Mangelwirtschaft

Backspielhaus an der Ludwigstraße: schon zu. Backspielhaus Glückstraße: dito. Konditorei Erbshäuser: nix. Café Luidpold: erst nächsten Dienstag. Café Kreutzkamm: nix. Manufaktum-Bäcker: erwartungsgemäß nix. Dallmayr-Bäcker: alles weg.

Erst beim Rischart am Marienplatz Krapfen gefunden, “mit roter Marmelade” (Auwehzwick!). Ich habe langsam den Eindruck, bei Krapfen herrschen nicht die heilsbringenden Gesetze des Freien Marktes, sondern fehlgeschlagene Planwirtschaft. Krapfensozialismus. Deshalb heißen die ja auch Berliner!

Beschiss

Die schmeckt wie ganz normale Kuhmilch! (Schön auch: “Landmilch”. Im Gegensatz zur berüchtigten Stadtmilch, von auf Verkehrsinseln grasenden Kühen…)

Brot für die Welt

Weiß zufällig jemand, wo man in München Weizenmehl Type 1050 bekommt? So wie das da (unter "Type 1050") oder das da? Idealerweise in der Maxvorstadt? Im Tengelmann gibts das nicht und im Bioladen nur in der Vollkornversion… für sachdienliche Hinweise wäre ich sehr dankbar.

Fama crescit eundo

Was den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften angeht, deuten die Wett-Quoten momentan auf Eugene Fama. Da laut Famas Effizienzmarkthypothese von 1970 Märkte (und somit auch Wettmärkte), funktionieren, kann das Nobelpreiskommittee eigentlich nicht danebenliegen: Wenn Famas Hypothese stimmt, gewinnt er den Nobelpreis – wenn Fama den Nobelpreis nicht gewinnt, stimmt seine Hypothese nicht! (so erklärt bei Marginal Revolution).

Ein  lustiges Bild enthält außerdem eine andere Theorie Famas. Die Kursbewegung von Aktien lassen sich laut Fama als "random walk", also Zufallspfad, beschreiben – d.h. als Weg, bei dem die Richtung eines jeden einzelnen Schritts nicht von der Richtung der vorhergegangenen Schritte beeinflusst wird und also überhaupt nicht vorhersagbar ist.  "Random Walks" spielen auch in anderen Bereichen der Wissenschaft (z.B. Molekularbewegung) eine Rolle. Mathematisch Unbegabte stellen sich hier ein aus dem echten Leben gegriffenes Beispiel  vor -  den torkelnden Zufallspfad eines besoffenen Matrosen:

A "drunken sailor" stands in one of the two crossroads and he wants to leave the town. Since the sailor is very drunk, the probabilities of travelling up, down, left or right are equal. What is the probability for the sailor to reach each one of the six town exits? (The Drunken Sailor Problem, inklusive anschauliches Applet)
 

Das ist doch gleich ganz was anderes als die albernen verhungernden Esel oder neurotischen Barbiere, mit denen man’s in der Philosophie zu tun hat…

(Bild: 2D-Zufallspfad, Wikimedia Commons)

Neun Leben

Hoffentlich trifft es nicht zu, aber bei der momentanen Wirtschaftserholung fällt mir immer das schöne Bild des "Dead Cat Bounce" (Illustration hier) ein:

"Der Dead-Cat-Bounce (dt. Hüpfer der toten Katzen) ist eine Metapher des Kapital- und Börsenmarktes. Er beschreibt das Phänomen, dass in einem Börsenkrach der Aktienkurs oft nochmal einen Ausschlag nach oben nimmt, bevor er total abstürzt. Der Begriff kommt von dem englischen zynischen Sprichwort: “Even a dead cat will bounce if it is dropped from high enough!” (deutsch: „Selbst eine tote Katze wird hüpfen, wenn sie nur hoch genug fallengelassen wird!“). (Wikipedia)

Bildgebung

"Mit Fotos von Leichen, Raucherlungen, Tumoren oder kranken Kindern sollen Bätzing zufolge nun auch „Hardcore-Raucher“ erreicht werden."  FAZ.net: "Zigarettenschachteln von 2010 an mit Schock-Bildern"

Wasser auf meine Mühlen! Werbe ich doch schon lange dafür, Autos nur noch unter der Auflage verkaufen zu lassen, dass auf ihren Kühlerhauben und Sonnenblenden großformatige Fotos von blutigen Unfallopfern pappen. Memento mori, ihr Genusssüchtigen!

[Dass jedoch ab 2010 auf jedem Wahlzettel ein Posselt-Konterfei abgedruckt werden muss, um Wähler vor den Gefahren der repräsentativen Demokratie zu warnen, ist nur ein böses Gerücht.]

Begegnung mit dem Bösen

Was macht man an einem ungemütlichen, einsamen Freitag dem Dreizehnten? Richtig – man wirft einen Blick auf die Dunkle Seite…einen Blick auf die Abgründe der Zivilisation, auf den Schrecken, ja – auf das Böse selbst. Letzteres ist bekanntlich banal, der Weg zu ihm führt daher estmal in den Tengelmann. Man weiß, man ist auf dem richtigen Weg, wenn schon die Kassiererin beim Einscannen fragt: "Igitt! Wollen Sie das echt essen – das sind ja…iiiiiih!"

