Kindisch

„Ich kann mich doch auch nicht abends im Internet verstecken, sondern muss meine Schüler immer von Angesicht zu Angesicht beurteilen“, sagt die einunddreißigjährige Deutsch- und Ethiklehrerin. „Dieses anonyme Mütchenkühlen finde ich unreflektiert und pubertär.“ (Faz.net zur Lehrerbewertung im Internet)

Wenn einem an einem guten und offenen Verhältnis zu pubertierenden Schülern gelegen ist, wäre es vielleicht (gerade für eine Deutschlehrerin) eine gute Idee, mal etwas an der eigenen Ausdrucksweise zu feilen. Wie wäre es zum Beispiel damit, das Wort "pubertär" nicht als Schimpfwort zu verwenden…?

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“I can’t tell you that, because I’m not God, am I?”

“…I move in with a high school teacher who also does a little plumbing on the side, who ain’t much to look at, but who’s built a special kind of refrigerator that can turn newspaper into lettuce. Everything’s going good until that delivery boy shows up and tries to knife me. Needless to say, he burned the house down, and I hit the road. The first guy that picked me up asked me if I wanted to be a star. What could I say?” (NY Mag: The Ten Most Incomprehensible Bob Dylan Interviews of All Time)

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Mega-Enttäuschung

“Wer auf einen “Brennpunkt” nach der “Tagesschau” gewartet hatte, wurde enttäuscht. Eigentlich unverständlich. Denn was, wenn nicht dieses Mega-Ereignis, hätte einen “Brennpunkt” gerechtfertigt? (Abendzeitung)

Berechtigte Frage – ich schätze, bei den Nachrichtenagenturen ließen sich an die 150 Meldungen finden, die einen Brennpunkt eher gerechtfertigt hätten. Andererseits: aus alter Brennpunkt-Tradition heraus muss man doch eigentlich immer einen Brennpunkt machen, wenn der Zeiger bis zum Anschlag auf “Alles, was wir wissen, kam grade schon in den Nachrichten” steht, nach dem Muster

Moderator: “Wir schalten jetzt zu unseren Korrespondenten nach X, der uns vor Ort LIVE vom Geschehnis Y berichten wird – Herr Z, können Sie uns hören…???”
(Knacksen und Rausche, Korrespondent Z, idealerweise abgerissen/mit einer beigen Korrespondentenweste bekleidet/unrasiert irgendwo rumstehend, mit der Technik und dem Schlaf kämpfend. Einige Minuten vergehen, bis die Leitung steht…]
Korrespondent Z: “JA – HALLO! – ALSO AUCH HIER IN XYZ BERICHTEN ALLE MEDIEN ÜBER DAS GESCHEHNIS Y – BIS JETZT KÖNNEN WIR NOCH NICHT MEHR SAGEN ALS… ”
(Leitung bricht zusammen, Korrespondent spricht noch einige Minuten ohne Ton, zurück im Brennpunkt-Studio…)
Moderator: “Danke, in der anderen Leitung haben wir jetzt den Experten A, der seit Jahrzehnten mit ebendiesem Thema befasst ist – Herr A, ist es eventuell möglich, dass Ereignis Y sich so und so zugetragen hat????”
(Brüchige Telefonstimme, dazu ein Archivfoto von einem älteren Herrn)
Experte A (genervt): “Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es vollkommen spekulativ, irgendetwas darüber zu sagen, wie sich Ereignis Y zugetragen hat.”
“Wir halten Sie auf dem Laufenden, liebe Zuschauer. Mehr aktuelle Meldungen zum Geschehnis Y gibt es im Brennpunkt um 21:15. Im Anschluss folgt die Serie “Die Landärztin”.”

Das wäre ja wohl mindestens drin gewesen, oder?

Helden des Alltags

Die findet man in der Konstruktion – nämlich der eines Gebäudes, das den selbst schon eigenlich unglaublichen Hoover Dam noch um Vielfaches an Wahnwitz und Eleganz übertreffen wird – Betonporno mal wieder, liebe Leser!

Und man findet sie in der Dekonstruktion – in der heroischen Gestalt von

"…Denis Scheck, der nach Lektüre bekannte, es entstehe beim Lesen „ein Geruch nach Schweiß wie in der Umkleidekabine eines Fußballoberligisten nach der Halbzeitpause“. (FAZ.net)

Herr Scheck rangiert bei mir direkt nach Frau Durak, übrigens. Also, wenn Euch aus dem Küchenradio dieser Schecklinger mal wieder, Harmlosigkeit vortäuschend, melodisch entgegenschwäbelt: aufgehorcht, das wird ein Spaß!

