Zeit verlieren

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Spül des Lebens

Ich kenne kein Gerät, das den Kontrast zwischen den Tiefen menschlicher Körperlichkeit und den Höhen humaner Geistestätigkeit, also den grundlegenden Dualismus unseres Wesens, unser Geworfensein in die Leere zwischen Geist und Materie, ja, man könnte sagen, das im Menschen vereinte Göttliche und Tierische, oder: den Widerstreit zwischem Konkretem und Abstraktem, derart treffend illustriert wie der Otohime-Geräuscherzeuger der japanischen Firma Toto. Bei Betätigung des Bewegungsmelders (rechts oben) ertönt aus dem Kästchen der Klang einer spülenden Toilette, und auch auf dem WC bleibt so zumindest oberflächlich die Illusion gewahrt, der Mensch sei ein reines Geistwesen.

(Bild: Wikimedia Commons. Hinter diesem Link versteckt sich übrigens auch die Antwort auf die Frage, wozu um alles in der Welt man den Otohime-Geräuscherzeuger brauchen könnte)

Sorry!

 Eva bei A. Dürer (via Wikimedia Commons)

Es ist offensichtlich: wir nähern uns dem Weltfrieden. Überall ist zur Zeit die Tendenz zu spüren, sich für die absurdesten Dinge zu entschuldigen. Die Nachfahren eines ehemals kannibalischen Papua-Stammes auf Neu-Guinea entschuldigten sich dafür, vier Missionare von der Insel Fidschi getötet und vor allem gegessen zu haben. Und der Dänische Kulturminister bekundete anlässlich eines Dublin-Besuchs sein Bedauern für die Vikinger-Überfälle auf Irland.  Erstaunlich: die Vorkommnisse liegen 137 bzw. an die 1200 Jahre zurück! Aber wenn man wirklich dauerhaften Frieden auf Erden schaffen will, muss man auch ganz vorne anfangen (sonst heißt es ja immer wieder "…aber du hast doch angefangen!").
Ich erwarte demnächst eine Entschuldigung der Römer für die Eroberung Raetiens (vor ca. 2000 Jahren). Als letzter Schritt ist eigentlich dann nur noch eine Entschuldigung aller Frauen für den Fehltritt Evas (s. Abb.) denkbar. Auf ein sorry von der Schlange können wir wohl allerdings lange warten.

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Auf vielfachen Wunsch:

Nun endlich mal ein Dodo auf Cohu’s Blog. Und zwar auf einer Bierdose der Marke "Bourbon", die ein geheimer Informant von der Insel Réunion mitgebracht hat.

Anscheinend handelt es sich dabei um das "Nationalbier" der Réunionesen, wie man hier nachlesen kann (wenn man Französisch kann. Ich glaube zumindest, dass irgendsowas in die Richtung dort steht). Besser bekannt ist das Gebräu schlicht unter dem Namen "La Dodo." Nicht zu erkennen ist leider ein am unteren Rand der Dose abgedrucktes (durchgestrichenes) Piktogramm, das eine sichtlich schwangere, durstig eine Dose leerende Dame darstellt. Man kann hoffen, dass niemand dieses Bild in dem Sinne interpretiert, dass "La Dodo" als wirkungsvolles aber schmackhaftes Kontrazeptivum anzuwenden ist.
Der Raphus cucullatus scheint mir übrigens besonders geeignet dazu, für Bier zu werben (besser als etwa ein Auerhahn oder gar ein Löwe): versetzt dieses Getränk doch ab der zweiten, dritten Dose die meisten Menschen in einen Geisteszustand, der dem eines Dodos nicht unähnlich sein dürfte ("Hui, da sind Menschen! Haha, die sind aber nett. Heute sind überhaupt alle Leute so nett. Ich plaudere mal mit ihnen. Hihi, lustige Keulen haben die dabei….").
Verschweigen sollte die Brauerei allerdings, dass die Dronte gerade aufgrund dieses etwas naiven Charakters schon 1681 ausgerottet wurde.

Cohu’s Allgemeine Verunsicherung

Spätestens seit der Fernseh-Doku über den sympathischen Bernd Stromberg, einem Schadensregulierer der Kapitol-Versicherung ("So .. wenn dir das Private unterm Arsch weg bröselt, wie son morscher Keks .. was haste denn da noch?? Da bleiben ja nur die Kollegen und wir sind ja hier praktisch sind wir hier ja eine große Familie.. ich bin der Vater, Erika ist die Tante, du bist die Tochter, sagen wir mal erste Ehe, adoptiert, dann können wir beide nämlich .. wär trotzdem kein Inzest.. nur rein platonisch natürlich.. Knick, Knack!"), jedenfalls sind Versicherungen jetzt ja ein richtig spannendes Thema. Cohu springt sozusagen auf den fahrenden Zug auf und präsentiert Euch zwei brandheiße Versicherungsthemen:
Als erstes hier mal eine Geschäftsidee aus Indien, die man in Anbetracht der Seltenheit von Fahrscheinkontrollen und angesichts der horrenden Ticketpreise auch mal im MVV-Gebiet anbieten könnte, nämlich die "Schwarzfahrer-Versicherung", die in Bombay gerne anstelle von Billets gekauft wird:

