren?
Ich bin nun wirklich keine Vertreterin der These, man solle Kinder bis zur Präpubertät nur mit biologischen Holzbauklötzen ohne Ecken sowie Tannenzapfen spielen lassen, zumal ich selbst mit fünf in die Schule gekommen bin (aufgrund meiner Annahme, die Grundschule wäre für ein Kind, das schon lesen kann, weniger öd als der Kindergarten – da wurde ich aber bald eines besseren belehrt; vermutlich hätte ich mich weniger gelangweilt, wenn ich bis zum Alter von 18 nur mit Playmobil gespielt hätte). Jedenfalls: ich finde, das geht irgendwie ein bisserl weit. Und wenn ich mir einige der Erziehungsziele anschaue, die die Kindlein bis zum zarten Alter von 5 (!) erreichen sollen, möchte ich darauf hinweisen, dass ich viele erfolgreich einer Berufstätigkeit nachgehende Erwachsene kenne, die diese Anforderungen nicht erfüllen:

Begin to move to music (soll man schon mit 26 Monaten können, ich kann es bis heut nicht)
Express feelings within warm, mutual, affirmative relationships (Man muss jetzt staatlicherseits Gefühle ausdrücken können? Wow. Reichen nicht auch kalte oder einseitige Beziehungen? Kommt, seid realistisch! Wir sind schließlich in Großbritannien…)
Show increasing control in holding and using hammers (…) (Au! Au! AAAAAAUUU ja Du verdammter Scheißhammer! – Na, das war dann zumindest "expressing feelings", oder?)
Complete a simple program on a computer. (Chef bei ehem. Praktikum: "Frau Cohu, drucken Sie mir doch bitte diese ganzen E-Mails aus!" – Antworten werden handschriftlich auf den Ausdrucken vermerkt und sind von Frau Cohu einzutippen sowie abzuschicken.)
Besonders schön aber, wie ich als Moralphilosophin finde – bis zum Alter von 5 (fünf!) soll man:
Understand what is right, what is wrong and have a conception of why this is.

Ich warte jetzt voller Spannung darauf, dass mir ein fünfjähriger Brite seine kohärente metaethische Theorie darlegt…ich habe bis jetzt leider noch keine solche herausgebildet. Naja, Entwicklungsverzögerung, würd ich sagen. Zumindest kann ich schon mit meinen Zehen spielen.

(Bild: Wikimedia Commons / Carin Araujo)

Posted in Decline of a Nation, Politisches. Comments Off on Decline of a Nation: Baby, baby

Katzenkontent

Endlich: eine Browserkatze für die, die Katzeninteraktion zur Konzentrationssteigerung während der Arbeit nutzen wollen, aber keine Bürokatze zur Kollegin haben (für Hundeliebhaber gibts sogar einen gehorsamen Kläffer). Tierhasser können sich zumindest einen virtuellen Kaffee machen.

Posted in Internetz, Nichtmenschliche Tiere. Comments Off on Katzenkontent

Frau (fast) ohne Unterleib

Wo wir schon bei Abnormitäten sind – kleiner Tipp für den Photoshop-Praktikanten bei der "Matador": wenn man vom Covermädel einseitig etwa 10 cm wegschnippeln muss, damit sie zur "Traumfrau" wird, sollte man nicht vergessen, ihren Nabel PS-chirurgisch zu zentrieren. Seitlich versetzte Näbel führen bei Cohu zu ausgeprägter Gänsehaut vor dem Zeitschriftenregal, ebenso junge Mädchen, deren Schultern etwa 20 cm breiter sind als die Hüften (ernsthaft: ist das eine Kampfschwimmerin? Oder wurde ihr der Hüftknochen amputiert? Und ist der Nabel nicht auch noch irgendwie viel zu weit oben? Wenn die Dame tatsächlich aus Krankheitsgründen entstellt sein sollte, bitte ich meine Bemerkungen zu entschuldigen, das wäre dann allerdings ziemlich bewundernswert für "Matador"!)
Wer  noch Nachhilfeunterricht braucht, was die – nicht ganz realistischen, aber überzeugend schönen – Proportionen von Pinup-Girls angeht, sollte bei Gil Elvgren in die Lehre gehen (seit 1970 vermutlich SFW).

