Decline of a Nation: Konsumkritik

Die britische Kampagne "Buy Less Crap" ruft  – auf den ersten Blick – dazu auf, sich von der Annahme zu verabschieden (Zitat) "…dass Shopping eine vernünftige Antwort auf menschliches Leid ist" (eine Ansicht, die ja leider von so vielen vertreten wird! Kaum seh ich einen Bettler, schon renn ich zu Prada, wie sonst sollte man dem armen Mann helfen?). Ausserdem möchte man zu "insgesamt weniger Konsum inspirieren."
Auf den zweiten Blick geht es dann doch um die Vermehrung von Konsum, wenn auch um den anderer Menschen: durch wohltätige Organisationen sollen Medikamente gegen AIDS, TBC und Malaria verfügbar gemacht , Information über Krankheiten wie Alzheimer, Autismus, und Diabetes an den Mann gebracht und die Hungernden der Welt mit Nahrung versorgt werden – es geht um Konsum, wenn auch natürlich den der akzeptablen Art.
Auf den dritten Blick hat es die (übergeordnete) Kampagne "Product (red)" allerdings doch wieder auf den übermäßig hedonistischen Erstwelt-Verbraucher abgesehen: I-Pods, Handys und Kreditkarten werden nämlich, rot gefärbt, an die Geldsäcke der ersten Welt vertickert, um den Armen der Dritten Welt den Konsum von retroviralen Medikamenten und Maisbrei zu ermöglichen (hier eine Übersicht). Das wirkt nett, ist aber gar nicht so gemeint, nach dem "Manifest" der (red)-Kampagne hat letztere nichts mit Charity zu tun, sondern ist "nur ein Geschäftsmodell". Und Bono steckt da auch irgendwie dahinter, hinter der "Roten Revolution".
Warum man nicht nur einfach was spenden kann, verstehe ich nicht. Vielleicht deshalb: Konsum, durch den man gleichzeitig, nach außen deutlich sichtbar, die Meinung vertritt, dass Konsum eigentlich Scheiße ist, entspricht der ultimativen postmodernen Masche, die andernorts als  "These-Antithese-Synthese" bekannt geworden ist. Analoges Beispiel: der neue Sexy-Feminismus im Gewand z.B. der Pussycat-Dolls. Arschwackeln für die Jungs, gleichzeitig darüber singen, dass Arschwackeln für die Jungs Scheiße ist, und mit dieser Kombination massig Geld verdienen: Hegelsche Dialektik in Reinform!

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