"No one actually buys a ticket, but you can buy ‘ticket insurance’ from private entrepreneurs who work at the entrance of the station.  The ‘ticket insurance’ is about half the price of a regular rail ticket.  It gives you a guarantee that, in the extraordinary event that you are booked by a railways inspector for taking a free ride, your fine will be paid.  A relative was once booked and the ticket insurer paid the fine exactly as promised." (Sydney Morning Herald, via Marginal Revolution)

Ich befürchte aber fast, dass jemand, der ein solches Geschäft in einem Münchner U-Bahnhof aufziehen würde, sich von den Herren in Grün noch schneller vorgeknöpft würde als ein Rastaman mit seltsam riechender Zigarette oder ein auf der Leo in die falsche Richtung fahrender Radler, und das will was heißen. Der Vertrag wäre sittenwidrig und die Versicherungssumme damit nicht einklagbar, oder was sagen die zahlreichen Juristen unter meinen Lesern dazu? Selbst wenn: Sittenwidrigkeit des zugrundeliegenden Vertrags muss, wie wir aus anderen Bereichen (außerhalb des Sperrbezirks) wissen, ja noch lange nicht der Todesstoß für ein Gewerbe sein.
Aber nun zu ernsteren Problemen, die durch Unter-Versicherung entstehen könnten:

"Nach dem Atomgesetz sind Schäden, die von deutschen Atomkraftwerken ausgehen, nur bis zur Höhe von 2,5 Milliarden Euro abgedeckt. Nur für einen Teil dieser Deckungsvorsorge müssen die Betreiber tatsächlich eine Haftpflichtversicherung nachweisen." (www.atomhaftpflicht.de)

Selbst eine Dyskalkulikerin wie Cohu kann sich an den, äh, mehreren Zehen des linken Fußes ausrechnen, dass die Schäden, die bei einem Atomunfall entstehen würden, ichsagjetzteinfachmal, um ein Vielfaches höher ausfallen könnten. Ich bin jetzt wirklich keine Atomkraftgegnerin, aber warum, in Gottes Namen, werden ausgerechnet Atomkraftwerksbetreiber von der Haftung befreit? Ist es wirklich so ‘ne gute Idee, für die Herren eine Anreizsituation zu schaffen, in der Sicherheitsmaßnahmen in Atomkraftwerken sich finanziell einfach nur bis zu nem gewissen Punkt lohnen? Da sich andere auch diese Frage stellen, gibt es eine Unterschriftenaktion für volle Haftpflicht, getragen u. A. vom Bund Naturschutz in Bayern und dem BUND  (auch online). Interessant finde ich diese Aktion insbesondere deshalb, weil sie m.E. nicht davon abhängt, dass man kategorisch oder ideologisch "gegen Atom" ist – es geht einfach um eine, wie der Ökonom so schön sagt, Internalisierung von Externalitäten, abstrakt gesehen um den Abbau einer monströsen Subvention für einen einzelnen Wirtschaftszweig, und sowas findet doch jeder gut. Also es sei denn, einer von Euch besitzt oder leitet ein Atomkraftwerk. In dem Fall würde ich verstehen, dass er nicht unterschreibt; ihn aber dringend bitten, sich um die Sicherheit in seiner Anlage zu kümmern statt hier am hellichten Vormittag idiotische Blogs zu lesen!

(Bild: Wikimedia Commons)

