Nun gibt es bei Smithsonian Folkways noch eine sehr schöne Version eines daran angelehnten Liedes des mit Fuller befreundeten Baby Tate: See what you done done (mp3), mit der schönen Zeile: She got great big legs shaped like Georgia ham. Die Aufnahme aus dem Jahr 1977 stammt vom gerade erschienenen Album Classic Appalachian Blues, dessen Erwerb Cohu den Bluesfans unter ihren Lesern nur empfehlen kann. Bei Amazon (und iTunes, nehm ich mal an) kann man es für 9 Euro herunterladen. Das gewohnt ausführliche Booklet gibt’s hier als pdf.
Äh, und wenn man weit genug nach Osten geht, kommt irgendwann Rory Gallagher, 1972:
Das Original stammt von Tony Orlando (eigtl. Michael Anthony Orlando Cassavitis), einem amerikanischen Halbgriechen, bei dem sich die einschlägige Forschung auch heute, fast 40 Jahre post factum, immer noch nicht sicher ist: was war das größere Verbrechen, der Schlager oder der Schnauzer?
Und die Fälschung (akustisch tendenziell NSFW):
[Eine gelbe Schleife, yellow ribbon, ist in den USA traditionell ein Symbol der Erinnerung an und Unterstützung von auswärtig stationierten Angehörigen des Militärs. Soldatenfamilien und andere Patrioten schmücken damit gerne ihre Mailbox oder ihr berüchtigtes Sports Utility Vehicle.]
In Vorbereitung auf ihren baldigen Umzug in die Heimatstadt der politischen Hippiebewegung hat Cohu sich schon mal auf die Suche nach den schönsten Protestliedern gemacht. Hier die drei mit den tiefsten psychosoziopolitischen Einsichten:
Trotz meiner neuronalen Vorliebe für Tom Lehrer und meiner hormonellen Vorliebe für Hugh Laurie gefallen mir die Asylum Street Spankers eigentlich am besten.
Die Grinsekatze, engl. cheshire cat fehlt auch noch in dieser frühen Version. Wikipedia liefert als eine mögliche Erklärung für ihren seltsamen Namen diese katzenartige Wasserspeierfratze (s. Abb.)
Und als wäre das nicht genug: hier noch die erste Filmversion der Alice, aus dem Jahr 1903 (8 Minuten). Man beachte die Grinsekatze um die 5. Minute herum. Modernste Filmtechnik!
Aserbaidschan, hä? Ich hatte (vor pflichtschuldiger Lektüre des Wikipedia-Artikels) nicht mal eine vage Vorstellung von diesem seltsamen Land, aber man lernt nicht aus. Zum Beispiel gibt es in Aserbaidschan sehr schöne Improvisationsmusik – den Mugham -, und irgendwann ist mal einer drauf gekommen, die in Jazz umzusetzen. Ladies and Gentlemen: Vagif Mustafazade (am Piano) beim Jam in Tiflis, 1978, aber ganz frisch auf Youtube.
(Falls jemand zweifelt, ob er sich diesen zweifelhaften Schnauzbartträger wirklich antun soll – B.B. King hat angeblich einmal zu ihm gesagt: “Mr. Mustafazade, they call me the ‘King of the Blues,’ but I sure wish I could play the blues as well as you do.”)
“Der Seniorenteller dreht sich schon am Horizont. Die Haare werden lichter, die Weine schwerer, im Autoradio läuft plötzlich Bayern 1, und man hat es nicht mal bemerkt. Aber manchmal, wenn der Föhn am Fenster reißt, dann glüht wieder die Lava unter der Asche. Die Männer können noch schmelzen und die Frauen noch schwärmen. Wer nicht auf Feng Shui schwört, spielt jetzt noch einmal den Drachentöter auf dem Mountainbike. Denn zwischen fünfzig und sechzig wird es noch einmal richtig heiß und kalt – die „fliegende Hitze“ hat Mann und Frau voll erfasst.”