[An dieser Stelle hat sich der Leser einen Soundtrack vorzustellen, in etwa so wie Track 17]

In Salz- und Essiglake eingelegte gekochte Eier. Simpsonsfans werden sie aus Moe’s Bar kennen, wo sie wohl schon seit den siebziger Jahren in einem großen Glas auf der Theke stehen. Soleier sind in unserer entfremdeten Zivilisation der Inbegriff des Abstoßenden – das kann man schon daran sehen, wieviele Hundertschaften von verwirrten Teenagern Videos von "Pickled Egg Challenges", also Soleier-Mutproben, auf die Tube stellen. Diese Dinger müssen ja geradezu unvorstellbar widerlich sein – aber wir lassen uns nicht abschrecken, so schlimm wirds schon nicht werden (bei der chinesischen Variante kneifen ja sogar die Furchtlosesten!).  Aber gut, das kommt natürlich für Cohu nicht in Frage. Nach kurzer Geruchskontrolle flugs eins der Eier rausgeholt – ich hatte ja eher so eine wabbelige Kuh-Augapfel-Konsistenz und -Größe erwartet…

…aber das Ei ist erstaunlich fest und sehr klein. Vermutlich die gleiche optische Täuschung, die Fische, durch die Wasseroberfläche betrachtet, ein gutes Drittel größer aussehen lässt, als sie es tatsächlich sind (sog. Hemingway-Effekt). Aber nun zum Entscheidenden:

Hm. Ein ganz normales, allerdings sehr bissfestes, gekochtes Ei, das ein wenig nach Essig schmeckt. Etwa so, als hätte es ein paar Stunden in einem Kartoffelsalat gelegen.
Das Böse ist in der Tat sehr banal. Fazit: harmlos, aber teuer. Fünf Eier kosten nämlich etwa sechs Euro. Aber das ist auch schon das Schrecklichste an ihnen.

Neulich bei Rossmann

Bei "Jogging mit Mozart" noch ernsthaft darüber nachgedacht, ob sich diese Musik vielleicht wirklich besonders gut zum Joggen eignet. Hasse Mozart, geschieht ihm daher nur recht, dass leicht aus der Form geratene, frisch geschiedene, hormongebeutelte Mittsechziger- und Siebziger sich die CD in ihren Discman (?) legen, um exakt einmal joggen zu gehen und dann nie wieder (weil, Sportwagen kaufen zur Auslebung der Midlife-Crisis ist doch weniger anstrengend und durch Abwrackprämie gefördert, außerdem ist Discman zum Dauerlauf ungeeignet) – Also: Ja meinetwegen, gerne, Jogging mit Mozart!

Bei "Walking mit Wagner" aber nur noch gelacht.

(Es ist allerdings nicht so, dass es bei diesem vorzüglichen Drogisten mit den Kentauren im Logo nur Scherzartikel gibt – als Geschenk verehrte man Cohu neulich die großartige "Banabox" [s. Abb.], auch aus dem Sortiment des Pferdemenschen. Ehrenplatz im Tupperregal!)

Praetentio

Da schüttelt es einen doch aus metaphysischer Abscheu heraus! Soehnle “Retro”-Waage. Die Waage sieht auf den ersten Blick aus, als hätte sie eine Analoganzeige. Bei genauerem Hinsehen bemerkt man jedoch, dass der Zeiger elektronisch gesteuert ist: erst nachdem die Waagen-Innereien ihr Messwerk getan haben (und die Digitalanzeige das Ergebnis verkündet), bekommt der Zeiger die Anweisung, auf das entprechende Strichlein zu weisen. Sowas ist mir wirklich ein Gräuel, und das meine ich jetzt ganz im lutherschen Sinne.

(Ähnliches findet man am Fotoapparat Samsung TL320, ich hoffe, das wird nicht Mode.)

Rasierer zu Pflugscharen

Dass es auf dem Markt für Nassrasierer verschwörerische Verwicklungen geben könnte, ahnte man irgendwie schon bei der Lektüre des amtlichen Schriftstücks 31993D0252 aus dem Jahre 1993. Wenn ich den spannenden Text recht verstehe, untersagte damals die europäische Kommission dem Marktführer Gillette, sich (indirekt) am Geschäft seines Konkurrenten Wilkinson Sword zu beteiligen – man befürchtete eine Kartellbildung.

Angesichts einer derart vertrackten Marktsituation sind die unverschämt hohen Preise für Rasierklingen nicht weiter erstaunlich. Als ich heute im Drogeriemarkt das hier sah, erschrak ich trotzdem ein wenig:

Die Reaktion des männlichen Teils der Bevölkerung auf diese Entwicklung ist auf den ersten Blick etwas kratzbürstig, aber doch nachvollziehbar: Rasierer-Boykott (benannt nach einem imposanten Bartträger, übrigens) ist in Zeiten der Krise die einzig angemessene, gerechte Strafe für die halsabschneiderischen Praktiken der Konzerne! Und so verwundert es nicht, dass die amerikanische Presse inzwischen bereits einen immer stärker um sich greifenden Trend zu recession stubble und backlash beard ausruft:

According to the marketing research company The NPD Group, sales of electric shavers and men’s facial trimmers have dipped 12 percent just in the last year [2008] while beard-related activities are, well, bristling. (msnbc.com)
 

Männer: Marx wäre stolz auf Euch. Wenn es allerdings wirklich einen Zusammenhang zwischen Rezession und Rasierstreik gibt, macht Euch auf was gefasst. Damenrasierer sind traditionell nämlich noch teurer als die für Männer, Frauen haben zudem deutlich weniger Geld für solche Luxusprodukte übrig. Ich überlasse es den geneigten Lesern und Leserinnen, aus dieser Tatsache die richtigen Schlüsse  zu ziehen.

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