Der Krieg ist der Vater aller Dinge

Dass der Krieg heute nicht mehr aussieht wie vor hundert Jahren, ist gemeinhin bekannt. So ist es in von Krieg betroffenen Regionen größtenteils gar nicht mehr nötig, erstmal große Mengen von jungen, hoffnungsvollen Leuten einzusammeln und auf (Ab-)Schlachtfelder zu transportieren, wie noch im ersten oder zweiten Weltkrieg – dank denzentraler Methoden ist es heute möglich, das alles vor Ort, auf dem Marktplatz, vor der Moschee, in der Schule zu erledigen. Die mühsamen Unterscheidung zwischen Zivilist und Soldat spart man sich größtenteils auch (Stichwort  "Enemy Combatant"). Selbstmordattentäter sind wohl die effizienteste Form überhaupt, dem Feind zu begegnen, und haben sich deshalb auf dem globalisierten Markt der Gewalttaten durchgesetzt. Was man dadurch an Ausbildungs-, Bekleidungs- und, nicht zu vergessen, Ruhestands- und Sozialzahlungen spart!
Aber die strategischen Errungenschaften der Kriegskunst beschränken sich nicht auf diese "Zivilisierung" des Krieges. In den Nachrichten der letzten Tage ist nämlich auch von ganz neuen Methoden die Rede. Im Irak verbreitete sich das Gerücht, britische Besatzungstruppen hätten menschenfressende Dachse, ja, richtig gelesen, menschenfressende Dachse,  in der Nähe von Basra ausgesetzt, um Panik auszulösen. Der Honigdachs (s. Abb.) siehr zwar drollig aus, aber wird bis zu einen Meter lang und hat unschöne, scharfe Klauen an den Vorderpfoten, die er zu benutzen weiß – nicht nur gegen Vieh, sondern auch, wenn Menschen ihn in die Enge treiben oder auf dem Falschen Fuß erwischen. Um das Gerücht zu zerstreuen, britische Truppen hätten diese ungemütlichen Gesellen (die im Irak heimisch sind) in der Basra-Region ausgesetzt, äußerte ein Militärsprecher dann einen für seine Funktion wohl einmalig lustigen Satz:

"We can categorically state that we have not released man-eating badgers into the area." (BBC News)

Was die Panik mutmaßlich ausgelöst hat, war übrigens dieser Artikel auf der Seite "NewsBisquit", Die eher satirische Natur dieser Publikation ist trotz deutlicher Anzeichen wohl nicht jedem gleich aufgefallen.

Bizarrer ist dann wohl nur eine angebliche Meldung der iranischen Nachrichtenagentur IRNA: der iranische Geheimdienst hätte14 Eichhörnchen festgenommen, weil sie im Grenzgebiet Spionage verübten. Ausgestattet waren sie sogar mit "Spionagewerkzeug" (vermutlich kleine Zeitungen mit reingeschnittenen Augenlöchern, um unauffällig die Atom-Anstrengungen Persiens zu verfolgen?). Schade, dass ich bei der IRNA selbst gar nichts dazu finde (vielleicht hab ihr mehr Glück). Sollte man man sich da in Israel nur einen Scherz erlaubt haben, ist er jedenfalls ganz gut gelungen, finde ich. (Aber was heißt "westliche Mächte"? Dass die Eichhörnchen selbst die Weltherrschaft anstreben, ist lange bewiesen!)

Scotland the Brave

Ich will den Mut des schottischen Taxifahrers, der sich mit einem der Glasgower Terroristen anlegte, keinesfalls in Abrede stellen. Aber davon mal abgesehen – das ist ja wohl die geilste Schlagzeile ever:

Da kann "Schwabing: Baggerfahrer verfolgt Dönermann" nicht mal ansatzweise mithalten…

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Insel der Seligen

Falls jemand vor hat, mir einen Urlaub zu spendieren: ich möchte gerne hier hin! Habe die wunderschöne Kanalinsel Sark vor ein paar Monaten zufällig bei einer (vertippten) Suche nach "Sarko" gefunden und bin ihren Reizen erlegen. Die Größe von 5 Quadratkilometern kommt meiner nicht gut ausgebildeten Orientierungsfähigkeit entgegen. Autos sind verboten. Added Bonus: auf der Insel gilt übersichtliche Lehensherrschaft, sie ist über 40 bewaffnete  und ungewählte "Tenants" direkt der Britischen Krone und nicht der EU unterstellt (wobei sich momentan ein politischer Systemwechsel hin zur Demokratisierung vollzieht – also praktisch eine Revolution, wo findet man das noch in Europa? Leider eine Revolution, die nicht vom Volke, sondern von der EU ausgeht, bei weitem nicht so sexy…). Und natürlich hats dort massig interessante Seevögel, Meeressäuger und Fische sowie eine endemische Spitzmausart.
Leider wird es aber aufgrund der gesalzenen Preise auf diesem Eiland auch dieses Jahr wieder nur Türkei für Cohu. Ich hoffe ganz selbstlos, dass der Meeresspiegelanstieg Sark zumindest noch so lange verschont, bis ich mir einen Urlaub dort leisten konnte.

(Bild: Wikimedia Commons)

Extreme

Brrrrr, wäre dank eiskalter Sturmböen bei längerem Warten auf die Tram gerade beinahe erfroren. Trotzdem muss ich sagen, dass ich ganz froh bin, im Gegensatz zur IT nicht gerade in Thessaloniki zu weilen…

Landeskunde

Unsere Gastgeber haben uns auf dieses interessante Lied über Brandenburg aufmerksam gemacht. Da lernt man eigentlich alles, was man über dieses Bundesland wissen muss.