Soso, ahja,

…1938 konnte man also ein Lied über Marijuana singen, es dabei mit einem Kontrabass treiben – und das Ganze kam dann sogar noch ins Kino:

(Wer sich davon nicht schon beim ersten Hören einen Ohrwurm eingefangen hat, sollte jetzt mal zur Sicherheit seinen Puls kontrollieren.)

Aber, liebe Leser, Hörer und vor allem Zuseher – es kommt noch wilder, und zwar hier:

Alles mit den wunderbaren The Cats And The Fiddle (und im zweiten Video den jodelnden Dandridge Sisters).

Der erste Film entstammt übrigens dem Genre der sich ausschließlich an ein schwarzes Publikum richtenden “race movies”. Der zweite war, meinem Gefühl nach, wohl eher was für Weiße…

Decline of a Nation: Veer are yur papeers?

Der Obertory David Cameron ist Cohu ja schon früher negativ aufgefallen durch sein "Vlog", das mit unglaubwürdigen Anbiederungsversuchen in Videoform in vollem Umfang das Adjektiv cringe-inducing verdient hat (Cohu berichtete, die damaligen Videos sind allerdings nicht mehr online, stattdessen erschreckt bei Webcameron jetzt ein monty-phythonesker "Mr.Pickles" den Besucher).

Jetzt gibt es Wirbel über eine Äußerung Camerons bei einer Veranstaltung zum Thema "ID-Card". Man muss wissen, dass es in Großbritannien traditionell keine persönlich identifizierenden Ausweisdokumente wie unseren Personalausweis gibt – bis vor ein paar Jahren hat das die wenigsten gestört, aber in Zeiten von schröcklichem Terrorismus ist das natürlich eine Sache, die der sicherheitsbewusste Brite nicht länger hinnehmen kann. Cameron versuchte nun, seine nachvollziehbare Abneigung gegen solche Plänezu mit einem flotten Witzchen zu erläutern. Personalausweise würden, so Cameron, nur dann Sinn machen, wenn es gleichzeitig eine Ausweispflicht gäbe. Wie unappetitlich das wäre, illustrierte er mit einem so schlechten deutschen Akzent, dass dieser (siehe Video) für den Uneingeweihten als solcher gar nicht zu erkennen ist: ""You take the dog for a walk at night and the policeman comes up and says ‘Veer are yur papeers?’" 

Abgesehen vom misslungenen Akzentimitat reicht dieser Pseudo-Witz ja nicht mal zum unterhaltsamen Nazivergleich: schließlich, ich darf den Leser daran erinnern, gibt es in Deutschland auch heutzutage zwar keine Ausweispflicht Ausweismitführungspflicht de jure, aber doch eine de facto, was jeder, der schon einmal mit längeren Haaren, dunklerer Haut (oder Männerrock) am Bahnhof rumstand, sicher bestätigen wird.

Schwach schwach also, das Ganze. In einer internationalen Arena von Witzbomben eines Kalibers von Berlusconi hätte dieser Cameron definitiv keine Chance. Wenn ich dagegen (was ich eigentlich hormonbedingt immer tue) an Boris Johnson denke…warum wird der, ebenfalls überzeugter Gegner der ID-Cards, eigentlich nicht Tory-Premierminister?

"I have to say that flattering though this suggestion is, I think it is highly unlikely that I would be called upon to serve in that office." Referring to a politician in ancient Rome who was working on his farm when summoned to take power, he added: "Were I to be called, like Cincinnatus, from my plough, obviously it would be a huge privilege to serve. But you may have a long time to wait. I am on record as saying I am more likely to be reincarnated as a hobbit or locked in a disused fridge."  (telegraph.co.uk)

Dass die Briten in Wirklichkeit keinen so tollen Sinn für Humor haben, wie sie immer meinen, ist hiermit also abschließend bewiesen (erste Indizien dafür hatte Cohu ja schon hier gesammelt). Hätten sie wirklich einen Humor, die Briten, dann hätten Leute wie Schleimi Cameron und Trübtüte Brown überhaupt nichts zu sagen. Dann wäre BoJo nämlich schon längst nicht nur Londoner Bürgermeister, sondern dazu noch Premierminister, Oppositionsführer, König und natürlich Trainer der Fußball-Nationalmannschaft. Und einen deutschen Akzent würde er abstammungsbedingt auch ordentlich hinkriegen.

Bildungsinflation

Also wenn jetzt sogar schon die Spammer promoviert sind…

давай слишком нас, давай слишком вас, давай за здорово живёшь российский газ

Cohu-Leser wissen: Firmensongs sind das letzte Rückzugsgebiet richtig authentischer, ernstgemeinter und technisch perfekt umgesetzter Musik (Cohu berichtete). Was aber Gazprom jetzt vorgelegt hat, ist wirklich nicht mehr zu toppen. Ob die Übersetzung dem russischen Liedtext entspricht, kann ich natürlich nicht sagen. Aber wenn ich Wodka tränke, würde ich jetzt definitiv einen auf russisches Gas heben:

 (via Metafilter)

Lebensecht

"This is Kev and his daughter Alice. They’re living on a couple of park benches, surviving on free meals from work and school, and the occasional bucket of ice cream stolen from a neighbour’s fridge. When you create a Sim in The Sims 3, you can give them personality traits that alter their behaviour. Kev is hot-headed, mean-spirited, and inappropriate. He also dislikes children, and he’s insane. He’s basically the worst Dad in the world. He is a horrible human being, but he’s also amusing to watch. (…) His daughter Alice is a kind-hearted clumsy loser. With those traits, that Dad, and no money, she’s going to have a hard life."

