Towards thee I roll, thou all-destroying but unconquering whale

Zu Weihnachten bekam ich das Popup-Buch von Sam Ita, das ich schon ein ums andre Mal beim Goltz bewundert hatte. Wolf vom Moby-Dick-Blog widmet meinem Fundstück “One Drawing for Every Page of Moby-Dick” einen aufschlussreichen Eintrag (wobei aller Dank natürlich, wie so oft, meiner Lieblingscommunity MetaFilter bzw. Herrn synecdoche gebührt). Und gestern im Baader-Café schwärmte ein Herr am Nebentisch von einer Hörbuchfassung des Klassikers, die ihm eine tagelange Autofahrt regelrecht zur Walfangexpedition machte. Ich glaube, ich bin der Anti-Ahab. Der weiße Wal verfolgt mich!

…and I should know

“Die Gehirnwissenschaft ist intellektuell extrem anspruchsvoll. Dagegen ist das, was wir hier tun, simpel.”

So der Post-Chef und ehemalige Neurobiologe Frank Appel zur FAZ.  Ich glaube, das ist der perfekte Anlass, um noch einmal diesen grandiosen Sketch in Erinnerung zu rufen:

Erntedank

Endlich: die diesjährige Shortlist des Bad Sex in Fiction Award (Cohu berichtete) ist da! Und wieder habe ich in der, Zitat Literary Review, “reichen Ernte” der weitestgehend unerträglichen Passagen eine entdeckt, die mich meine Amazon-Wunschliste updaten lässt…der geneigte Leser wird glaube ich relativ leicht dahinter kommen, welche ich meine. (Hoffentlich liege ich nicht so daneben wie letztes Jahr, das hier war nämlich wirklich schrecklich.) Und: die Jonathan Littell-Passagen haben mich darin bestärkt, Die Wohlgesinnten auch weiterhin nicht zu lesen.

Bei Flavorwire findet man auch noch eine All-Time-Top-Ten-Liste mit berüchtigten Klassikern des Genres wie Ayn Rand, und auch Juwelen wie diesem hier:

“She moved her hips again and continued to fuck my lights out. I thought of Franklin Delano Roosevelt, who, the story goes, knew the instant he heard the name Adolf Hitler that he had brushed up against the reason he was born.”

Diese, äh, überraschende Hitlerreferenz vom ansonsten (zu Recht?) eher für seine Schauspielkunst bekannten Ethan Hawke könnte man für schlappe 7,95€ übrigens sogar in deutscher Übersetzung genießen, wenn man wollte.

Gibt es eigentlich einen vergleichbaren Preis für deutschsprachige Literatur? (Vermutlich nicht, Sex fällt ja unter ”Handlung”, und mit sowas macht man sich hierzulande eher unbeliebt…)

Just Say No

Also, dem Vatikan kann man’s aber auch nicht recht machen. Da schreibt eine überzeugte Christin einen phänomenalen, schätzingesken Welterfolgsbestseller mit Spaß, Spannung und was zum Spielen - ganz offensichtlich primär zu dem Zweck, Abstinenzpropaganda für Teenager zu machen, denn:

He and Bella are instantly, overwhelmingly attracted to each other, but he is also wildly hungry for her blood. Resisting that temptation is a constant struggle. Edward’s choice–and the willingness to choose a different way in general–is a major theme in Meyer’s books. "I really think that’s the underlying metaphor of my vampires," she says. "It doesn’t matter where you’re stuck in life or what you think you have to do; you can always choose something else. There’s always a different path." (Time Magazine: Stephenie Meyer: A New J.K. Rowling?)

…und dann warnt, angesichts der Verfilmung dieser ausgewiesenen Anti-Pornographie, der Filmexperte des Vatikan vor "Exzessen" und "Massenhysterie" und "Bildern, die eine totale Leere verbergen". Ihr Katholiken wisst doch auch nicht, was ihr wollt!

(Ich fand den Vampirschmarrn ja übrigens unerträglich und hab ihn, nachdem ich drei viertel des Buches mit einer Mischung aus Abscheu und Langeweile hinter mich gebracht hatte, absichtlich und aus Trotz im Hotelzimmer liegenlassen. Für die "erotics of abstinence" bin ich also wohl genauso wenig empfänglich wie der Vatikan.)
 

Zielgruppe

Der  jahrelang juristisch umstrittene Werbespot der taz, der jetzt doch ausgestrahlt werden darf, ist einerseits vollkommen harmlos, aber andererseits – und das ist viel schlimmer – doch irgendwie überhaupt nicht lustig. Eher extrem unsympathisch, würd ich jetzt mal sagen, ähnlicher Effekt wie bei den Mac vs.PC-Spots (Cohu berichtete). Seht selbst:

Aber andererseits, die taz ist damit ja ganz am Puls der Zeit bzw. der Zeit voraus. Denn mit diesem widerlichen Klassenkampf-von-oben-Ton machen sie sich bei der neuen Generation von FDP-Wählern sicher beliebt (und das sagt mit mir wohlgemerkt jemand, für den sowohl FDP-Wählen als auch taz-Lesen zumindest zur optionalen Lebenswirklichkeit gehört). Der Herr in Ballonseide scheint mir jedenfalls, so von der Konstitution her, in der Regel weit nach 11 Uhr aufzustehen… 

