Schwarz-Weiß-Denken

Ralph Giordano hat in einem Rundumschlag gegen aufmüpfige Muslime, die jetzt auch noch die in Deutschland herrschende Religionsfreiheit schamlos ausnützen und Moscheen bauen wollen (!), burkatragende Frauen als "menschliche Pinguine" bezeichnet, die seine "Ästhetik" "beschädigen und stören."

 Pinguin, beliebte menschliche Nachahmer

Nun. Inhaltlich will ich mich gar nicht in die Debatte (?) einmischen, nur bei der Wortwahl hätte ich Herrn Giordano, der doch immerhin etablierter Schriftsteller ist, etwas mehr Geschick zugetraut: erstens ist es allgemein bekannt, dass Pinguine sehr ästhetische und auch moralisch vorbildhafte Tiere sind (siehe "Reise der Pinguine"). Sie sind reinlich, schön anzusehen, aufopfernde Eltern und vorzügliche Schwimmer. Schon also solche eignen sie sich nicht als Metaphernfutter für beleidigende Bemerkungen. Zweitens müsste man dem Herrn Intellektuellen evt. mal ein Bild eines Pinguins zeigen (siehe Abb.). Der Pinguin trägt einen weißen Latz und erinnert daher mitnichten an Burkachicks, sondern vielmehr an (katholische!!!) Nonnen und (westliche!!!) Dirigenten bzw. Pianisten (s. Abb.). Will Herr Giordano solche "menschlichen Pinguine" auch aus dem Straßenbild verschwinden sehen? Sollen Konvente und Konzerthallen geschlossen werden? Und Linux vielleicht auch gleich noch verboten, nur wegen der Abneigung gegen Sphenisziden? Ich weiß ja nicht…wer Pinguine so sehr hasst, dem kann ich eigentlich nur noch dieses Killerspiel empfehlen.

(Hier gibt’s noch einen Audiolink zu einem Interview mit Giordano, das heute morgen meine absolute Radiolieblingsjournalistin Elke "Ich-stelle-hier-die-Fragen" Durak geführt hat – ca. 9 unterhaltsame Minuten.)

(Bilder: "Tux": Larry Ewing, Simon Budig, Anja Gerwinski; Wikimedia Commons. Nonnen: Wikimedia Commons, Dirigent Charles Lamoureux: Wikimedia Commons).

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