(Alice and Kev – the story of being homeless in The Sims 3)

Ich bin ja, angesichts dieser drolligen Spieloptionen, wirklich schwer versucht, mir diese neue Sims-Version zu kaufen. Wer weiß schließlich, wann das Spiel im Rahmen der neuen Offensive als "Killerspiel" verboten wird…Freigeben Ab 6 Jahren? Mitnichten beruhigend, liebe Eltern! Das machen nämlich Eure Kinderchen mit den netten kleinen Sims:

Kann es eigentlich sein,

…dass bei der Abenzeitung ein etwas übereifriger Volontär am großen roten Kommentarmoderations-Knopf sitzt? Ich gehöre nicht zu den Leuten, die Moderation einer privaten Seite für pöse pöse Zensur halten, aber wenn man mit großer Geste zu einer Userbefragung aufruft und schreibt:

“Was gefällt Ihnen in unserem Angebot, was sollten wir anders machen, was vermissen Sie? Wir freuen uns auf Ihre Anregungen.”  (AZ – Helfen Sie uns, noch besser zu werden)

- und dann Kommentare, die sehr sachlich und freundlich auf Probleme hinweisen, immer wieder von der Seite löscht, spricht das nicht grade für ernst gemeinte Leserorientierung…

Verborgene Schätze

Die Liste der appetitlichen Streaming-Angebote, die für deutsche Nutzern lästigerweise nicht zugänglich sind, wird länger und länger: zur BBC (Sendungen der letzten 7 Tage können über Iplayer abgerufen werden – aber nur auf der Insel) und Hulu (mit Sendungen wie The Office, Simpsons, House – nur in den USA zugänglich) kommt nun auch noch Channel 4. Während der Brite sich also in aller Ruhe die Sendungen des letzten Monats ansehen kann, muss man in Deutschland mit Mini-Ausschnitten auf Youtube Vorlieb nehmen (etwa zum Thema Was tun im Fall eines Bürofeuers?).

Ich verstehe sehr gut, dass man in unterschiedlichen Ländern Rechte unterschiedlich verwerten will und es daher keinen Sinn macht, alles einfach gratis ins Netz zu stellen. Aber wie lange soll due  (durchaus zahlwillige) Nachfrageseite hierzulande sich eigentlich noch mit grottigen Synchonisationen, albernem Proxy-Gewurschtel und  UK-Import-DVDs zufriedengeben – oder gar mit Kapernfahrten?

Wer ist eigentlich schuld daran, dass diese (wie man angesichts der zahlreichen Piratenbörsen feststellen kann, ziemlich große) Nachfrage nicht befriedigt wird? Das hat sich Farhad Manjoo von Slate auch gefragt, zwar im Bezug auf Kinofilme und den US-Markt, aber die Überlegungen lassen sich genausogut auch auf TV-Inhalte übertragen:

The reason isn’t stupidity. When I called people in the industry this week, I found that many in the movie business understand that online distribution is the future of media. But everything in Hollywood is governed by a byzantine set of contractual relationships between many different kinds of companies—studios, distributors, cable channels, telecom companies, and others. (…) many of the contracts were written years ago, and they don’t reflect the current technology. (…)
(Farhad Manjoo: Why there is no Itunes for movies)

Schuld sind also, wer hätte es gedacht, die Juristen und ihre absurden Vertragskonstruktionen. Sie lassen flexible Anpassung an neue Verwertungswege einfach nicht zu. Laut dem Netflix-Gründer wird es daher in den USA noch an die zehn Jahre dauern, bis man alle Filme über Internet-Stream kaufen kann. Bis dahin müssen wir wohl oder übel vertrackte Schatzkarten lesen. Oder Lindenstraße glotzen.

(Illustration von Georges Roux für "Die Schatzinsel", via Wikimedia Commons)

Information wants to be free

Die Medien dürfen bekanntlich erst ab einem gewissen Zeitpunkt über voraussichtliche Wahlergebnisse  berichten ("Exit Polls"). In Bulgarien nimmt man einen Umweg, um die Radiohörer schon vor sieben Uhr zu informieren: man kodiert die Ergebnisse. Das mit dem Wetterbericht ist noch relativ naheliegend ("Meanwhile, near the governing Socialists’ headquarters the temperature is an even chillier 20 degrees…"). Anstrengender wird es schon, wenn man Buchtitel und -preise heranzieht:

"Because we are socialists, a recent book by centre-left leader Segei Stanishev, sold at 19 leva, while Mein kampf by Adolf Hitler – referring to the nationalist Ataka party – sold at 12.3 leva."

Andere Sender verwenden Pseudo-Beliebtheitsskalen von Songs oder von Cocktails:

"Moscow dawn came second at 19.6 percent, followed by On this side of the Bosphorus – referring to the Turkish Movement for Rights and Freedom – at 13.3 percent." (EUobserver)

Zumindest in München schlug Weizengrassaft (Kräuter-Bionade?) die gute alte Bloody Mary haushoch… während in Schweden beachtliche 7,1% eine Buddel voll Rum vorzogen. Dass in Bayern so viele immer noch beim Weißbier bleiben (sogar, wenn es reichlich abgestanden serviert wird), ist angesichts der heute erhältlichen Getränkeauswahl erstaunlich…

(Bild: rick/Wikimedia Commons)

Fröhliche Wissenschaft

…diesmal aber wirklich:

"Primatologist and psychologist Marina Davila Ross of the U.K.’s University of Portsmouth led a team that tickled the necks, feet, palms, and armpits of infant and juvenile apes as well as human babies. The team recorded more than 800 of the resulting giggles and guffaws." (Apes Laugh, Tickle Study Finds)

(Bild: cohu)

Decline of a Nation: O How The Mighty Have Fallen

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