Glücklich ist, wer vergisst, dass Statistik schwierig ist

Gestern hatte Cohu die Ehre und das Vergnügen, im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Siemens-Stiftung einem Vortrag des sehr sympathischen und (hörbar) schweizer Ökonomen Bruno S. Frey zum Thema "Glück – was sagt der Ökonom dazu?" beizuwohnen. Damit Ihr, die Ihr von den atemberaubenden Ergebnissen der ökonomischen Glückswissenschaft bis jetzt nix mitgekriegt habt, eine Vorstellung davon bekommt, welch bahnbrechende Arbeit auf diesem Gebiet geleistet wird, hier mal einige interessante Zusammenhänge:
– Leute, die in Ländern mit höherem GDP und freiheitlichen politischen Systemen leben, sind durchschnittlich gesehen glücklicher als Menschen aus hungergebeutelten Terrorregimes
– Gesunde Leute sind glücklicher als Kranke
– Mehr Geld macht erstmal glücklicher (wenn ein sehr niedriges Einkommen sich erhöht), dann aber (nach Gewöhnung oder bei schon sehr hohem Standard) keinen großen Unterschied mehr
Und, für mich die größte und tiefgreifendste Erkenntnis des Abends:

Glückliche Leute begehen weniger Selbstmorde.

P.S. Weniger snarky gehts jetzt leider nicht, wenn dieser Herr Ökonom schon der Meinung ist, sich über die Philosophie lustig machen zu müssen, weil sie in 5000 Jahren "doch zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen gekommen ist", was die Frage nach dem Glück angeht. Genuin komplexe Fragen mit der Brechstange einfach zu beantworten (etwa, indem man jeden Zweifel an der Messbarkeit des Glücks mit empiristischer Überheblichkeit wegwischt)  ist halt  – das muss man sich von den Philosophen leider sagen lassen – auch keine Lösung.
P.P.S.: Irgendwie schwebte bei jeder dieser Studien das cum hoc ergo propter hoc störend im Raum. Eine Ausführung darüber, wie und mit welcher Autorität man von Korrelationen (z.B. bei Menschen, bei denen man viele soziale Kontakte feststellt, stellt man durchschnittlich eine hohe Lebenszufriedenheit fest) auf Kausalitäten (machen Freunde glücklich oder ziehen Glückliche Freunde an, oder beides, oder keins von beiden?) schließen kann, hätte Cohu sehr glücklich gemacht. Wo wird die Regressionsanalyse so erklärt, dass Cohu sie versteht?

(Bild: Wikimedia Commons, Eduard von Grützner: Fallstaff, 1921)

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