Das Kabarest-Trio (Cohu berichtete) hat ein neues Programm – diesmal geht es um’s Älterwerden. Wie gewohnt amüsant und charmant, wie Cohu, die natürlich der Premiere am Dienstag beiwohnte, bestätigen kann. Älter werden wir schließlich alle…hoffentlich bleiben wir dabei so gut gelaunt!
Zusätzlicher Bonus: das Heppel&Ettlich ist umgezogen ins Drugstore in der Feilitzstraße, ein Etablissement, das ich vorher noch nie betreten hatte. Zu Unrecht, wie sich herausstellt: es hat einen enormen, eigentlich (im besten Sinne!) vollständig unmünchnerischen Charme. Die siffigen Siebziger (oder gar Sechziger?) sind hier noch lebendig, und man sieht förmlich vor sich, wie in ein paar Jahren, wenn das Lokal “wiederentdeckt” und gründlich gentrifiziert wird, hier die JegginsträgerInnen und sonstigen Pete Dohertys der Stadt ihre Wodkas bestellen werden (weiß jetzt aktuell nicht, was die trinken, aber Wodka scheint mir plausibel). Lustigerweise äußerte ich diesen Gedanken schon am Dienstag, und zwei Tage später erklärt uns doch tatsächlich unsere weltgewandte Lieblings-SZ-enejournalistin (Stichwort: “In SoHo oder im Meatpacking District in Manhattan fing es einst genauso an…”) in einem vielbeachteten Artikel:
“Denn dort, wo sich derzeit im Umkreis der Münchner Freiheit Dönerbuden, Boazn und Kleinkunstbühnen aneinanderreihen, dort, wo es derzeit etwas trostlos und schmuddelig aussieht, genau dort ist Platz für die Bohème des neuen Jahrzehnts.” (Requiem für das Glockenbachviertel)
Und ich hab da schon ein kleines Mineralwasser getrunken diese Woche! Cohu am Puls der Zeit!
Auf der Suche nach Jodlern aus aller Welt dürfen wir Mexiko nicht übersehen. Da gibt es nämlich die Huasteca (auch bekannt als Huapango). Neben wildem Gefiedel und Falsetteinlagen hat diese Musikform auch noch einen seltsamen Rhythmus, die Taktarten wechseln sich nämlich ab (ähnlich wie beim Zwiefachen).
Eine besonders nette Huasteca ist das Lied El Gustito – “Das Freudchen”, hier vorgetragen von den Mariachi Los Camperos aus Los Angeles:
Leider nur Audio, aber die sehen exakt so aus, wie man sie sich vorstellt, und für Geige und Gesang ist natürlich ein Jesús zuständig, nämlich Jesús “Chuy” Guzmán, das ist der gmiatliche Olibaträger in der ersten Reihe. Eine CD kann man bei Smithsonian Folkways downloaden.
Auf der Suche nach dem Text von El Gustito habe ich eine von Chuys Gesang leicht abweichende, aber besonders nette Version gefunden:
Cantando el gustito estaba
Cuando me quedé dormido
Cuando me quedé dormido
Cantando el gustito estaba
Ay la la la…
Mi mamá me depertaba
Yo me hacía el desentendido
Para ver si me dejaba
Otro ratito contigo
Ay la la la…
Dicen que el hombre casado
A bailes no va a gozar
A bailes no va a gozar
Dicen que el hombre casado
Ay la la la…
Pero se han equivocado
Porque él también sabe amar
Porque él también sabe amar
Nada más que es reservado
Ich kann zwar nicht Spanisch, würde das aber mit Google-Translate-Hilfe so übersetzen:
Ich sang “El Gustito”
als ich einschlief
Meine Mutter weckte mich
Ich tat, als hätte ich sie nicht gehört
damit ich noch ein wenig von Dir träumen konnte
Man sagt, ein verheirateter Mann
hätte beim Tanzen keine Freude
Aber das ist ein Missverständnis
denn er weiß zu lieben
Er ist nur diskret
Bis auf die andere Seite des Golfs von Mexiko ist diese Botschaft allerdings noch nicht vorgedrungen…
Zu Weihnachten bekam ich das Popup-Buch von Sam Ita, das ich schon ein ums andre Mal beim Goltz bewundert hatte. Wolf vom Moby-Dick-Blog widmet meinem Fundstück “One Drawing for Every Page of Moby-Dick” einen aufschlussreichen Eintrag (wobei aller Dank natürlich, wie so oft, meiner Lieblingscommunity MetaFilter bzw. Herrn synecdoche gebührt). Und gestern im Baader-Café schwärmte ein Herr am Nebentisch von einer Hörbuchfassung des Klassikers, die ihm eine tagelange Autofahrt regelrecht zur Walfangexpedition machte. Ich glaube, ich bin der Anti-Ahab. Der weiße Wal verfolgt mich!