Decline of a Nation: Exhaust-ing

Menschen, die sich als "Auto-Fans" bezeichnen, waren Cohu schon immer suspekt. Autos sind große laute stinkende Blechhaufen, die die Innenstädte verschandeln, aber doch nichts, womit man sich in der Freizeit beschäftigen will! Dieser Brite geht sogar noch weiter: er ist Auto-Liebhaber im buchstäblichen Sinne. Man könnte jetzt daraus wieder schlimme Dinge über den britischen Nationalcharakter ableiten, aber Obacht: bei der sonderbaren Beziehung der Deutschen zu ihren Autos gibt es hierzulande vielleicht sogar einen größeren Prozentsatz von Blechfetischisten. Immerhin ist das wohl eine relativ CO2-neutrale Art und Weise, sich mit Automobilen zu beschäftigen.
Entsetzte Leser, die die Vorlieben des Herrn Donald für unnatürlich halten, kann ich beruhigen: Sex mit Gegenständen ist auch in der nichtmenschlichen Tierwelt weit verbreitet. Man nehme (ich spreche aus Erfahrung!) ein Kaninchen und irgendein Stofftier – Voilá! Schön auch die sog. Sexualtäuschungsblüten der der Ragwurz-Orchideen: sie sehen aus wie Bienen- bzw. Wespenhinterteile (siehe Abb.) und sondern auch dementsprechende Duftstoffe ab. Kommt ein Männchen der imitierten Art geflogen, wird es, wie Wikipedia das ausdrückt, "verführt" (und hilft im Idealfall, die nächste verführerische Orchidee zu bestäuben). Sex mit vergleichsweise unbelebten Dingen also schon im Insektenreich. Ich weiß es nicht, aber vielleicht kommt von dieser Geschichte her ja die Sitte, Kindern von "Bienchen und Blümchen" zu erzählen…
(Bild: Wikimedia Commons)

Cohu auf dem Weg zum Anarcho-Kapitalismus, heute: Papa der Nation

Wenn ich lese, dass "der Staat" etwas besser kann als Privatpersonen, und man deshalb letztere dazu zwingen sollte, sich diesem wunderbaren Gebilde von der Wiege bis zur Bahre unterzuordnen, fallen mir dazu eigentlich nur folgende Sachen ein:
– Krieg führen (Angriffs- oder Verteidigungskrieg)
– andere Formen der Außenpolitik betreiben (insbesondere protektionistische Wirtschaftspolitik)
– Rechtssicherheit garantieren (Zivil- und Strafrecht) unter Einsatz von bewaffneter Exekutive
Diese Dinge möge jeder dem Staat gerne und mit Freude überlassen.
Wer hingegen ernsthaft der Meinung ist, "der Staat" (nicht etwa: gute, engagierte Lehrer, selbstbestimmte, gut finanzierte Schulen, individuell abgestimmte Lehrpläne, sondern "der Staat") könne Kinder am besten erziehen, der sollte meiner Meinung nach erst gar keine kriegen, sich seinen überbordenden Paternalismus sonstwohin stecken und meinetwegen in Frankreich bleiben, wenn er es dort gar so toll findet. Hmpf.
Interessant in diesem Zusammenhang auch die steigende Beliebtheit von Homeschooling in Frankreich (es gibt dort, entgegen dem, was der "Krawattenmann des Jahres 2005" uns glauben machen will, im Gegensatz zu Deutschland keineswegs einen "konsequent" durchgehaltenen Schulzwang):

Besonders bemerkenswert: Viele Heimschüler sind Kinder von Lehrern. "Ich wollte meine Kinder nicht in die Schule schicken, nachdem ich sie von innen gesehen hatte", sagt Marcel von "Les Enfants d’Abord" und gibt sich als ehemaliger Lehrer zu erkennen. Ein anderer Lehrer, der immer noch in einer staatlichen Schule arbeitet und deshalb nicht genannt werden möchte, holte seine beiden Töchter aus dem öffentlichen System, nachdem er zwei Jahre dort gearbeitet hatte. (SPON)

Und wie wahnsinnig gut die gesellschaftliche Integration durch das Schulwesen in Frankreich funktioniert (ja auch ein Effekt, den man sich von der staatlichen Zwangsschule verspricht), sieht man hier. In diesem Sinne: ein Hoch auf "den Staat" und seine Erziehungskompetenz!
Ach, und wie sympathisch, dass ein Alt-68 inzwischen so mutig dazu stehen kann, dass ihm bei der eigenen Tochter schon mal "die Hand ausgerutscht ist", natürlich "nur ein einziges Mal" (verständlich: so selten, wie der vielbeschäftigte Wickert mutmaßlich alltägliche Erziehungsverantwortung übernommen hat, dürfte es für ihn schwierig gewesen sein, überhaupt passende Gelegenheiten zur Züchtigung der Tochter zu finden). Dazu dann noch der Kommentar: "Man sagt ja: Die Ohrfeige tut Vater oder Mutter viel mehr weh, als dem Kind, weil sie sich anschließend Vorwürfe machen." Schon das Idiom finde ich dabei so 50er-Jahre mäßig selbstgerecht und widerlich, dass ich Gänsehaut bekomme. Wah! Schluß! Sonst rutscht mir auch noch die Hand aus!

Posted in Politisches. Comments Off on Cohu auf dem Weg zum Anarcho-Kapitalismus, heute: Papa der Nation