Leistungssteigerung

Mann, mann, den ganzen Tag dieses Sportfestgeplapper im Radio! Muss ich wirklich im Viertelstundentakt darüber informiert werden, wer jetzt wieder zur Urinprobe musste und wieviele rote Blutkörperchen irgendeine Reit-im-Winklerin hat? Obwohl sie ja ganz sympathisch ist, die Dame (siehe Abb. links, unschuldige weiße Bluse). Die IT hat sich sogar kurzfristig in sie verliebt, aber beim ersten O-Ton der Sportlerin war diese hormonelle Aufwallung sofort vorbei, sozusagen eine dialektische Entwicklung.

Also jetzt, egal, ich will von Körperflüssigkeiten nichts mehr hören!
Wir brauchen in der Dopingfrage also eine für alle Seiten befriedigende Lösung . Julian Savulescu von der Oxford University, dessen denkwürdiges Seminar zu “The Future of Humanity” ich zu besuchen 2004 die Ehre hatte, schlug in diesem Aufsatz vor, Doping zu erlauben, und stattdessen nur noch Gesundheitstests durchzuführen. (Er selbst sieht übrigens, ganz am Rande, für einen Philosophieprofessor außergewöhnlich sportlich und, äh, gesund aus, siehe hier, also, nicht, dass ihr Euch da jetzt so einen theoretischen Seminar-Wuzi vorstellt, nein, das ist ein genuiner australischer Surfer!).

Savulescus Argumentation: 1. Doping wird es eh immer geben und 2. die Grenze zwischen Doping und erlaubter Leistungssteigerung ist total schwammig und inkonsistent (siehe dazu auch William Saletan in Slate). Das gefällt mir gut! Vorteile: durch effektivere Leistungssteigerung hätte der Sportfan mehr Rekorde zu bewundern. Aufgrund sinnvollerer Kontrollen müsste ich mir nicht anhören, wie es um das Blut alpenländischer Schönheiten bestellt ist, es sei denn, sie stünden kurz vor dem Herzinfarkt. Ja, mag schon sein, dass dann in der Anfangsphase ein paar Sportler es zu gut meinen mit den leistungssteigernden Substanzen, aber: aus Schwarzenegger ist auch noch was geworden, und: Turin war doch schon immer die Stadt der Selbstmörder…

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