Angeregt von der Playlist Unheilige Nacht drüben im Moby-Dick-Blog: zunächst mal eines meiner Lieblingsweihnachtslieder überhaupt, Twelve Days of Christmas. Da es auf Youtube keine schöne Version davon gibt, habe ich die erstaunlichste rausgesucht. Die stammt vom Youtube Community Choir und entspricht qualitativ einem durchschnittlichen Youtube-Kommentarthread,(*) nur, dass man die wunderlichen Menschen dahinter auch noch sehen und hören kann – der Wahnsinn also:
Aber Obacht, sagt jetzt der Freund angelsächsischer Kultur, was heißt hier “unheilig”? Die aufgelisteten seltsamen Weihnachtsgeschenke sind doch angeblich religiöse Symbole und ihre Aufreihung dient als Eselsbrücke für junge Katholiken, die im England vergangener Zeiten den Katechismus auswendiglernen wollten, dies aber aufgrund der Verfolgung ihrer Religion nur in abstrusen Chiffren wie Rebhühnern und Birnbäumen konnten. So hab ich das jedenfalls mal gehört. Unfug, sagt aber die Wikipedia, bzw. das darin zitierte Oxford Dictionary of Nursery Rhymes:
The meaning of “The Twelve Days of Christmas,” if it has any, has yet to be satisfactorily explained. “Suggestions have been made that the gifts have significance, as representing the food or sport for each month of the year. Importance [certainly has] long been attached to the Twelve Days, when, for instance, the weather on each day was carefully observed to see what it would be in the corresponding month of the coming year. Nevertheless, whatever the ultimate origin of the chant, it seems probable [that] the lines that survive today both in England and France are merely an irreligious travesty. (Wikipedia: The Twelve Days of Christmas)
…und damit für unseren Zweck des unheiligen Singens perfekt geeignet. Genauso wie dieses doch eher weltliche Lied, das allerdings wirklich nur für ganz besondere Anlässe geeignet ist:
Im Hause Cohu ist die Grippe ausgebrochen – natürlich ausgerechnet an dem Wochenende, an dem eine Parisreise geplant war. Grrrrr, oder soll ich sagen, GRUNZ!
Aber gut, mal ehrlich, Paris – wer will da schon hin. Der gebuchte Flug war unter Garantie verspätet, wenn nicht gar gestrichen. Und wenn ich noch einmal Die beschissene Welt der Amélie sehen muss, wird mir übel. Aber am schlimmsten, am allerschlimmsten sind die bescheuerten Chansons! Niemand belegt das überzeugender als musical genius and sex symbol Earl Okin:
Da bin ich doch froh, dass ich daheim geblieben bin. Noch was. Die momentan hartnäckig gehypten Maccarons sehen nicht so aus, als würden sie mir schmecken. Könnt Ihr alles behalten!
(Übrigens, lieber ZEIT-Autor, der Sie da über 2-Euro-maccarons schwärmen und reflexhaft klagen, wir Deutschen seien ja leider “nicht keks-sozialisiert” und nicht bereit, für Kekse Geld auszugeben – ich erkläre Ihnen das mal kurz: Wir brauchen deshalb keine Luxux-Firlefanz-Makronen einzukaufen, weil der bzw. die Deutsche eine Fähigkeit besitzt, für die er/sie weltweit beneidet wird: Plätzchen backen. Kommen Sie gerne vorbei und ich erklär Ihnen das bei einem Vanillekipferl, einem Spitzbuben, einer Bärentatze oder in Gottes Namen auch bei einer Makrone. GRUNZ!)