Wenn Cohu noch einmal einen Artikel dieser Art lesen muss, wird sie, wie die Jugend heutzutage sagt, mega-aggro:
"Wir schieben endlose Schichten, sammeln Erfahrung, Erfolg und Geld."
Wir?
"Die Unternehmen suchen nicht uns, sondern 20-jährige Superhirne, die nach einem Blitzabitur binnen zwei Jahren promoviert und nebenbei fünf Jahre Berufserfahrung in 20 Ländern gesammelt haben."
Haha! Lustig.
"Wir übernehmen unbezahlte Praktika, schieben Überstunden, wir kommen gern auch mal am Wochenende rein und akzeptieren mickrigste Gehälter."
Aha, interessant, was wir so alles machen.
"Wollten wir nicht eigentlich nur arbeiten, um den nächsten Urlaub zu finanzieren? Wollten wir nicht jeden Club der Stadt von innen kennen? Hatten wir uns nicht auf das Gefühl gefreut, an einem einzigen Tag unfassbar viel Geld auszugeben für Dinge, die wir morgen schon nicht mehr brauchen?"
äh….vermutlich rhetorische Fragen. Noch mehr, nicht-rhetorische Fragen:
Der Aussage des Artikels ist natürlich zuzustimmen (obacht, Work-Life-Balance!). Aber: wann hat sich eigentlich diese idiotische Generationsschreibe eingebürgert? War es im Jetzt-Magazin, in Generation Golf oder in Neon? Inzwischen ist es schon bei den Frauenzeitschriften angekommen ("Warum haben wir so schlechten Sex?" – "Warum stehen wir auf Arschlöcher?") – Ist das die Sehnsucht nach dem Kollektiv, die da aus der individualisierten, unter- bis unbezahlten Dauerpraktikanten-Journaille spricht? Dieses ganze Ge-wir-e ist doch dermaßen abgedroschen, dass man es jetzt langsam mal wieder lassen kann. Journalisten, habt Mut zur Ich-Aussage. Und sobald man jedes "wir" durch ein "ich" ersetzt, ist der Artikel schon viel erträglicher, persönlicher, lustiger:
"Noch lassen mich die Türsteher in die Clubs, weil ich genau so jung bin wie die Gäste, die sie da drinnen haben wollen. Heute dauert der schlimmste Kater nur einen halben Tag – und, hey, sieht mein Hintern nicht richtig lecker aus in den neuesten Jeans?"
Ja, Frau Montag, so ginge es: ihr Hintern. Nicht unser Hintern.