Klappentext

Das Schachbuch, das Cohu sich zur Verbesserung ihrer (bis jetzt nicht vorhandenen) Spieltaktik gekauft hat, wirbt mit den Worten

"Learn to think the same way Bobby does"

Ich hoffe jetzt mal, das ist nicht allzu wörtlich gemeint

 

(Bild: Bundesarchiv/Wikimedia Commons)

Männer damals und heute

Während Cohus Aufenthalt in der Sommerfrische empfehle ich zum Zeitvertreib die exzellente Seite stagmags.com (via Metafilter). In diesem Archiv finden sich Scans von amerikanischen Herrenmagazinen der 50er und 60er. Ein Genuss nicht nur für Freunde des Pin-Up, sondern auch aus kulturgeschichtlicher Perspektive sehr sehenswert: während heutige Männermagazine hauptsächlich asketisch/athletische Anleitungen für den Aufbau von Bauchmuskulatur und Karriere bieten, gabe es damals noch Richtige Männer, Echte Männer, Berichte aus der Natur, über politischen Extremismus, Ethnologisches, ferne Länder und Zoologie, ja, sogar Kleintiere und Kleinsttiere!

Zum Kontrast – was bietet die aktuelle GQ? Männerleggins und iPod-Krawatten. Ja servus!

Auf dem richtigen Weg

In der "Longlist" des diesjährigen Booker Prize findet sich u.a. das Buch "Me Cheeta: The Autobiography", die autobiographische Erzählung des berühmtesten Hollywood-Schimpansen aller Zeiten.

Ich darf nun, liebe Leser, darauf hinweisen, dass Eure Cohu – stets sozusagen am Puls der Zeit entlang trendsettend – schon im 2008er NaNoWriMo ein verdächtig ähnliches Thema  bearbeitet hat: die Geschichte eines Affen, und zwar eines Schimpansen (!) der große Erfolge erringt (!) und davon in his own words erzählt. Cohus Buch ist zwar zugegebenermaßen  weder gelungen noch veröffentlicht, aber eins muss man mir doch lassen: Ich hatte einen Riecher für das richtige Thema!

[Wer macht eigentlich dieses Jahr beim NaNoWriMo mit?]

Dem Regen trotzen

Das Bürgerfest in der Theresienstraße fiel zwar wie der bisherige Sommer so ziemlich ins Wasser, hatte aber doch seine Highlights. In den ausnahmsweise regenfreien Abendstunden aßen wir einen weltrekordverdächtigen Burger (Prädikat bestätigt durch einen amerikanischen Staatsbürger), serviert von der "schönsten Frau der Welt" (Titel verliehen von mehreren geschmackssicheren Herren der Cohu’schen Entourage).

Aber, worauf ich eigentlich hinaus wollte: habe dort das brandneue, druckfrische Büchlein "KulturGeschichtsPfad Maxvorstadt" abgestaubt, das auf dem Bürgerfest erstmals vorgestellt wurde. Eine sehr ansehnliche Broschüre von 96 Seiten mit ausfaltbarer München- und Maxvorstadtkarte und Wissenswertem zum Stadtteil – wußtet Ihr z.B., dass Franz Josef Strauß in einer Hinterhofwohnung der Schellingstr. 49 aufwuchs (heute ist das Nr. 47, Italiener "Arte in Tavola")? Früh übt sich:

"Aus dem der Metzgerei gegenüberliegenden traditionsreichen Schelling-Salon durfte der junge Strauß seinem Vater gelegentlich eine Maß Bier besorgen."

Auch viele interessante Fotos sind in dem Büchlein abgedruckt, z.B. von grasenden Pferden vor der in Schutt und Asche liegenden Pinakothek.

Mittlerweile gibt es neun dieser Broschüren, zu den Stadtteilen: Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt, Au-Haidhausen, Moosach, Ramersdorf-Perlach, Laim, Neuhausen-Nymphenburg, Schwabing-Freimann und Pasing-Obermenzing. Man bekommt sie entweder wie Cohu beim Stand des jeweiligen BA (=Bezirksausschuss) auf Veranstaltungen, in den Stadtteilbibliotheken, im Kulturreferat (Burgstr. 4.), oder hier als pdf.

Abklatsch

Dass die deutsche Presse gerne mal abschreibt sich gerne mal "inspirieren" lässt von den Erzeugnissen amerikanischer Kollegen, ist ja nix neues. Aber warum das SZ-Magazin fast drei Monate braucht, um diesen Scherz von Slate zu kopieren, ist mir ein Rätsel…vermutlich, weil alle lustigen Witze wie "Barack Obama added prosecuting torturers to interests — Barack Obama deleted prosecuting torturers from interests" schon vom Original aufgebraucht waren? Wenigstens in Studi-VZ-Optik hätte man’s ja wohl umbauen können…Gähn.

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