Die Gefahren des Internet und ein praktischer Vorschlag zur Abhilfe.

Finde ich in düst’ren Foren
ein Rezept für Bombenbau
fühle ich mich auserkoren
und notiere es genau.

Lese ich: "Fight on, White Power!"
ist die Toleranz dahin
Mein Umgangston wird deutlich rauer
weil ich jetzt ein Nazi bin.

Stoß’ ich dann auf Porno-Kinder
werd’ ich – Zack! – zum Bösewicht
Sind die Jahre noch so minder
Mich Zufallsnutzer stört es nicht.

Des Menschen Geist ist nicht verlässlich:
Krankes macht ihn ungesund
Sieht er Böses, wird er hässlich
angesteckt von Schmutz und Schund.

Für Netz-Hygiene tut drum alles
macht die dunklen Ecken hell
Und, im Falle eines Falles,
Verbietet schlicht HTML.

Voll gültiges Plebiszit

In der SZ stehen ja immer wieder ganz überraschende, aber doch mit apodiktischer Bestimmtheit vorgetragene Einsichten (etwa, dass über die Hipsterschwemme in der Maxvorstadt alle glücklich sind).

Besonders nett und politisch vielleicht ein bisserl relevanter ist aber das da:

"Ahmadinedschads Mehrheit"

Da schau her. Dann ging ja doch alles mit rechten Dingen zu – und das hat Herr Chimelli sogar schon vor zehn Tagen in markerschütternder, absoluter Sicherheit gewusst! Na dann. Revolution ist abgesagt, würd ich mal sagen. Geht’s heim, es gibt nix zu sehen.

(Gefunden in der Hopfen-Post, dem Politikblog der AZ)

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Kreativer Gegenschlag

In einer Kultur, in der freie Meinungsäußerung nach Art des First Amendment verstanden wird, kann man Nazis nicht mit plumpen strafrechtlichen Mitteln begegnen: man braucht etwas mehr Kreativität. Als daher eine Neonazigruppe in der amerikanischen Stadt Springfield die Patenschaft für einen Highway übernahm, konnte man sich dagegen nicht direkt wehren, denn, so berichten die Buffalo News:

"…membership in the Adopt-A-Highway program can’t be denied because of a group’s political beliefs."

Stattdessen überlegte man, was die Nazis wohl besonders ärgern würde:

"Lawmakers responded with an amendment to a large transportation bill that would rename that section of road after Abraham Joshua Heschel, a rabbi who narrowly escaped the Nazis in World War II and later marched with the Rev. Martin Luther King Jr."

Insgesamt ein wirklich kreativer Gedanke. Die Bedenken der Tochter des Rabbis, der Name ihres Vaters würde dadurch instrumentalisiert und in den Schmutz gezogen (und der Highway von trotzigen Nazis vernachlässigt), kann man allerdings auch nicht ganz von der Hand weisen…

(Um welche Organisation es sich bei den wohltätig müllsammelnden Nazis genau handelt, ist in Deutschland nur nach umständlicher Überwindung eines Google-Suchergebnisfilters via Chilling Effects herauszufinden. Vielleicht sollte man hier auch ein paar warnende Stoppschilder aufhängen, damit nicht unbescholtene Zufallsnutzer durch Stolpern über Nazipropaganda flugs selbst zu Nazis werden…)

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3…2…1…meins

Um den Titel “Geschmackloseste AdWord-Werbung aller Zeiten” gibt es ja einige Bewerber. Das hier aber scheint mir ein besonders heißer Kandidat zu sein!

(Bei ebay finden sich im Übrigen tatsächlich Sachen – nicht pornographische, sondern wissenschaftliche – unter dem Stichwort, was mir zu der erstaunlich verspätenen Erkenntnis verhalf, dass es den gefürchteten ebay-Wortfilter schon seit 2003 nicht mehr gibt. Endlich kann Cohu sich eine Haarschneidemaschine sowie einen Cafetisch kaufen – und darauf Tyrannen-Quartett “Mao Hitler Stalin Franco” spielen!)

Weltbeschwerde

"People like to complain. People like to sing. If you do it at the same time, that’s a Complaints Choir."

(oder über YouTube)

Sufflogik

"Sorge bereitet der Polizei, dass bei der schweren und gefährlichen Körperverletzung gut ein Drittel der Beteiligten angetrunken war." (AZ)

Also ich finds ja eher besorgniserregend, dass fast zwei Drittel der Täter stocknüchtern waren…

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